Kurlaub unter der Sonne Südafrikas

[Dieser Artikel erschien bereits am 5. Juli 2015 im Badischen Tagblatt, am 29. August 2015 in der PAZ sowie am 28. Februar 2016 in SaS (Schleswig-Holstein am Sonntag)]

von Uta Buhr

Elefantenherde
Elefantenherde

Knapp 90 Minuten dauert der Flug von der Megacity Johannesburg nach Palamborwa, einem winzigen Airport inmitten der südafrikanischen Buschlandschaft. Von hier aus geht es auf direktem Weg zur Lodge. „Herzlich willkommen auf Makutsi!“ Mitarbeiterin Susi reicht den Neuankömmlingen einen kühlen fruchtigen Begrüßungstrunk, der allen wohlig durch die Kehle rinnt. Auf der Fahrt über staubige Landstraßen ist der achtköpfigen Gruppe bereits eine Reihe exotischer Tiere begegnet, darunter zwei Giraffen, die sich an den Blättern eines Baumes gütlich taten, während eine Herde Affen sich kreischend von Ast zu Ast schwang. Auch ein Cheeta, eine der scheuen langbeinigen Raubkatzen, wurde bereits gesichtet. Ein toller Einstieg in das afrikanische Abenteuer mit seiner faszinierenden Fauna und Flora.

Makutsi, dem biblischen Garten Eden nicht unähnlich, erstreckt sich auf einer Fläche von über 13.000 Hektar. Die „Rondavels“, jene im traditionellen Rundbaustil errichteten Gästeunterkünfte, liegen weit voneinander entfernt auf einem grünen Rasenteppich. Große Bäume spenden Schatten. Privatsphäre garantiert. Nur gelegentlich lugt eine der „hauseigenen“ Meerkatzen oder ein exotischer Vogel durch eines der Fenster der komfortabel mit Klimaanlage und Kühlschrank ausgestatteten Hütten.

„Das Beste an diesem paradiesischen Fleckchen Erde ist die Thermalquelle“, schwärmt einer der zahleichen „Wiederholungstäter“, der nun schon zum fünften Mal auf der Lodge totale Ruhe und Entspannung genießt. Und das ist bestimmt nicht das letzte Mal, betont er, bevor er ins wohltemperierte Heilwasser steigt. Die Quelle schießt mit 35 Grad Celsius aus dem Boden und ergießt sich in ein 30 Meter langes, von groben Steinen eingefasstes Becken. Nomen est omen: Im „Roma“ gleich nebenan, dem kleinen, mit Massagedüsen ausgestatteten überdachten Bassin, fühlt sich der Gast wie in einem antiken Badetempel.

Das mit Natriumhydrocarbonat angereicherte Thermalwasser ist Balsam für Menschen mit Gelenkschmerzen. Aber auch Gesunde genießen das Bad in der Therme. Einmal habe sich auch ein Krokodilbaby aus einem der nahen Tümpel eine Kurzkur im großen Pool gegönnt, schmunzelt Heike Weber, eine der Töchter des Makutsi-Gründers Erhard Weber, der die Lodge mit seiner Familie seit 1976 betreibt. Die Anfänge Makutsis, das seinen Namen dem nahe gelegenen Makutsi River entlehnt, müssen wild-romantisch gewesen sein. „Wir hatten keinerlei Infrastruktur“, erzählt die Seniorchefin. Elektrisches Licht war seinerzeit so was wie ein Fremdwort. Und befestigte Wege gab es natürlich auch noch nicht. Aber viele fleißige Hände schufen in relativ kurzer Zeit den Campus, auf dem Gnus und Gazellen friedlich nebeneinander grasen und sich hier und da in respektvoller Entfernung ein Schakal zeigt. Gelegentlich schaut auch Barbarossa, eine zum Inventar Makutsis zählende alte Giraffe vorbei.

