Zwangsehe mit Gummipuppe? Noch nicht in Sicht!

Von Johanna Renate Wöhlke

Eine Satire, stellenweise auch ernst zu nehmen

Manchmal kann auch eine große Philanthropin und Optimistin zur Zynikerin werden. Warum? Der Grund dafür stand heute früh in meiner großen Regionalzeitung. Er stand auf der letzten Seite „Aus aller Welt“ und trug die Überschrift „Zur Zwangsehe nach China verschleppt“.

Zur Zwangsehe nach China verschleppt? Das musste so kommen. Zum Glück, so scheint es, sind noch keine blonden Europäerinnen dabei. Im Kreise lebenskluger Freundinnen haben wir schon vor Jahren prognostiziert – ohne zum Club der Weisen zu gehören – dass die „Ein-Kind-Politik“ Chinas im Desaster enden wird. Im Desaster menschlicher Trugschlüsse, illusionärer Hoffnungen, frauenfeindlicher Denkweisen und menschenfeindlicher Handlungsmaximen.

„Männer bevorzugt“ steht über der chinesischen Gesellschaft. Bei einer „Ein-Kind-Politik“ führt das zwangsläufig zu einem millionenfachen generationsübergreifenden Überangebot an Männern auf der Spielwiese der Sexualität und Fortpflanzung, denn: Was braucht der so bevorzugte Mann, um seine Hoffnungen zu erfüllen?

Er braucht offensichtlich eine Frau, ein ganz normale, biologisch als Frau zu nutzende Frau. Hier zu schreiben, er brauche einen weiblichen Körper, um sich zu befriedigen, wäre zu primitiv. Dafür genügte auch eine Gummipuppe. Vielleicht braucht er ja noch mehr: Liebe und Zuneigung vielleicht und – ein menschliches Wesen, dessen biologische Möglichkeiten zusätzlich zu seinen Befriedigungspotentialen auch noch dadurch gekennzeichnet ist, Söhne gebären zu können.

Das geht nicht mit Gummipuppen. Deshalb also braucht der chinesische Mann nun Frauen! Die beschafft er sich durch Menschenhandel. Im Norden Chinas, so lese ich, leben ganze Gemeinden in Angst um ihre Frauen und Töchter. Frauen, die sich befreien konnten, berichten von ihrem Schicksal. Sie wurden von Verwandten, Freunden, ja sogar Partnern verkauft.

Arme Frauen! Welch ein Desaster menschlicher Planungs- und Ordnungsziele. Welch eine totale und hybrisgesteuerte Familien- und Gesellschaftspolitik. Welch ein menschliches Drama.
Dass Frauen nichts wert waren, ist alt. Wir kennen aus dem jüdisch-christlichen Raum zum Beispiel die Geschichten aus dem Alten Testament. Frauen, die nur Töchter gebaren, hatten ihre Aufgabe nicht erfüllt. Männliche Nachkommen waren es, die in einer patriarchalischen Gesellschaft „zu liefern“ waren. Die Entwicklung bis hin zum Gleichheitssatz des deutschen Grundgesetzes in Artikel 2 war lang: „ Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Aber warum sollte ein Land wie China aus der Jahrtausende alten Geschichte einer fremden Kultur lernen? Geben wir nicht auf, liebe chinesische Schwestern! Die Geschichte zeigt sich doch nun gerade: Ohne Frauen geht es nicht!

Noch ist die medizinische Forschung nicht so weit, dass sie in der Lage wäre, menschliches Leben aus dem Reagenzglas in befriedigender Qualität zu liefern. Das langfristige Ziel der human-weiblichen Gummipuppe mit Hautgefühl ist noch nicht geboren und wird sich sicher nicht gewinnbringend über den Pornomarkt hinaus vermarkten lassen. Die Zwangsehe mit Gummipuppe ist Gott sei Dank noch nicht in Sicht.

Der mitfühlende Mensch ist das wichtige für den Menschen. Wie lange werden wir noch brauchen, um das zu verstehen und in Würde umzusetzen?

 

 

3 Gedanken zu „Zwangsehe mit Gummipuppe? Noch nicht in Sicht!“

  1. Liebe Uta, lieber Hans-Peter, danke für die Kommentare. Hoffen wir, dass die von Dir, liebe Uta, beschriebene Erkenntnis zu einem Bewusstseinswandelt führt! Die Vorstellung einer solchen „frauenarmen“ Gesellschaft und diesen Konsequenzen schien mir grausam. Leben heißt Veränderung – auch zum Guten!
    Es grüßt herzlich, Johanna

  2. Tja, Johanna, soweit kann es kommen, wenn man Mädchen als unwillkommen und wertlos betrachtet, wie dies über Jahrtausende in China der Fall war. Nach Einführung der Ein-Kind-Familie durch die allmächtige Staatsführung wurden weibliche Föten auch schon frühzeitig abgetrieben oder – wie häufig in den ländlichen Gebieten geschehen – anderweitig „entsorgt.“ Heute nun erkennt man endlich, welchen Schaden der Männlichkeitswahn dem Land antut. Ergo – es müssen Frauen her, damit die Gesellschaft nicht ausstirbt. Als gutes Beispiel bietet sich da der Mythos vom „Raub der Sabinerinnen“ unter der Herrschaft von Romulus, des Urvaters der urbs Roma, an. Lernfähig waren die Chinesen von jeher! Allerdings will ich in diesem Zusammenang auch etwas Positives erwähnen. Ich habe längere Zeit in Hongkong gelebt und war häufig auch auf dem chinesischen Festland. Dort habe ich zu meiner Freude schon vor Jahren festgestellt, dass auch kleine Mädchen in den Ein-Kind-Familien heute sehr liebevoll umhegt werden, und das gerade von den Vätern. Der Mangel führt zu ganz neuen Erkenntnissen und Umfgangsformen. Der Mench muss halt oft zu seinem Glück gezwungen werden.
    Uta Buhr

  3. Liebste Präsidentin!
    Gern Lüfte ich meinen nicht vorhandenen Hut vor Dir für einen derartigen Beitrag. Herzlich Dein Kollege und Freund H.-P. Kurr

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