Blue Port Ahoi

von Maren Schönfeld

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Foto: Maren Schönfeld

 

Christopher Street Day, Dom, Fußball und Cruise Days kommen an diesem Wochenende zusammen. Und der Künstler Michael Batz hat erneut den Hamburger Hafen mit seiner Lichtinstallation in Blau getaucht. Gestern am späten Nachmittag an den Landungsbrücken: Offenbar haben sich alle hier getroffen. Tatsächlich sollen 350.000 Menschen alle Besucherrekorde gebrochen haben. Die Treppenstufen zu den Brücken sind zu Tribünen geworden. Alle Tische der Lokale voll besetzt. Bei Nordsee gibts kein Bier vom Fass mehr. In den Toiletten lange Warteschlangen. Wir wühlen uns durch bis zur Barkasse, auf der wir vorher Plätze gebucht haben. Die Fahrt beginnt an der Rickmer Rickmers. Noch ist es hell, die blaue Beleuchtung macht nicht viel her, aber es gibt viele Schiffe zu bestaunen. Eine Stunde später ist plötzlich alles in blaues Licht getaucht. Dreimaster durchsegeln die doppelt blaue Stunde. An der Elbphilharmonie erscheint ein blaues Muster. Der Michel, die Hafenkräne, Blohm & Voss, die Fischauktionshalle, alles ist blau dekoriert. Die Liniendampfer des HVV tragen die blauen Leuchtstoffröhren, viele private Schiffe ebenfalls. Der Dampf der historischen Schiffe liegt als blauer Nebel über dem Fluss. Eine unwirkliche, fast apokalyptische Szenerie von überirdischer Schönheit. Doch die blaue Stunde hält keine Stunde und mit der Dunkelheit werden auch weiße und bunte Lichter sichtbar. Die Rickmer Rickmers mit ihren blauen Masten bleibt ein Blickfang. Und die blaue Uhr an den Landungsbrücken. Nun kommen die vier Kreuzfahrtschiffe, deren Auslaufparade von unzähligen Schiffen begleitet wird. Vom historischen Segler über Schlepper, Salonschiffen, umfunktionierten HVV-Fähren mit Partymusik, dem historischen Schwimmkran aus dem Neumühlener Museumshafen bis zum Schlauchboot ist alles auf dem Wasser. Das Hamburger Abendblatt hat ein überdimensioniertes Papierboot geschickt. Die Schiffe sind so dicht nebeneinander, dass man sich die Hände reichen könnte. Nacheinander fahren die MS Europa, AIDAstella, MS Magnifica und MS Deutschland mit viel Getute und Feuerwerk fort. Ein honigfarbener Halbmond steht über blauen Hafenkränen. Auf einem Schuppen schreibt eine überdimensionierte Leuchthandschrift Abschiedsworte. Fernweh? Nö – ich bleib im blauen Hafen.

Autor: Maren Schönfeld

Maren Schönfeld *1970, lebt in Hamburg und schreibt seit 1992 Lyrik, Prosa und Sachtexte. Veröffentlichung von Gedichtbänden und Sachbüchern. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, der Hamburger Autorenvereinigung, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig.

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