Sagt Nein!

Von Michael Buschow

Ewig aktuelle Geschichten über menschliche Beziehungen bis hin zu Lüge, Gewalt, Krieg und Emigration

Sag Nein!
Sag Nein!

Ein NEIN zur Gewalt welcher Art auch immer – am Monsun Theater Hamburg, von Hans-Peter Kurr.

Querbeet durch die Äonen inszenierte Kurr eine Folge von Momentaufnahmen des Lebens mit dem Ergebnis, daß sich in den menschlichen Beziehungen nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Die zwischenmenschlichen Probleme sind die alten geblieben, ob vor zweitausend Jahren, vor siebzig oder eben heutzutage.

Herausragend in „Der Abschied“ in dem Luise K. Herzberg von Rauch die jüdische Ehefrau des arischen Arztes Fritz (Ulrich Allroggen) in Deutschlands dunkler Zeit spielt, die sich telefonisch in dem Wissen, nie wieder zurück zu kehren, von ihren Freunden verabschiedet. Aber schließlich auch persönlich von ihrem Mann, der sich nur in verbale Plattitüden flüchtet ohne wirklich zu seiner Frau zu stehen. Ihre Darstellung der Judith von Hebron ist beeindruckend und geht ans Rückenmark.

Der „Beau“ Ulrich Allroggen spielt in verschiedenen Rollen den Typus „Echter Kerl“. Ob behelmter Streiter im alten Troja mit malerisch freiem Oberkörper,  befrackter Kammersänger mit Starallüren oder Zigarren rauchender Macho im offenen Hawaiihemd, – Allroggen i s t  einfach das männliche Geschlecht. Das bringt er locker leicht immer wieder rüber.

Jasmin Buterfas als läppische Kellnerin Traute, der selbst Promi-Gäste schnurz sind, –  als Mutter, die ihre Tochter – ihre einzig im Leben verbliebene „Handelsware“ an den Mann bringen will, oder schlicht im Irrenhaus – überzeugt. Sie ist eben ein „Professionelle“.

Hans Kahlert
Hans Kahlert

Ein Mime aber, der hauptsächlich als Vorleser von Plato, Heinrich Heine oder Erich Kästner Zitaten fungiert, fällt besonders auf. Der achtzigjährige (!) Hans Kahlert, dem breiten Publikum aus Jahrzehnten an den Bühnen und im Film bekannt (Tatort, Karl May Festspiele uvm.) und in den letzten Jahren als „Onkel Krischan“ in der Kult-Reihe „Neues aus Büttenwarder“ oft zu sehen. Ein Schauspieler Typus, den man heute lange suchen muß.

Ihn kann man mit einem einzigen Begriff, der alles aussagt skizzieren: „Alte Schule“!

Auffallend gut und passend die Kostüme der Aufführung (Anna-Margherita Reihlen) – die Fein-Würze einer Produktion!

Zum Schluß gibt das gesamte Ensemble eine Erklärung, sein „Hamburger Manifest“ ab:

SAGT NEIN !

Nein wozu eigentlich?

NEIN zu Waffen – NEIN zu Krieg und Kriegsdienst –  NEIN zu Totalitarismus und Unterdrückung.

Aber das NEIN funktioniert zwischen Menschen eben nur dann, wenn alle mitmachen – wollen – und das ist fraglich.

Wieder einmal ein erlebenswerter „Kurr“!

Fotos: Tobias Gloger

 

 

Ein Gedanke zu „Sagt Nein!“

  1. Ein sehr passender Artikel zu diesem beeindruckenden Stück (habe es heute gesehen), das mir nachgeht. Gerade die in sich geschlossenen Szenen haben es in sich und sind nahezu lyrisch in dem Sinne, dass es kein Wort zu viel gibt, alles genau auf den Punkt kommt. Was für eine zeitliche und inhaltliche, retrospektive Spanne für einen einzigen Abend, und wie treffend festgehalten in diesem Artikel. Danke!

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