Sommer, Sonne, Kegelrobben – Urlaub auf Helgoland

Dieser Artikel erschien bereits in SaS (Schleswig-Holstein am Sonntag)

von Uta Buhr

Fischerboote
Fischerboote

Ein Gang durch die Bunkeranlagen auf Helgoland, in denen die Bevölkerung im April 1945 vor dem Bombenhagel der Engländer Schutz suchte, ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Manchen schaudert es, wenn der Mann mit der blauen Schiffermütze erklärt, wie beengt die Menschen in den feuchten Gängen hockten. Lang, lang ist’s her, und gottlob präsentiert sich Deutschlands einzige Hochseeinsel heute als Freizeitparadies ersten Ranges.

„Mein größtes Vergnügen ist immer der Verkehrsfunk am Morgen“, schmunzelt der Führer durch die „Unterwelt“. „Hier gibt es weder Stress noch Staus.“ Auf „Deät Lun“ – so der friesische Name von Deutschlands einziger Hochseeinsel – verkehren nur wenige elektrobetriebene Fahrzeuge. Und Fahrradfahren ist auch verboten, denn dieses gerade einen Quadratkilometer große Eiland lässt sich „bummelig“ in zwei Stunden zu Fuß umrunden. Aber Rollerfahren ist erlaubt, und davon machen Einheimische und Touristen reichlich Gebrauch.

Wer das Unter- und Mittelland mit seinen zollfreien Läden und die bunten Hummerbuden hinter sich gelassen hat, begibt sich auf das zerklüftete Oberland und ist aufgrund der hier aufgestellten Informationstafeln schnell in die lange Geschichte der Insel eingeweiht. Ein Gang zur Langen Anna, jenem hoch aufragenden, 47 Meter hohen Felsen aus porösem Buntsandstein ist Pflicht. Denn laut Experten steht er buchstäblich auf der „Kippe“, weil Sonne, Wind und Stürme täglich an seiner Substanz nagen und niemand weiß, wann dieses Wahrzeichen Helgolands zusammenbricht.

Kegelrobbe auf der Düne
Kegelrobbe auf der Düne

Mit der Fähre geht es auf die „Düne“, die so geschützt liegt, dass sie an schönen Tagen fast mediterran wirkt. Der größte Hit sind die Kegelrobben, die dicht gedrängt am Ufer liegen und sich die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen. Gelegentlich kommt Bewegung in die graue Masse, wenn einige von ihnen ins Wasser „robben“, und das in einer Geschwindigkeit, die man diesen schweren Tieren gar nicht zutraut. Wer ihnen zufällig beim Schwimmen begegnen sollte, sei gewarnt. Das Berühren der Tiere ist strikt verboten. Einfach ruhig weiter schwimmen und diesen possierlichen Säugern bei ihren Tauchkünsten aus respektvoller Entfernung zusehen. Auch an Land sollte man eine Distanz von 30 Metern wahren.

Ein echter Glücksfall für Helgoland ist Katharina Tilly, die neue Dünen-Rangerin, die über ein Areal von 70 Hektar gebietet. Nicht nur Kinder sind begeistert von ihrer lockeren Art, Geburt, Aufzucht und Leben der ihr anvertrauten Robben und Seehunde zu erklären und an anhand von Bildern zu veranschaulichen. Einer Möwe mit gebrochenem Flügel, die wir in der Nähe des Strandes fanden, widmete Frau Tilly sofort ihre volle Aufmerksamkeit. Vielen Dank dafür.

Hummerbuden an der Promenade
Hummerbuden an der Promenade

Doch zurück ins Unterland. Dort befindet sich ein Freibad vom Feinsten. Mit wohltemperiertem Nordseewasser angefüllt und auch bei rauerem Wellengang ein Zufluchtsort für notorische Wasserratten. Sauna, Dampfbad und Ruheräume sorgen für optimale Entspannung. Es ist schon etwas dran an der Behauptung, Helgoland sei der größte Schönheitssalon der Welt. Die Insel zählt nicht nur zu den sonnenreichsten Ecken der Republik, sondern hat auch noch die sauberste Luft, die selbst die auf der Zugspitze noch schlägt. Mehr geht nicht.

www.helgoland.de

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.