10 Jahre Queen Mary 2 in Hamburg im Juli 2014

Von Johanna Renate Wöhlke

Die viertägige Jubiläumsreise nach Stavanger
oder
Eine lange Liebeserklärung an eine kurze Reise

Abschiedswinken
Abschiedswinken

Die Queen Mary 2 legt ab. In den Himmel ragt nicht nur sie. Hinter ihr ragt alles in den Himmel, was Hamburg zu bieten hat, und bildet eine einzigartige Abschiedssilhouette – vom Riesenrad am Grasbrook Terminal, der noch immer kranumkränzten Elbphilharmonie, den Kirchtürmen und Riesenkränen in den Wirtschaftshäfen. So sieht eine Paradeausfahrt aus. So fühlt sie sich an, begleitet von Tausenden von Menschen.

Ganz langsam verliert sich Hamburg im Abendhimmel. Am Übergang zwischen Himmel und Wasser bleibt eine immer schmaler werdende gezackte dunkle Linie zurück, gemalt von einer Stimmung, die Abschied heißt.

Hamburg wird kleiner
Hamburg wird kleiner

Da mag sich in seine Kabine verziehen wer will. Diese Art von sommerlichem Abschiednehmen will gefeiert sein, gefeiert sein unter einem blauen Himmel auf den Decks im Heck, der sich nahtlos vermählt mit dem wässrigen Graublau der Elbe. Sie feiern sich gegenseitig. Ihre beste Seite ist es, die sie spielen, die sie im Konzert des Miteinander aufgelegt haben. Es ist eine Symphonie, die man nicht mit den Ohren hören kann. Sie will erfühlt sein. Wenn jetzt noch ein Abschiedskonzert aus der Elbphilharmonie tönte…

Weiter auf die Elbe
Weiter auf die Elbe

Welch ein Abend unter Schäfchenwolken, Fähnchen schwenkenden Passagieren, vorbei an der Seemannsmission, den Schiffsdocks, weiten Containerfeldern, den Köhlbrand hinter sich lassend, Terminal Burchardkai mit seinen riesigen Kränen, Finkenwerder zur Linken, Airbus und das Hotel Louis Jakob.

Dort haben sie Musik aufgelegt und spielen sie laut auf den Fluss hinaus, wie man sie von der Last Night of the Proms aus London kennt. Auf riesigen weißen Tüchern steht geschrieben: „We only part to meet again, farewell Queen Mary 2“. Winken und Rufen zwischen Schiff und Land. Das dunkle satte Schiffshorn der Queen Mary 2 unterstreicht die festliche Stimmung indem es antwortet.

Langsam gleitet die Riesenlady immer weiter aus dem Hafen. Hamburg hat sich fein gemacht für sie, fein gemacht für seine Queen Mary 2. Überall bis weit aus dem Hafen hinaus verabschieden am Ufer Menschen den Oceanliner. In vier Tagen werden sie ihn wieder begrüßen.

Vor zehn Jahren kam sie zum ersten Mal nach Hamburg. Aber das wird erst mit ihrer Wiederkehr aus Stavanger an den Grasbrook Kai so richtig gefeiert werden, wenn sie von dieser Jubiläumsfahrt zurück sein wird. Es gab viele Sonderangebote für diese Reise. Das Schiff ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. An Bord sind viele Passagiere, die auf dieser kurzen Fahrt „schnuppern“ wollen, die Queen Mary 2 „erschnuppern“ wollen, aber einige kamen auch schon aus New York bis hierher und werden auch wieder dorthin zurückfahren.

Stefan Gwildis und Bill Ramsey
Stefan Gwildis und Bill Ramsey

Die Gäste werden auch zwei bekannte Hamburger Künstler treffen und hören: Bill Ramsey und Stefan Gwildis, eine Mischung zweier Generationen, die auf ihre Weise dazu beiträgt, diese Reise strahlen zu lassen. Ihre Konzerte und Gesprächsrunden finden vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten „Royal Theatre“ statt – durch keine Welle, nicht eine einzige Vibration gestörte Aufführungen. Es ist als säße man auf festem Boden und lauschte diesen zwei Künstlern in einem Hamburger Konzertsaal. Auch sie laufen hier zur Höchstform auf und ernten standing ovations.

