Wolf-Ulrich Cropp – Abenteurer und Fabulierer par excellence

Wolf-Ulrich Cropp
Wolf-Ulrich Cropp

An dieser Stelle veröffentlichen wir in lockerer Folge Porträts von Mitgliedern der DAP, die sich durch besondere Begabungen hervortun. Heute möchten wir Wolf-Ulrich Cropp vorstellen, den Tausendsassa der Auswärtigen Presse.

von Uta Buhr

Wenn Wolf Cropp eine Lesung hält, kann man die berühmte Stecknadel zu Boden fallen hören. Dieser Mann schlägt mit seinen ebenso kenntnisreichen wie abenteuerlichen Geschichten sein Publikum in den Bann. Der Autor trägt seine eigenen Werke so souverän und anschaulich vor, dass der Zuhörer alsbald in die Handlung eintaucht. Nicht viele Schriftsteller können das. Als besonders gelungen kann man die jüngste Lesung im „Steigenberger“ Hotel aus seinem unlängst erschienenen Buch bezeichnen, das den ungewöhnlich langen Titel trägt „Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte und dabei mal kurz am Kilimandscharo vorbeikam“.  Diesem bei DuMont erschienenen, 347 Seiten starken Werk liegt eine Reise durch Teile des ostafrikanischen Tansania zugrunde, in dem  Cropp seine verwegene Reise mit der Geschichte einer orientalischen Prinzessin verquickt und Einblicke in das Leben dieser faszinierenden Frau gewährt, die tatsächlich fern ihrer Heimat viele Jahre in Hamburg verbrachte. Die Fäden beider Handlungsstränge sind so geschickt ineinander verwoben, dass der Leser sich fragt, wo die Dichtung aufhört und die Wahrheit beginnt. Ein Meisterstück der raffinierten Fabulierkunst des Erzählers, der in seiner Jugend bestimmt auch mal die Nase tief in die herrliche Märchensammlung von 1001 Nacht gesteckt hat.

Buchcover
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Wolf Cropp ist ein Tausendsassa im wahrsten Sinne des Wortes. Ja, und wer hat schon eine solche Bilderbuch-Vita vorzuweisen? Dem Abitur an einem Hamburger Gymnasium folgte ein Ingenieursstudium mit Diplom, im Anschluss folgte ein BWL-Studium mit Promotion und als Krönung die Karriere eines mit allen Wassern dieser Welt gewaschenen Erfolgsschriftstellers, der es inzwischen auf zweiundzwanzig Bücher – darunter auch einige Bestseller – gebracht hat. Von den Preisen und Ehrungen für außergewöhnliche Essays und Artikel ganz zu schweigen. Nachstehend ein paar Lesetipps: „Hetzjagd nach Alaska“, „Schwarze Trommeln“, „Gletscher und Glut“ und „Heiße Pfade.“

Per aspera ad astra! Welcher Gymnasiast erinnert sich nicht an dieses Diktum, das ihm von ambitionierten Lateinlehrern um die Ohren gehauen wurde. Auch Wolf Cropp musste erst durch das Raue, bevor er zu den Sternen aufstieg. Sein Vater, seines Zeichens Flugzeugbauingenieur und zeitweilig Mitarbeiter des legendären Wernher von Braun, reagierte kalt und abweisend, als der Sprössling ihm kurz vor dem Abitur verkündete, er wolle Schriftsteller werden. Sogar mit Enterbung wurde dem jungen Mann gedroht. Vielleicht lag der „Alte“ ja doch nicht ganz falsch, zumindest in der Hinsicht, dass es zunächst einmal galt, einen richtigen, sprich seriösen, Beruf zu erlernen. So geschah es, und der Filius arbeitete in der Folge als Wirtschaftsingenieur in angesehenen Unternehmen. Und dies sogar noch lange nachdem er sich ab dem Jahr 1997 ganz dem Reisen und der Schriftstellerei verschrieben hatte. Diese mit vielen Gefahren gespickten Reisen führten (und führen heute noch) den Autor durch alle Kontinente unseres Erdballs. Ob es nun eine Tour auf dem Motorroller durch den von Bürgerkriegen geschüttelten Süd-Sudan, ein längerer Aufenthalt in Afghanistan oder eine „kleine“ Spritztour durch Ostafrika mit einem Spaziergang am Fuße des Kilimandscharo ist – Wolf Cropp ist in allen Sätteln gerecht und ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Angst scheint er nicht zu kennen. Und da stellt sich die Frage: Wie kommt die Frau an seiner Seite mit diesen Situationen zurecht? Christiane Cropp, eine aparte dunkelhaarige Dame, sieht die Abenteuerlust ihres Gatten ganz gelassen. Bisher ist ja alles gut gegangen.  Und hätte er sich etwa durch ihren Einspruch von irgendetwas abhalten lassen? Wer Wolf-Ulrich kennt, weiß die Antwort: Mitnichten. Und wir alle wissen, dass hinter einem erfolgreichen Mann immer eine starke Frau steht, die die Fäden fest in der Hand hält. Ita est!

