Gründer und Märzminister

erschienen in der PAZ

David Hansemann schuf Vorgänger von Aachen-Münchner und Deutscher Bank

David Hansemann wäre gleich in zweifacher Hinsicht einen Lexikonartikel wert. Zum einen als Gründer diverser Unternehmen, zum anderen als Finanzminister und einer der führenden Köpfe der preußischen Märzregierung.
Das am 12. Juli 1790 in Finkenwerder bei Hamburg geborene jüngste der elf Kinder des Eberhard Ludwig Hansemann war zwar ein Pastorensohn, aber für ein Theologiestudium reichte wohl angesichts der Kinderschar das Geld nicht und so begann er 1805 eine kaufmännische Lehre im Handelsgeschäft von Ferdinand und Johann Daniel Schwenger in Rheda. In der Franzosenzeit wurde sein Lehrherr Maire (Bürgermeister) und er dessen Sekretär. Damit lernte David Justus Ludwig Hansemann bereits in seinen Lehrjahren zwei Bereiche kennen, die sein Leben und die umgekehrt in beschränktem Maße auch er prägen sollte(n): den Handel und die Politik.
Es begann mit dem Handel. Der Kaufmannslehre folgten Wanderjahre als Woll- und Tuchkaufmann. Angeblich die reiche Entwicklung der Tuchindustrie im Rheinland voraussehend, machte er sich in Aachen 1817 mit von der Familie geliehenem Startkapital als Tuchhändler selbständig. Angesichts der Tatkraft, die Hansemann nachgesagt wird, verwundert es nicht, dass er in seinem Geschäft erfolgreich war. Eine größtmögliche Expansion seines Unternehmens befriedigte jedoch nicht seinen Tatendrang. Vielmehr widmete er sich nun der Politik im weiteren und auch im engeren Sinne. Er arbeitete „viel in allgemeinen Angelegenheiten“, um es mit seinen eigenen Wort zu sagen. Erklärtermaßen erachtete er „Vermögen nur als Mittel, nicht Zweck. Zweck waren ihm stattdessen „Unabhängigkeit, Beruhigung für die Lebensdauer und die Fähigkeit, den Kindern eine gute Erziehung mitzugeben und außerdem nützliche Ausgaben machen zu können“. So verband er wirtschaftliches mit sozialem Engagement. 1824 trat er dem ausländischen Versicherungsmonopol entgegen und gründete die gemeinnützige Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, deren jährlicher Reingewinn zur Hälfte für soziale Zwecke ausgegeben wurde. Hierfür gründete er extra den Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit. Statt Almosen und milde Gaben vergab dieser Kredite an Handwerker, angegliederte Spar- und Prämienkassen oder Arbeiter-Pensionskassen und Kinderverwahranstalten. Entsprechend dem liberalen Ideal sollten die Empfänger in die Lage versetzt werden, für sich selber aufzukommen, und damit zu tragenden Pfeilern der (bürgerlichen) Gesellschaft werden.

Wie viele andere Honoratioren auch war David Hansemann auf kommunaler Ebene politisch aktiv. Hansemann war weder Reaktionär noch Revolutionär. Ihm schwebten Reformen und ein politisches Modell wie in Belgien oder Frankreich nach der Julirevolution von 1830 vor. Den politischen Durchbruch, wenn man denn davon sprechen will, ermöglichte dem fortschrittlichen Geist dann die 48er Revolution. Am 29. März 1848 wurde er als Finanzminister in das preußische Märzministerium berufen. Von links durch die Demokraten und von rechts durch die feudale Reaktion attackiert, musste der Liberale allerdings bereits am 8. September des Jahres zurücktreten. Er übernahm nun die politisch weniger exponierte Leitung der Preußischen Bank. Doch nach dem Scheitern der 48er Revolution und dem Wiedererstarken der Reaktion verlor er 1851 auch dieses Amt.

Wie viele politisch entmachtete liberale Bürger zog auch Hansemann sich nun aus der großen Politik zurück und widmete sich den Geschäften. Er blieb im Bankenbereich. Noch im Jahre seines Ausscheidens aus der Preußischen Bank gründete er die Disconto-Gesellschaft. Aus dem Kreditverein nach belgischem Muster machte Hansemann 1856 eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Inzwischen typisch für heutige deutsche Großbanken, beschränkte sich die Gesellschaft nicht wie damals noch üblich auf Kreditgeschäfte. Vielmehr traten daneben eigene Anlagen in Industrie und Verkehrswesen sowie die Übernahme großer Emissionsgeschäfte. Das war damals richtungweisend und die Gesellschaft avancierte zu einer der größten deutschen Bankgesellschaften, bis sie sich 1929 mit der Deutschen Bank, der Rheinischen Creditbank und dem A. Schaaffhausen’schen Bankverein zur Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft (DeDi-Bank) zusammenschloss, die wir seit 1937 als „Deutsche Bank“ kennen. Bei dieser Fusion war Hansemann allerdings bereits sechseinhalb Jahrzehnte tot. David Hansemann starb am 4. August 1864 bei einem Kuraufenthalt in Schlangenbad im Taunus.

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