Tierliebe verbindet

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Lilo Hoffmann

Für Singles, die unbedingt einen passenden Partner kennen lernen möchten, habe ich einen ganz heißen Tipp. Vergessen Sie Diskotheken, Kneipen, Fitness-Center oder die Hotelbar. Schnappen Sie sich Ihr Haustier (notfalls könnten Sie eins ausleihen) und verbringen Sie einfach mal einen Nachmittag im Wartezimmer eines Tierarztes.
Hier kommt man wunderbar unkompliziert ins Gespräch. Die gemeinsame Tierliebe verbindet auf den ersten Blick. Fragen wie „was haben Sie denn da unter Ihrer Decke?“ oder „wie heißt Ihre Kobra?“ kommen einem ganz leicht über die Lippen und sind durchaus erwünscht. So unterhielt ich mich unter anderem sehr angeregt mit einem graumelierten Papageienbesitzer, der sich eingehend nach dem Wohlbefinden meines Wellensittichs erkundigte. Das Gespräch blieb in diesem Fall ohne Folgen, denn ich bin vergeben.
Als ich allerdings meiner Freundin Ines – allein erziehende Mutter und neuerdings wieder Single – davon erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme. Umgehend schnappte sie sich das Meerschweinchen ihrer Tochter und fuhr schnurstracks zum Tierarzt. Doch sie hatte Pech. An diesem Nachmittag hielten sich keine attraktiven Hunde- oder Papageienbesitzer im Wartezimmer auf, sondern nur ältere Damen mit ihren Pekinesen und Möpsen. Ines war enttäuscht.
Man mag es kaum glauben, aber letztendlich – so erfuhr ich später – führte ihre Aktion doch noch zum Erfolg: Übermorgen hat sie ein Date mit dem Tierarzt.

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