Das Volkstheater in Kaskantyu

von Ferenc Horváth

Szene aus dem Volkstheater
Szene aus dem Volkstheater

Das turksprachige Volk der Kiptschak war ursprünglich in der Nähe des Flusses Irtysch ansässig, also unweit der Grenze zur Volksrepublik China. Varianten und abweichende Transkriptionen des Namens dieser Volksgruppe sind bei den Westeuropäern – und früher auch unter den Byzyntinern – als Kumanen bzw. Komanen bekannt. Der Tartarensturm hatte die Kumanen immer mehr nach Westen gedrängt, bis sie unter der Führung von Kotjan Khan (1202 – 1241) durch König Béla IV. autorisiert wurden, auf ungarischem Territorium zwischen Donau und Theiß zu siedeln. So heißt es bei Wikipedia.

Kaskantyu, ein knapp 1000-Seelen-Ort in der ungarischen Puszta, war in seinem Ursprung ein kumanisches Dorf. Hier hat Tradition noch einen hohen Stellenwert, denn seit 40 Jahren werden hier an drei Tagen die so genannten „Faschingsfestspiele“ abgehalten. Zwischen 40 und 50 Personen, allesamt Amateure, sorgen mit Hilfe fast aller im Ort ansässigen Menschen für den Ablauf dieser Festspiele. Die Truppe nennt sich „Komedias Kompania“, was soviel bedeutet wie „Komödiantische Truppe.“ Das Alter der Mitwirkenden schwankt zwischen 6 Jahren bis zum Rentenalter und sogar darüber hinaus. Auf Einladung unserer Freunde landeten wir in diesem Ort ohne vorher zu wissen, was uns erwartete. Wie groß war daher unsere Überraschung.

Szene aus dem Volkstheater
Szene aus dem Volkstheater

Die Schauspieler machten ihre Sache sehr gut und überzeugten das Publikum durch Spielfreude und Leidenschaft. Sie wirken sehr professionell, weil sie alle Texte der Komödie völlig fehlerfrei vortrugen.  Ob Malermeister, Student oder Inhaber eines Tante-Emma-Ladens – alle gaben ihr Bestes. Die Atmosphäre war entspannt und fröhlich. Und das, obgleich das auf der Bühne Dargestellte im engen Zusammenhang mit den Handlungen mancher Zuschauer standen. Das Dorf stellte sich nebst aller lustigen Vorfälle und Probleme selbst dar. Einmalig!

So etwas kann nur in einem kleinen Gemeindewesen gedeihen, dessen Mitglieder sich nahestehen. Etwas zutiefst Familiäres mit allen Höhen und Tiefen des lokalen Lebens wurde dem Zuschauer vermittelt. In einer größeren Stadt, geschweige einer Großstadt, wäre derartiges kaum möglich.

20170303_205132Fazit: Die Vorstellung des Volkstheaters von Kaskantyu erwies sich als ein großartiges Spektakel. Danke an alle Akteure, die aus dem Stück einen Erfolg machten.

 

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.