Mann der Reserve:Friedrich von Preußen

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Eitel Friedrich von Preußen war der älteste Bruder des letzten deutschen und preußischen Kronprinzen, der ihn um fast ein Jahrzehnt überlebte. Wie im preußischen Herrscherhaus üblich, absolvierte der am 7. Juli 1883 im Potsdamer Marmorpalais geborene Junge eine militärische Ausbildung, was wohl seinem Naturell entgegen kam. Im Ersten Weltkrieg stach er durch Tapferkeit hervor. Er wurde mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und mit dem Orden Pour le Mérite einschließlich Eichenlaub ausgezeichnet. „Mann der Reserve:Friedrich von Preußen“ weiterlesen

Kinderloser Kaufhaus-König

erwschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Förmlich aus dem Nichts baute Helmut Horten die zeitweise nach Kaufhof, Hertie und Karstadt viertgrößte Kaufhauskette der Bundesrepublik auf. Er gehört damit zu den Spitzenrepräsentanten des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders. Der am 8. Januar 1909 in Bonn geborene „Selfmademan“ fing als Sohn eines Senatspräsidenten beim Kölner Oberlandesgericht nicht gerade als Tellerputzer an, aber in seiner Juristen- und Beamtenfamilie gab es keine kaufmännische Tradition. Nach dem Abitur hatte der Junge standesgemäß studieren sollen, aber er zog eine kaufmännische Lehre im jüdischen Warenhaus Leonhard Tietz vor. Anschließend wechselte er zum jüdischen Textilkaufhaus Gebrüder Alsberg. „Kinderloser Kaufhaus-König“ weiterlesen

Gründer des THW

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 50 Jahren starb Otto Lummitzsch

Das Technische Hilfswerk (THW) der Bundesrepublik hatte einen Vorläufer in der Zeit der Weimarer Republik, dessen Geschichte seinerseits auf die Novemberrevolution zurückging. Gründer beider Organisationen ist Otto Lummitzsch.

Der am 10. Februar 1886 in Leipzig-Plagwitz geborene Sohn eines schlesischen Rittergutsbesitzers wurde nach Schulbesuch und Studium Architekt und Bauingenieur. Im Ersten Weltkrieg diente er entsprechend Ausbildung und Beruf als Pionieroffizier. „Gründer des THW“ weiterlesen

Flugzeugbau in Warnemünde

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 90 Jahren, am 1. Dezember 1922, gründete Ernst Heinkel mit den Ernst Heinkel Flugzeugwerken in Warnemünde eines der größten Flugzeugbauunternehmen des Deutschen Reiches. Noch im Jahr ihrer Gründung wurden sie zum größten Industriebetrieb Mecklenburgs und bauten mit der He 70 „Blitz“ das damals schnellste Verkehrsflugzeug der Welt und das erste deutsche Flugzeug mit einziehbarem Fahrwerk zur Verringerung des Luftwiderstandes. Die eigentlich im Auftrag der Lufthansa als schnelles Verkehrsflugzeug gebaute He 111 wurde zum Standardbomber der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Bereits kurz vor dem Krieg, am 27. August 1939, absolvierte die He 178 als weltweit erstes Flugzeug mit Turbinenluftstrahltriebwerk ihren Erstflug. Der Vorsprung in dieser Technologie blieb über den Krieg insofern erhalten, als bei Kriegs­ende mit dem Turbotriebwerk HeS 011 das weltweit leistungsstärkste von Heinkel stammte. „Flugzeugbau in Warnemünde“ weiterlesen

„Knut und Will“, eine Tragikomödie, aufgeführt im Reich der Toten

 Von Uta Buhr

 

Die Premiere

„Eine von diesen“, verkündet die Schrift unter den vergoldeten  Ziffern der Uhr am Bestattungsforum auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Ein Hinweis auf die Vergänglichkeit menschlichen Lebens: An einer von diesen wird auch Dein letztes Stündchen schlagen.

