„Was du nicht empfunden hast, kannst du nicht ausdrücken“

Von Lilo H0ffmann

Gespräch mit Dokumentarfilmer Trevor Peters

Trevor Peters
Trevor Peters

„Mein Leben ist anders verlaufen als zunächst geplant. Und ich bin froh darüber“, erklärt der Dokumentarfilmer Trevor Peters, der mal wieder in Hamburg ist, um im Filmhaus einen Workshop zu leiten. Ich erinnere mich an ein Seminar mit Trevor Peters, an dem ich vor vielen Jahren teilnahm. Nun sitzen wir in der Filmhauskneipe im Hamburger Stadtteil Ottensen bei einem Milchkaffee und ich habe endlich Gelegenheit, mehr über den vielseitigen Autor und Regisseur zu erfahren.
„Am Anfang studierte ich in Neuseeland Philosophie“, berichtet Trevor Peters. „Dort hatte ich sogar eine Dozentenstelle. Alles schien vorgezeichnet, doch dann sah ich einen Dokumentarfilm, der mir sehr gefallen hat. Ich verließ die Universität und arbeitete für das Fernsehen, das damals in Neuseeland völlig neu war.“
Trevor Peters war weiterhin von Dokumentarfilmen fasziniert: „Ich entdeckte, dass man durch eine andere Sichtweise auf ein Thema, eine neue Welt erfinden kann.“ Als die technischen Voraussetzungen in seinem Heimatland vorhanden waren, entstand der erste Dokumentarfilm des Neuseeländers. Trevor Peters portraitierte einen Bildhauer, der von den Menschen seiner (dörflichen) Umgebung für verrückt gehalten wird, weil er ganz in seiner künstlerischen Arbeit aufgeht.
Mit diesem Film ging er zum britischen Fernsehsender BBC und arbeitete dort viele Jahre als Regisseur und Redakteur im Bildungs- und Dokumentarfilmbereich. Der Liebe wegen zog er 1973 nach Hamburg und musste (fast) noch mal von vorn anfangen, denn ihm fehlten die deutschen Sprachkenntnisse. „Außer `Hände hoch´ und `Schweinehund´ konnte ich nichts sagen“, verrät Trevor Peters. Doch es dauerte nicht lange, bis er sich auch in Deutschland als Filmemacher durchsetzen konnte. Als seine Deutschkenntnisse weit über das anfängliche `Hände hoch´ hinausgingen, arbeitete Trevor Peters außerdem als Reporter für das Fernsehen und übernahm Aufgaben als Dozent an der Filmschule Hamburg – Berlin. Dort ist er heute noch tätig. Zweimal im Jahr kommt der Dokumentarfilmer, der inzwischen in Berlin lebt, extra nach Hamburg, um sein Wissen weiterzugeben.
„Ich versuche die Basis des filmischen Denkens zu vermitteln“, erklärt Trevor Peters. „Wenn ein Teilnehmer meines Seminars Talent hat, ist das sehr hilfreich. Letztendlich genügt das aber nicht. Es kommt immer darauf an, wie der Filmer mit seinem Stoff umgeht – und was er empfindet. Mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang lautet: Was du nicht empfunden hast, kannst du nicht ausdrücken.“
Den Milchkaffee haben wir ausgetrunken. Trevor Peters macht sich auf den Weg, um letzte Vorbereitungen für den Workshop zu treffen, der morgen beginnt. Er geht in der Hoffnung, dass an seinem Kursus nicht nur viele zukünftige Dokumentarfilmer mit Talent teilnehmen, sondern auch solche, die für die filmische Umsetzung eines Stoffes das entsprechende Einfühlungsvermögen mitbringen.

Info:
Das Filmhaus Hamburg – Berlin bietet in der nächsten Zeit folgende Seminare an:
30.05. bis 31.05.2015 Kameraarbeit im dokumentarischen Film
05.06. bis 07.06.2015 Einführung in das Drehbuchschreiben
13.06 bis 14.06 2015 Wie beginne ich meinen Dokumentarfilm?
27.06. bis 28.06.2015 Von der Idee zum fertigen Exposé
Nähere Auskünfte unter Tel. 040 – 39 90 99 31
www.filmschule-hamburg-berlin.de
Dokumentarfilmer Trevor Peters kommt
zweimal im Jahr nach Hamburg, um im
Filmhaus Seminarteilnehmern die Basis des
filmischen Denkens zu vermitteln.
Foto: Lilo Hoffmann