Auf Safari
Auf Safari

Heute ist ein Ausflug im offenen Geländewagen in die Buschlandschaft rund um Makutsi angesagt. Ranger Derek kennt die Gegend wie seine Westentasche und weiß um den Lieblingsaufenthalt von Löwen, Nashörnern und Elefanten. Wir haben Glück. Ein sechsköpfiges Löwenrudel lagert in einem ausgetrockneten Flussbett. Der König der Tiere rekelt sich, bewegt sich einige Schritte auf uns zu und macht es sich inmitten seines Harems bequem. Zurzeit sind die Raubkatzen satt und unaggressiv, erklärt Derek. Bevor sie angreifen, senden sie unmissverständliche Warnsignale aus, indem sie ihre Reißzähne blecken. Dann heißt es schnell weg. Doch heute können wir das Rudel, das miteinander spielt, lange aus nächster Nähe betrachten. Auf dem Rückweg in die Lodge kreuzt eine Elefantenherde mit zwei erst einige Monate alten Jungtieren unseren Weg, während die zierlichen Impalas neben Zebras und Antilopen am Wegesrand stehen und in aller Seelenruhe äsen. Etwas später rückt eine große Nashornfamilie in unser Blickfeld. „Bitte ganz leise“, sagt Derek. „Wir wollen diese Riesen doch nicht verschrecken.“ Das Leittier kommt auf den Jeep zu, kehrt dann aber gemächlich zu seinen Artgenossen zurück. In einiger Entfernung entdecken wir eine Büffelherde. Was für ein ereignisreicher Tag!

Beim Essen in der Dinner „Lapa“ – heute gibt es Bobotie, ein leckeres traditionelles Hackfleisch-Gericht mit Gelbwurz-Reis – geht es hoch her. „Wie bitte, ihr habt Simba gesehen, und das auch noch im Sixpack!“ Na so was. Manche haben bislang weder Löwen noch Leoparden oder Nashörner zu Gesicht bekommen. Die Tiere marschieren nicht auf Kommando auf. Der größte Traum eines jeden auf Makutsi sind natürlich die „big five“ – Leopard, Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel. Martin, unser Tischnachbar aus Neuseeland, hat sie alle an einem Tag gesehen. Das kommt schon einem Sechser im Lotto gleich. Die zauberhaften schwarzen Küchenfeen, die die Makutsi-Gäste mit allerlei Leckereien der afrikanischen Küche verwöhnen – allen voran Shuwetta, die Dienstälteste des Teams – können sich gelegentlich vor Lachen nicht halten, wenn ihnen beim Servieren allzu dick aufgetragenes Jägerlatein an die Ohren dringt. Da will doch mancher auf einem Kurztrip in den Kruger Nationalpark tausend Büffel gesichtet und gezählt haben. Rund um ein wärmendes Lagerfeuer am späten Abend feiern derartige Geschichten fröhliche Urständ. Tja, und hier mitten im afrikanischen Busch zählt man vor dem Schlafengehen nicht wie bei uns im Norden Schafe, sondern – erraten – Büffel!

„Kommt mal alle her“, ruft einer aus der Runde beim abendlichen Absacker an der Bar. „Da drüben ruft Simba gerade seinen Clan zu sich.“ Und in der Tat taucht aus dem dichten Buschwerk auf der anderen Seite des Flussbettes ein Kopf mit einer beeindruckenden Mähne auf und brüllt in die laue Nacht hinaus. Sofort ist das aufgeregte Geflatter im Schlaf aufgescheuchter Vögel zu hören. Nach und nach sammelt sich die Familie um ihren Clanchef. Dann herrscht Ruhe. „Gut gebrüllt, Löwe“, gähnt einer. „Und vergesst nicht, den Wecker auf fünf zu stellen.“ Richtig, morgen geht es in aller Frühe zum Blyde River Canyon, einem weiteren Highlight im Herzen Südafrikas.

Die guten Geister von Makutsi
Die guten Geister von Makutsi

 

 

 

www.makutsi.com

 

(Fotos: Uta Buhr)

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied der GEDOK Hamburg , der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haikugesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.