Die Geschichte einer Nordmann-Tanne

von Birgit Romann-Pontow

Die Autorin mit Weihnachtsbaum, (c) Angelika Fischer

Es war einmal, so fangen viele Märchen an. Das Märchen, das ich heute zu erzählen habe, ist eine wahre Geschichte.

Ich bin ein Hamburger Stadtkind, mein Mann kommt aus Schleswig-Holstein. Nach unserer Hochzeit im Jahre 1996, wohnten wir zunächst in meiner kleinen Wohnung in Eilbek, nahe der Wandsbeker Chaussee. Meinem Mann fehlte die Landluft und so zogen wir ein Jahr später nach Barmstedt, seinem Heimatort. Die Hauptstraße ersetzte mir zwar die Stadtluft, aber irgendwie war das doch nicht so ganz nach unserem gemeinsamen Geschmack. Wir schauten uns weiter um und fanden Anfang 2004 unser neues Zuhause. Eine Doppelhaushälfte, mitten auf dem Land in einem Dorf namens Hemdingen mit 1500 Einwohnern und viel frischer Luft. Ich, ein Stadtkind, bis auf die gemeinsame Wohnung Barmstedt, mein Leben lang ohne Balkon, hatte nun ein Haus mit Garten, Wiese drum herum und zwei wunderschöne Nordmann-Tannen im Vorgarten. Garten? Toll! Blumen, Pflanzen. Versuch macht klug. Alles wuchs unter unseren Händen.

Dann kam das erste Weihnachtsfest und damit die Frage: Wie schmücken wir unseren Garten? Das Haus war ja kein Problem, aber der Garten? Okay, Lichterschläuche, Lichterketten, Glanz und Gloria. Oh, wie schön! Die beiden Nordmann-Tannen waren zu dem Zeitpunkt ca. so groß wie ich, nämlich 1,65 Meter. Wir schmückten eine der beiden mit einer Außen-Lichterkette. Da mein Mann 1,90 Meter groß ist, war es ohne Leiter für ihn kein Problem. In den Folgejahren wurden die beiden Tannen größer und größer. Es wurden zwei Lichterketten, dann drei und dann ging auch mit der größten Leiter nichts mehr. Aber auch ohne Beleuchtung waren die beiden immer eine Augenweide. Eichhörnchen bauten ihre Kobel, Wildtauben ihre Nester in den beiden Bäumen.

Im Oktober dieses Jahres schaute meine Vermieterin vorbei und stellte fest, dass die beiden wunderschönen Tannen, die inzwischen eine stattliche Größe von knapp 10 Metern erreicht hatten, zu groß seien und bei unseren Witterungsverhältnissen eventuell einen Sturmschaden verursachen könnten. Also, eine sollte auf jeden Fall weg. Oh nein! Der Schock war groß! Wir lieben unsere Tannen! Aber es kam, wie es kommen musste. Ein Kranwagen, zwei Männer mit einer Säge und nun ist eine der Tannen nicht mehr bei uns.

Aber da Märchen meistens gut enden, kommt hier das Ende der Geschichte: Unsere Tanne steht dieses Jahr im Hamburger Michel in Glanz und Gloria! Oh, wie wunderschön! Wir werden uns auf jeden Fall noch von ihr verabschieden.

Übrigens: Wir haben heute von unserer Vermieterin eine kleine Tanne für unseren Vorgarten erhalten, die wir nun zur Weihnachtszeit mit einer Lichterkette schmücken.

Und wer weiß das schon, vielleicht wird auch dieser Baum irgendwann wieder für das größte Fest der Christenheit benötigt werden…

<><><><><><><><><><><><><><><><><><>

Die Auswärtige Presse dankt Ihnen für den Besuch unseres Online-Magazins und wünscht Ihnen frohe Weihnachten.

 

 

 

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.