Feuertaufe bei Jasmund

Von Dr. Manuel Ruoff, erschienen in der PAZ

Preußens Marine kämpfte vor 150 Jahren gegen die Dänen

Ihre Feuertaufe erlebte die 1848 gegründete preußische Marine im Deutsch-Dänischen Krieg. Anders als zu Lande, waren die Deutschen den Dänen im ersten Einigungskrieg zur See weit unterlegen. Preußen verfügte nur über 23 dampfgetriebene Kriegsschiffe mit 117 Geschützen, 22 Ruderkanonenboote mit 40 Geschützen sowie drei Segelschiffe.

Dänemark hingegen verfügte über 31 Dampfschiffe mit 387 Geschützen, von denen bei Kriegsausbruch 26 mit 363 Geschützen verfügbar waren, zehn Segelschiffe und 50 zur Küstenverteidigung bestimmte Ruderkanonenboote mit 80 Geschützen. Ähnlich wie die Briten im Ersten Weltkrieg, nutzten die Dänen ihre klare Überlegenheit zur See für eine Seeblockade gegen den deutschen Gegner. Am 15. März 1864 erklärten die Skandinavier die Blockade der preußischen Küste.

Preußen bekam zwar im Laufe des weiteren Kriegsverlaufes Unterstützung von der größten deutschen Seemacht Österreich, das ein Geschwader von neun dampfgetriebenen Kriegsschiffen mit zusammen 246 Geschützen aus dem Mittelmeer auf den Kriegsschauplatz verlegte. Aber zum einen erreichte der Verband erst im Mai die Nordsee und zum anderen blieben die Preußen in der Ostsee und damit sozusagen vor ihrer Haustür bis zum Kriegsende auf sich allein gestellt. In der Ostsee verfügte Preußens Marine über die Korvetten „Arcona“ und „Nymphe“, die Avisos „Grille“ und „Loreley“ sowie die Mehrzahl ihrer Kanonenboote.

Einen Tag vor der Verhängung der Blockade erhielt der Chef des Stationskommandos der Ostsee, Kapitän zur See Eduard von Jachmann, den Befehl, mit dem preußische Ostseegeschwader zu ermitteln, wie ernst die zu erwartende Blockade sei. Bei dieser Erkundung stieß das Geschwader östlich der zur Insel Rügen gehörenden Halbinsel Jasmund auf das aus einem Linienschiff, zwei Fregatten und zwei Korvetten bestehende Blockadegeschwader des Konteradmirals Carl Edvard van Dockum mit zusammen 168 Geschützen. Das um 14.30 Uhr einsetzende Gefecht kostete fünf Preußen und drei Dänen das Leben. Sieben preußischen Verwundeten standen 19 dänische gegenüber.

Das Gefecht blieb für den weiteren Verlauf der Blockade und erst recht des Krieges ohne Relevanz. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Premiere, der Feuerprobe auf preußischer Seite. Das Werk des Großen Generalstabs urteilte über das Gefecht wie folgt: „Wenn Kapitän Jachmann in diesem Gefecht auch keinen Erfolg errungen hatte, so war der Tag doch insofern von Bedeutung, als es der erste Kampf war, den ein Theil der jung aufstrebenden Flotte bestanden hatte. Ohne Bedenken war das Geschwader dem dreifach überlegenen Feind entgegen gegangen und hatte sich dem Gegner in der Gefechtsleitung überlegen gezeigt. Den Dänen dagegen war es nicht gelungen, ihre Übermacht zur vollen Geltung zu bringen.“

Entsprechend dieser positiven Einschätzung machte Jachmann anschließend Karriere. Der umgehenden Ernennung zum Konteradmiral „zum Beweise der Anerkennung der Umsicht, Entschlossenheit und Kühnheit, mit welcher derselbe am 17. März ein überlegenes feindliches Geschwader angegriffen“ hatte, folgte 1869 die zum Vizeadmiral sowie 1871 schließlich jene zum Oberbefehlshaber sämtlicher Seestreitkräfte.

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