Christiane und Wolf-Ulrich Cropp
Christiane und Wolf-Ulrich Cropp

Seit über vierzig Jahren sind Wolf und Christiane jetzt verheiratet. Angefangen hatte alles Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Stadtbäckerei am Hamburger Gänsemarkt. Folgende Szene am Silvesterabend: Christiane will Kaviarbrot für das Mitternachtsfondue im Familienkreis kaufen und Wolf eine Tasse Kaffee trinken. „Da entdeckte ich sie“, erinnert er sich. „Sie war todchic mit einem Ozelothütchen auf dem Kopf und einem entsprechenden Cape um die Schultern.“ (Anmerkung der Chronistin: Pelze konnte man zu jener Zeit noch ungestraft tragen, ohne von selbsternannten Tierschützern angepöbelt oder gar mit Buttersäure attackiert zu werden). Er hätte sich angesichts dieser Eleganz gar nicht an sie herangetraut, gesteht Wolf, denn sein Vater hätte ihn denkbar „kurz“ gehalten. Doch die patente Grafikerin aus bester Familie erhörte ihn, und so fuhren sie zusammen in der U-Bahn ein Stück zusammen und stellten fest, dass sie einander zugetan waren. Ein halbes Jahr später heirateten sie. Das hört sich so märchenhaft an, dass man diesen Text eigentlich mit dem berühmten Schlusswort der Märchenbrüder Jakob und Wilhelm Grimm schließen könnte.

Aber soweit sind wir noch nicht. Denn Wolf Cropp hat offenbar die Gene seines Großvaters, eines Schiffsarztes, geerbt, den es ebenfalls immer wieder in die weite Welt hinaustrieb. Nächstes Ziel ist Kuba, die paradiesische Insel in der Karibik, die das Ehepaar Cropp gemeinsam erkunden will. Zur Abwechslung einmal ein Land, in welchem keine bis an die Zähne bewaffneten Milizen die Sicherheit der Reisenden bedrohen. Doch irgendwann wird es den umtriebigen Mann wohl wieder nach Afrika oder Asien verschlagen, wo er seinem Abenteuertrieb lustvoll nachgehen kann. Aber mit einer Dhau, jenen optisch schönen, aber sehr unsicheren Segelbooten, würde er auf keinen Fall mehr auf dem Meer herumschippern. Das zumindest wird die wind- und sturmerprobte Ehefrau Christiane ungemein beruhigen! Seine verschiedenen Verlage, darunter so bekannte Häuser wie DuMont und Delius Klasing, im Übrigen auch. Denn die möchten noch viele Bestseller von Wolf Cropp herausbringen. Wir, seine Leser, freuen uns schon auf weiteren interessanten Lesestoff und besonders auf anregende Lesungen. Da bleibt als Schlusswort nur noch die kernige Aufforderung des „Leichtmatrosen“ Freddy, die da lautet: Junge komm’ bald wieder!

Buchcover
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Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.