Vorjahressiegerin Heike Suzanne Hartmann-Heesch gewinnt erneut den „Bahman“-Preis der literatur altonale Lesebühne

von Dirk-Uwe Becker, Mitarbeit Heike Suzanne Hartmann-Heesch
Foto: Günther von der Kammer

Preisträgerin und Moderatorin
Preisträgerin und Moderatorin

Anlässlich der „altonale“, dem Stadtteilfest in Altona, gibt es einmal im Jahr im Bistro Roth in Ottensen die literatur altonale Lesebühne, veranstaltet vom Literaturnetzwerk Textfabrique51. Anders als auf den Offenen Lesebühnen, die die Textfabrique51 dort sonst monatlich moderiert und zu der AutorInnen spontan kommen und Texte bis zu 10 Minuten Länge vortragen können, müssen sich die AutorInnen für die altonale Lesebühne vorab bewerben, und im Anschluss an das Wettlesen wird seit vergangenem Jahr der „Bahman“-Preis vergeben, benannt nach Bahman Nader-Nezhad, dem Betreiber des Bistro: Das Publikum ermittelt per geheimer Wahl den/die SiegerIn. Die Vorlesezeit für jede/n einzelne/n AutorIn ist auf maximal 8 Minuten begrenzt – wenig Zeit für die AutorInnen also, um die Jury von ihrem/seinem Text und Vortrag zu überzeugen!

Mit rund 40 Zuhörern platzt bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Veranstaltung der obere Gastraum aus allen Nähten; flugs werden weitere Stühle bereitgestellt: Für Zuspätkommer gibt es letztendlich dennoch kaum einen Stehplatz.

Ellen Balsewitsch-Oldach moderiert gewohnt souverän und führt das Publikum durch ein sehr bunt gemischtes Programm an Texten, das in diesem Jahr allerdings keine Lyrik beinhaltet: Alle AutorInnen hatten sich mit Kurzprosatexten beworben. Abwechslungsreich ist es dennoch: Autorin Dörte Jansen, eine der zwei Debütantinnen in Sachen Lesungen, tritt mit einem plattdeutschen Werk auf die Bühne, Andrea Eckert (im zweiten Teil nach der Pause) lässt sich zu ihrem (nicht gesungenen) Text mit der Gitarre begleiten. Insgesamt 12 AutorInnen präsentieren ihre Texte, unterbrochen von einer kurzen Pause, in der Bahman Nader-Nezhad eine Auswahl seiner köstlichen Tapas serviert: Hackbällchen in pikanter Tomatensauce, Kartoffelhälften, Bruschetta, dazu warmes Brot und Knoblauchdip.

Nach mehr als drei Stunden intensiven Zuhörens ist dann das Publikum gefragt: Auf vorbereiteten Stimmzetteln versieht jeder Gast seine/n Favoriten/in mit einem Kreuz. Trotz über 40 abgegebenen Stimmzetteln ist die Auszählung schnell erledigt, und mit einem Lächeln gibt Ellen Balsewitsch-Oldach die Siegerin bekannt: „Das Publikum hat es uns einfach gemacht: Die neue Preisträgerin ist die Vorjahrespreisträgerin Heike Suzanne Hartmann-Heesch aus Eimsbüttel.“ Hartmann-Heesch verteidigt also ihren Titel mit ihrer kurzen Erzählung „Meer ist Nacht“, einem Text über den Tod eines geliebten Menschen. Trotz des traurigen und melancholischen Untertons und des ernsten Themas des Textes gelingt es der Autorin, mit sprachlicher Leichtigkeit, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die die Herzen im Publikum berührt. „Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten“, erzählt Zuhörerin Antje G., „die Autorin hat mit ihren Worten einen Nerv getroffen.“

Heike Suzanne Hartmann-Heesch hat bislang sechs Bücher veröffentlicht, darunter zuletzt „Langer Atem“, eine Dokumentation der Lungentransplantation, der sie sich 2010 unterziehen musste, und den Erzählband „Die Dinge, wie sie sind“. 2013 gehörte sie zu den Preisträgern des Walter-Kempowski-Literaturpreises der Hamburger Autorenvereinigung. Sie bloggt unter www.papiersinfonie.de

Informationen zur Textfabrique51: www.textfabrique51.de

Informationen zum Bistro Roth: www.bistro-roth.de

Foto: „Bahman“-Preisträgerin Heike Suzanne Hartmann-Heesch (links), Ellen Balsewitsch-Oldach von der Textfabrique51.

 

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.