Pen Port Hamburg im Museum der Arbeit

Pen Port Hamburg
Foto: Maren Schönfeld

Von Maren Schönfeld

Draußen auf dem Gelände findet jedes Jahr der große Flohmarkt statt, der bekannt ist – aber drinnen ist das eigentlich Spektakuläre: Die Füllhalterbörse. Um halb neun morgens komme ich an, da sind die eingefleischten Schreibgerätesammler bereits auf Tour. Kaum sind Kisten ausgepackt, Stifterollen entrollt, beugen sich auch schon fachkundige Menschen, ausgerüstet mit Lupen, darüber und taxieren in Windeseile die aufgereihten Schätze. Ich winke Tom heran und bitte ihn um Bewertung dreier Füllhalter, die aus dem Nachlass meiner Schwiegereltern stammen. Tom hat in Sekunden die Details erfasst, die er im Dieter-Thomas-Heck-Tempo verlauten lässt (dies ist ein seltenes Exemplar, der hier hat eine Stahlfeder und ist im schlechten Zustand, unddieser da, naja -), mir drei Zahlen genannt und fröhlich gewunken, da biegt er schon um die nächste Ecke. Tom ist einer von diesen Menschen, in dessen Hemd zwischen den Knöpfen jeweils mehrere Schreibgeräte klemmen und dessen Hände voller Tinte sind. Zwei Minuten später nähert sich ein Mann, als ich gerade Toms Rat befolge und den wertvollsten Füller (Kolben) mit Wasser befülle, damit Interessenten sehen können, dass der Kolben in Ordnung ist. Vor dem Herrn selbst ist schon dessen fachkundiger Blick bei meinem Füllhalter angekommen und sofort beginnen die Preisverhandlungen. Plötzlich steht Tom wieder da und nennt einen höheren Betrag, wir fangen alle an zu lachen, aber der Interessent kauft den Füllhalter fast zu dem von Tom geschätzten Preis. Es ist zwei Minuten vor neun, um neun Uhr geht es eigentlich erst los. Doch die „wichtigen Geschäfte“ sind meistens schon bis zehn Uhr abgewickelt.
Ich bin heute mit meinen Gedichtbänden, meinem Kurzgeschichtenbuch und meinem Büchlein über das kreative Schreiben da und zeichne ich meine Lesezeichen. Neben mir ist Peter Unbehauen mit seiner Frau Cristina, er drechselt Schreibgeräte und ist Kalligraph und Autor, ein wahrer Tausendsassa, der zwischendurch noch kurz zum Akkordeon greift. Wir haben Spaß zusammen, passen gegenseitig auf den Stand auf, wenn mal einer weg will. Einmal über den Flohmarkt oder einen Kaffee holen, der von menschen & märkte ebenso fürsorglich gratis ausgeschenkt wird wie Wasser; auch eine große Menge Sandwiches bekommen die Aussteller kostenlos.
Wie in jedem Jahr komme ich im Laufe des Tages mit vielen interessanten Leuten ins Gespräch, verkaufe ein paar Kleinigkeiten, aber für die Waterman- und Lamy-Füllhalter interessiert sich mal wieder keiner! Dafür finde ich dann den Füller meiner Träume, einen elfenbeinfarbenen kleinen Pelikan, einfach traumhaft … Peter lacht, weil er glaubt, ich hätte mehr ausgegeben als eingenommen – aber er irrt! Hier auf der Füllhalterbörse ist eben alles möglich, auch sensationelle Preise für phantastische Schreibgeräte… Neben dem Verkaufen und Kaufen kann man übrigens kostenlos seine Schreibgeräte begutachten und schätzen lassen. Experten kommen aus aller Welt, es ist ein vielsprachiges, freundliches, spannendes Treffen. Nächstes Jahr am 3. Oktober wird es wieder soweit sein.

mit Cristina Unbehauen an unserem Stand
mit Cristina Unbehauen an unserem Stand

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.