Handfester Lyrikpreis für Autorinnen statt Fake-Feminismus

von Maren Schönfeld

Geht es wirklich voran mit der Gleichberechtigung? Feminismus oder der so genannte „neue Feminismus“ ist angesagt und das hat sich bis zur Werbeindustrie herumgesprochen. „Femvertising“ ist das neue Schlagwort, das aus Feminismus und Advertising gebildet wurde und die Vermarktung des Feminismus für kommerzielle Zwecke bezeichnet. Entschieden haben das Vorstände, die immer noch ganz überwiegend aus Männern bestehen. Ob das den Frauen außer ein wenig Medienwirksamkeit irgendetwas bringt, bleibt fraglich.

Und wie sieht es in der Kultur aus? Was die Auszeichnungen von Lyrikerinnen angeht, so befinden wir uns immer noch gefühlt in der Steinzeit. Frauen sind deutlich unterrepräsentiert. Dagegen geht das Literaturportal Fixpoetry nun aktiv an und hat den Gertrud Kolmar Preis ausgeschrieben:

„Wir beobachten seit Jahren, dass Preise häufiger Büchern oder dem Gesamtwerk von Männern als jenen/jenem von Frauen zuerkannt werden. Insbesondere die prestigeträchtigen, hochdotierten Preise sind eine Männerdomäne und werden Schriftstellern ungleich häufiger verliehen als Schriftstellerinnen“, sagt die Kuratorin Julietta Fix. „Daher haben wir von Fixpoetry einen Lyrikpreis, der sich ausschließlich an weibliche Autorinnen richtet, ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, mit diesem neu geschaffenen Preis Lyrikerinnen und ihre Gedichte in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, nicht weil sie Frauen sind, sondern weil sie Urheberinnen großartiger Gedichte sind.“

Gertrud Kolmar war eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Schriftstellerinnen deutscher Sprache des Zwanzigsten Jahrhunderts. Sie wurde am 10.12.1894 in Berlin geboren und starb vermutlich 1943 in Auschwitz, wo sie von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Zu Lebzeiten veröffentlichte sie drei Gedichtbände, nach ihrem Tod wurden mehrere Werke herausgebracht und sie wurde posthum 1956 mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

An der Ausschreibung können sich deutschsprachige Autorinnen mit bis zu fünf Gedichten beteiligen. Die Jury, bestehend aus Insa Wilke, Beate Tröger, Olga Martynova, Nefeli Kavouras, Julietta Fix und Esther Dischereit, wird die Preisträgerinnen im Laufe des Sommers 2019 bekanntgeben. Der Hauptpreis ist mit € 10.000, der 2. Preis mit € 4.000 und der Förderpreis mit € 2.500 dotiert. Einreichungsschluss ist der 31. März 2019.

Zur detaillierten Ausschreibung mit den Einreichungsmodalitäten geht es hier: Gertrud Kolmar Preis

Fixpoetry erweitert seinen ohnehin schon sehr vielseitigen und breit aufgestellten Wirkungskreis damit um einen Literaturpreis, der als einer der wenigen an Autorinnen ausgerichteten viel Beachtung finden wird. Das Portal Fixpoetry trägt den Slogan „Wir reden über Literatur“ und bietet Berichte aus der literarischen Welt, Kolumnen, Buchbesprechungen und literarische Texte sowie Illustrationen. 2007 von Julietta Fix gegründet, entwickelte sich das zunächst als Website für Poesie angedachte Portal seither zu einem Ort, der das literarische Geschehen im deutschsprachigen Raum abbildet.

Neben der URL www.fixpoetry.com ist Fixpoetry auch bei Facebook und Twitter. Besonderer Schwerpunkt des Portals ist die Förderung von Frauen und ihrer Literatur. Deshalb ist die Frauenbeteiligung und auch die Anzahl rezensierter Bücher von Autorinnen deutlich höher als in vergleichbaren Medien, wie auf der Website zu lesen ist.

 

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.