Deutsche Straßengüterverkehrsbranche begegnet zunehmendem Ladungsdiebstahl

Prof. Dr. Karlheinz Schmidt, BGL e.V.
Prof. Dr. Karlheinz Schmidt, BGL e. V.

von Christian Wilbrand

Immer öfter staunen Lkw-Fahrer nicht schlecht, wenn sie zu ihrem Lkw nach einer Pause oder nach einer Übernachtung wieder losfahren möchten und bemerken, dass ihr Transportgut verschwunden ist, genauer gesagt, gestohlen wurde. Der Diebstahl ganzer Lkw-Ladungen ist ein Phänomen, das in den letzten Jahren massiv zugenommen hat. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, aber man schätzt den Schaden in Westeuropa auf mehrere Milliarden Euro. Neben Sicherungsmaßnahmen an der Ladung selbst wie etwa GPS-Sender, um zumindest nachzuverfolgen, wohin die Ladung gebracht wurde, sind aber auch elementare Vorkehrungen wie zum Beispiel die Wahl eines vertrauenswürdigen Transportunternehmens ein wirksamer Schutz: Trusted Carrier heißt das Sicherungskonzept, mit dem die heimische Transportbranche den Diebstahl ihrer Ladung zumindest deutlich erschweren möchte.

Fahrbahnverengungen, Brückensanierungen und Staus – jeder Teilnehmer am deutschen Straßenverkehr kennt diese Zustände zur Genüge. Der tägliche Wahnsinn, der sich auf dem Fernstraßennetz abspielt, kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Behinderungen auf dem Fernstraßennetz treffen neben Pendlern vor allem Logistikunternehmen, denn die Ladung muss pünktlich beim Verlader abgenommen und pünktlich beim Abnehmer geliefert werden. Sonst fehlt die Milch im Supermarkt und das Medikament in der Klinik. Supply Chain nennt das der Fachmann, die vielschichtige Logistikkette des Transports vom Erzeuger einer Ware zu deren Abnehmer. Auf diesem Weg müssen u.a. Maut-Gebühren, Ruhezeiten, Abladetermine an der Rampe und eben Fahrhindernisse wie Staus beachtet werden.

Seit einiger Zeit haben es Logistiker mit einem Phänomen zu tun, das diese hochsensible, feingesteuerte Supply Chain noch zusätzlich stört. Es geht um den Diebstahl ganzer Lkw-Ladungen. Experten schätzen den jährlichen Verlust auf rund 8,5 Milliarden Euro in ganz Westeuropa. Unter dem enormen Preisdruck, den die Branche durch die Konkurrenz aus den mittelosteuropäischen EU-Staaten erfährt, vergeben Transportunternehmen Lieferaufträge oft an Subunternehmen.

Diese wiederum reichen auf internetbasierten sogenannten Frachtenbörsen denselben Auftrag an weitere Subunternehmer weiter, oft bis ins fünfte Glied, sodass am Ende niemand mehr genau weiß, wer recht eigentlich den Fuhrauftrag abwickelt. Und da liegt des Pudels Kern, denn nur allzu oft handelt es sich beim letztendlichen Transportunternehmen um eine kriminelle Organisation, die nach dem Diebstahl der Ladung Name und Niederlassung wechselt. Die Ladung taucht dann z. B. auf osteuropäischen Flohmärkten auf.

Die Branche reagiert jetzt auf diese kriminellen Machenschaften. Durch eine Zertifizierung mit dem Namen „Trusted Carrier“ wollen die Internationale Transportunion, die Versicherungswirtschaft, der Spitzenverband des Güterkraftverkehrs BGL sowie Transfrigoroute in Zukunft für die Bereitstellung eines Lkw eines bekannten Transporteurs bzw. Trusted Carriers bürgen. Der Hauptgeschäftsführer des BGL, Prof. Dr. Karlheinz Schmidt erklärt:

Der Impuls ging von der verladenden Wirtschaft aus, die sich ein internetbasiertes System wünscht, mit dem sie relativ unproblematisch feststellen kann, ob das Fahrzeug, das an einer Rampe steht, auch ein authentisches Fahrzeug ist, das bei uns im Verband zertifiziert und natürlich auch registriert ist. Wir garantieren dem Auftraggeber, wenn er einem bekannten Transporteur eine Ladung übergibt, dass dieser die Ladung selber fahren muss und wenn er sie nicht selber fahren kann, dass diese Ladung nur einem anderen Unternehmen übergeben wird, das ebenfalls bei uns als bekannter Transporteur bzw. Trusted Carrier registriert ist. Eine Ladung muss eher stehen bleiben, als dass sie von einem unbekannten Dritten befördert wird.“

Der Probebetrieb läuft ab sofort. Anmeldungen nimmt der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. entgegen.

 

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.