Kurzgeschichtenpreis der Hamburger Autorenvereinigung vergeben

von Maren Schönfeld

Heike S. Hartmann-Heesch, Birgit Rabisch, Karsten Meyer (Foto: Detlef Heesch)

Birgit Rabisch (1. Platz), Karsten Meyer (2. Platz) und Heike Suzanne Hartmann-Heesch (3. Platz) sind die Gewinner des zum zweiten Mal ausgeschriebenen Kurzgeschichtenpreises.

„Heimat“ lautete das Motto des Preises, an dem nur Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung teilnehmen konnten. Sechs Texte schafften es in die Endrunde, das Publikum kürte am 28. Juni die drei Gewinner. Vor mehr als 80 Gästen fand die öffentliche Lesung in den Bethanien-Höfen in Eppendorf statt. Nachdem die Vorsitzende Sabine Witt die Anwesenden begrüßt hatte, führte Wolf-Ulrich Cropp (Stellvertretender Vorsitzender) durch den Abend.

Die sechs Finalisten hatten das Thema ganz unterschiedlich umgesetzt

Naheliegend ist es, Lebens- oder Kindheitserinnerungen mit dem Motto zu verknüpfen, wie es in einigen Erzählungen auch geschah. Erinnerungen an Kriegszeit und Flucht, an eine Kindheit in einer deutschen Kolonie in Oranienbaum, einmal von Cordula Scheel in nahezu lyrischen, detailreichen Bildern geschildert, einmal von Heidrun Schaller wie ein Blitzlicht ins Gestern gesetzt. Mit einer bildkräftigen und leidenschaftlich vorgetragenen Hommage an den Hamburger Dom präsentierte Hans Krech seine Variante des Wettbewerbsthemas.

Sabine Witt, Vorsitzende (Foto: Ralf Plenz)

Die drei Siegertexte

In verdichteter Sprache kommt Heike Suzanne Hartmann-Heeschs Erzählung „Meer ist Nacht“ zu einer Perspektive auf Heimat in einer Zweisamkeit, die durch den Verlust des Partners jäh zerstört wird. Allein ist diese Heimat nicht zu halten, auch wenn die Protagonistin es verzweifelt versucht. Das Publikum wählte die eindringliche Erzählung auf Platz 3.

Die Plätze 1 und 2 haben im formellen Sinne klassische Kurzgeschichten erhalten. Karsten Meyer (2. Platz) lässt in „Fremde Heimat“ seinen Protagonisten nach Jahrzehnten zurück an den Ort der Kindheit reisen. Die Begegnung mit einem Fremden dort ist zunächst spröde, verwandelt sich jedoch in Herzlichkeit, als die Männer die Verbindung zwischen sich entdecken. Die alte, fremd gewordene Heimat soll die neue werden.

Heimat hier und jetzt

Birgit Rabisch ist die einzige Autorin der Finalisten, die den Heimatbegriff in das digitale Zeitalter und damit in unsere konkrete Gegenwart gestellt hat. Ihre Geschichte „Heimatverbunden“ beschreibt das Leben der jungen Protagonistin Mona, die mit ihrem Laptop in Cafés zu arbeiten pflegt, wo das Geräusch der Espressomaschine sie in Arbeitsstimmung versetzt. Per WLAN ist sie in sozialen Netzwerken unterwegs und pflegt per Mail ihre Freundschaften. Sie lebte schon in London, Nantes, Rio, Kapstadt und Sidney. Die Aufgabe, etwas zum Thema „Heimat“ zu schreiben, schiebt Rabisch ihrer Protagonistin zu – und diese lässt sich erst mal über Facebook von den Freunden erzählen, was denen dazu einfällt.

Wolf-Ulrich Cropp führte durch den Abend (Foto: Ralf Plenz)

Was ist also Heimat? Erinnerungen, innere und äußere Orte? Oder, wie Birgit Rabisch in den Raum stellt, „jeder Ort, an dem es WLAN gibt“? Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Dafür gab es am Abend der vielfältigen Textpräsentationen reichlich Inspiration.

Schließlich präsentierte Sabine Witt die so genannte Null-Nummer der verbandseigenen Zeitschrift „Hamburger Autoren“ mit den sechs Texten der Finalisten, produziert im Hamburger Input-Verlag von Ralf Plenz. Die bibliophil gestaltete Zeitschrift ist ein neues Projekt der Hamburger Autorenvereinigung, auf weitere Ausgaben darf man gespannt sein.

 

Mehr über die Hamburger Autorenvereinigung: www.hh-av.de

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.