Die Nordsee brilliert
Die Nordsee brilliert

Strahlende Sonne am Tag auf See. Ein wenig Regen empfängt uns in Stavanger. Durch kleine üppig grüne und einsame Inseln und Buchten geht es auf Reede. Zwei weitere große Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen, kein Platz mehr am Kai für die Queen. Die Passagiere machen sich in den Tenderbooten auf den Weg in den Hafen zu ihren gebuchten Ausflügen oder tummeln sich allein in der Stadt. Es ist voll. Drei Kreuzfahrtschiffe auf einmal, da füllen sich die Straßen und Märkte. Wie einsam mag es hier im Winter sein.

Vor Stavanger
Vor Stavanger

Auf der Rückfahrt zeigt das Wetter wie auf der Hinfahrt sein Jubiläumgsgesicht. Dieser Hamburger Sommer des Jahres 2014 fasziniert. Der Himmel und das Meer tauschen nur harmonische Töne aus. Die Nordsee lässt ihren blanken Hans schlafen. Es ist eine Märchenfahrt zwischen Himmel und Wasser, beide blau, wie man sich Blau nicht schöner vorstellen kann. Die Nordsee wächst sich aus zur Südsee. Smaragdblau kann sie also auch sein – bis zum Entspannungsbadgefühl in einer Badewanne. Wer hätte das gedacht. Seide die Luft, Seide das Meer. Brillierend die Sonne, die auf den winzig kleinen Wellen tanzt, unablässig tanzt. „What brilliant days“, wird Captain Christoffer Wells später in seiner Mittagsdurchsage von der Brücke sagen. Die langsam dahingleitende Queen Mary 2 hinterlässt einen leichten weißen Gischtstreifen auf der Nordsee, so als wolle sie sie kitzeln. Auf den Decks und Balkonen füllen sich alle Liegestühle.

Nordsee war Südsee
Nordsee war Südsee

So wie sich Hamburg im strahlend blauen Abendhimmel verabschiedete, so empfängt es uns auch wieder. Ein atemberaubender Sonnenaufgang führt den Morgen in einen heißen Tag. Die Sonne überbietet sich noch immer. Hamburg funkelt und glitzert in der Ferne. Wieder grüßen Passagiere und Zuschauer am Ufer sich gegenseitig mit Winken und Rufen. „Hummel, Hummel“ schallt es herüber. Da kann ein Hamburger nicht anders als mit „Mors, Mors“ zu antworten.

Die Elbe empfängt die Queen mit einem prächtigen Sonnenaufgang
Die Elbe empfängt die Queen mit einem prächtigen Sonnenaufgang

Vorbei ist es erst als die Queen wie immer perfekt vor dem Grasbrook Kai gewendet hat und die Riesentaue festgezurrt sind. Abschiedsgewimmel setzt ein. Ich nehme die Stille des Meeres mit, das Brillantglitzern der Sonne, die smaragdblaue Weite der Nordsee als Geschenk des Augenblicks. Fast könnte man meinen, dies sei ihr Geschenk an den großen Oceanliner Queen Mary 2 und seinen „Heimathafen Hamburg“ zum gemeinsamen Zehnjährigen. Die beiden mögen sich, das ist sicher.

Zurück in Hamburg vor dem Grasbrook Kai
Zurück in Hamburg vor dem Grasbrook Kai

In keinem anderen Hafen der Welt entfaltet sich immer wieder diese festliche Stimmung, das Begleiten beim Einlaufen, die sichtbare Bewunderung Hunderttausender immer wieder, wenn sie zum Hafengeburtstag oder den Cruise Days einläuft. Die gesamte Besatzung bis hinauf zum Kapitän erzählt und schwärmt davon. Sie freuen sich immer auf Hamburg. Hamburg ist einzigartig.

In den Wellen des Atlantiks werden sie sich an die Hansestadt erinnern, dieses schöne strahlende Hamburg, seine Elbe und die schlafende Nordsee 2014. Aber das, ich habe es ja schon geschrieben, war sicher ein ganz besonderes Geschenk an ein ganz besonderes Schiff, das schönste Schiff der Welt, versteht sich…

Fotos: Johanna Renate Wöhlke

 

 

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