Die letzten Kröten einsammeln – die Agonie der Printmedien

Von Dr. Wolf Tekook

Die Bedeutung der Tagespresse mit ihren Ordnungsfunktionen im Dschungel der einströmenden Informationen geht seit Jahren zurück, die Verlage kämpfen um das Überleben. Ein  beispielhafter Fall bei der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post zeigt, dass eine zu starke Konzentration auf die wirtschaftlichen Belange geeignet ist, auch die wenigen verbliebenen Abonnenten dauerhaft zu vergraulen.

Seit Jahren gehen die Auflagen der gedruckten Tagespresse stetig zurück; die nachwachsende Generation „googelt“ – im besseren Falle. In der Regel wird nur das perzipiert, was die sozialen Netzwerke – online oder im Direktkontakt – hergeben. Die zufällige Auswahl der konsumierten Informationen lassen die Systematik klassischer Informationsmedien vermissen. Ein willkürliches Sammelsurium von oft unüberprüfbaren Nachrichten ersetzt die sortierte und kontinuierliche Lektüre einer Tageszeitung – mit unabsehbaren Folgen für das subjektive Weltverständnis des Einzelnen.

Der Autor dieser Zeilen gehört der älteren Generation an und ist seit Kindesbeinen mit der Tageszeitung als kontinuierlichem Informationsspeicher beim Frühstück aufgewachsen. Vor einer Reihe von Jahren wechselte er von einer anderen Zeitung, die ihren Redaktionsstab kontinuierlich ausgedünnt hatte, zur Rheinischen Post. Welche Wohltat war es, direkt zu Abonnementsbeginn eine Gastglosse von Umberto Eco auf Seite 2 zu lesen! Ein übersichtliches Layout, eine nachvollziehbare Gliederung, Autoren, die der deutschen Sprache nicht nur rudimentär mächtig waren, eine augenscheinlich gut funktionierende orthographische Korrekturalgorhythmik – alles war und blieb gut.

Jüngst begab es sich dann, dass ein Umzug in ein nicht von dieser Zeitung versorgtes Gebiet in Deutschland anstand. Da eine Lokalzeitung nur dann Sinn macht, wenn man sich auch in der Region, über die berichtet wird, bewegt, wurde das Abonnement – schweren Herzens – 6 Wochen vor dem geplanten Umzug gekündigt. Die Verlagsantwort kam schnell: Man sei bereit, die Kündigung zum Termin 3 Monate nach Quartalsende entgegenzunehmen – also nach 4 1/2 Monaten. So lange für nicht mehr relevante Informationen zu zahlen – dies behagte dem Autor nicht, und er fragte nach. Telefonisch wurde diese sehr lange Kündigungsfrist ohne Verhandlungsmöglichkeit bestätigt. Auch der Hinweis auf Strom- und Gasversorger, die selbstverständlich eine Kündigung aus wichtigem Grund zum Umzugstermin akzeptieren, fruchtete nicht.

Auch der Versuch, die Belieferung bis zum Ende der Kündigungsfrist gegen Erstattung der Abonnementsbeträge einzustellen, wurde vom Verlag abgelehnt, „da mit diesem Vorgehen eine Umgehung der Kündigungsfrist“ gegeben wäre.

Das Fazit nach der rigiden Reaktion des Rheinische Post- Verlages: Der Autor zahlt zähneknirschend für Nichts und hat den Plan, am neuen Wohnort wieder eine Tageszeitung zu abonnieren, verworfen.

Google und Konsorten, die mit der geschalteten Werbung auf ihren Informationsseiten immense Summen verdienen, werden sich sicher freuen, dass neuerdings neben der morgendlichen Kaffeetasse ein Tablet liegt, das dem Leser ALLE gewünschten Informationen kostenfrei liefert. Und bei kritischer Auswahl der angebotenen Artikelvielfalt mit Urheberrecherche ist sogar der gefühlte Wahrheitsgehalt in der Nähe der Printmedien anzusiedeln.

Auf der Strecke bleibt nur das lange gewohnte Knistern des Zeitungspapiers beim Umblättern, und der Frühstückstisch muss nicht mehr ganz so penibel aufgeräumt werden, da das Tablet deutlich weniger Platz einnimmt ….