 Es ist nicht von ungefähr, dass Hans-Peter Kurr, Schauspieler, Regisseur und Rezitator von hohem Rang, die stets in mystisches Dunkel getauchte Aussegnungshalle im Forum für die Aufführung  von Bettina Katalins  Tragikomödie „Knut und Will“ wählte. „Es geht in diesem Stück um die Problematik älterer Menschen, die in Perspektivlosigkeit zu verfallen drohen“, sagt Kurr, der Regie führt. Hier hat die junge, knapp sechsunddreißigjährige Autorin ein hochaktuelles Thema aufgegriffen und hellsichtig umgesetzt. „Knut und Will“ spielt in  unserer immer älter „„Knut und Will“, eine Tragikomödie, aufgeführt im Reich der Toten“ weiterlesen

Die erste mit Schleudersitz

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Die Heinkel He 219 „Uhu“ war nicht nur die erste Maschine, die serienmäßig mit einem Schleudersitz ausgestattet war, sondern auch das erste Kampfflugzeug der Luftwaffe, das ein steuerbares Bug­rad besaß und für die Nachtjagd konzipiert war. So war beispielsweise durch eine Bordwaffenplatzierung unter und hinter dem Piloten dafür Sorge getragen, dass das Mündungsfeuer diesen nicht blendete. Des Weiteren war die Maschine mit dem Bordradargerät „Lichtenstein“ ausgestattet. Die He 219 gilt als das einzige Jagdflugzeug mit Kolbenmotor der Luftwaffe, das gegen den ebenfalls zweimotorigen britischen Jagdbomber „Mosquito“ eine Chance hatte. „Die erste mit Schleudersitz“ weiterlesen

Besatzer und Befreier

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Im Ersten Weltkrieg war die (teilweise) russische Besetzung Ostpreußens weniger schlimm als im Zweiten. Eine systematische Entvölkerung sowie planmäßige Vergewaltigungen blieben aus. Milder war die Besetzung im Siebenjährigen Krieg. Die Zarin wollte die Ostpreußen als Untertanen gewinnen und setzte mit baltendeutschen Besatzungsoffizieren Landsleute der Besetzten ein. Am besten war die Besetzung zu Beginn der Befreiungskriege, denn damals kamen die Russen wirklich als Befreier. Zum Kommandanten von Königsberg und Gouverneur von Ostpreußen bestimmte der Zar seinen General Carl Gustav Graf von Sievers. Nach dem Ende der Befreiungskriege wurde der am 8. beziehungsweise 19. November 1772 in Livland geborene Baltendeutsche noch russischer Senator, bevor er 1856 in Moskau starb.

Weiße Winternächte

Dieser Artikel erschien am 12. Dezember 2012 in Schleswig-Holstein  und erscheint am 26. Januar 2013 in der PAZ

Von Uta Buhr

Klares Frostwetter

Weihnachten liegt hinter uns. Dennoch möchten wir unseren Lesern ein Land nicht vorenthalten, in dem der Winter das Leben der Einheimischen erst richtig schön macht – und das zwar auch aber nicht nur zur Weihnachtszeit. Finnland im Winter ist unschlagbar. Wenn das Land vor Kälte erstarrt, kommen die Einheimischen erst richtig auf Touren

Als die M/S „Finnlady“ nach einer ruhigen Fahrt über die Ostsee am Pier von Helsinki anlegt, fällt der Schnee in dichten Flocken. Er legt sich auf das Dach der alten Markthalle am Hafen und setzt der mächtigen Kuppel des Doms am Senatsplatz eine weiße Pudelmütze auf.  Auch die majestätische Statue Zar Alexanders II. vor der Kirche trägt heute kaiserliches Hermelin über ihrer strengen Uniform.  Die 2012 zur Welt-Designhauptstadt gekürte finnische Metropole präsentiert sich im schönsten Weihnachtsdekor und lockt mit einem schier unerschöpflichen Angebot ebenso schöner wie origineller Kostbarkeiten aus Glas, Leder, Stoff und Holz. „Weiße Winternächte“ weiterlesen

Geschichten in Bildern erzählen

Gespräch mit Drehbuchautor Wolfgang Kirchner

„Wenn die Figuren, die ich entwickelt habe, plötzlich lebendig werden und meine Geschichte erzählen, dann bringt das überaus große Freude“, sagt Wolfgang Kirchner, der seit vielen Jahren als Drehbuchautor tätig ist. Einst begann er als Dramaturg am Theater, später schrieb er Hörspiele und wagte sich an die ersten Fernsehfilme. Besonders gern erinnert sich Wolfgang Kirchner an die Zusammenarbeit mit Bernhard Wicki, dem schwierigen alten Mann des deutschen Films. Er wollte Das Spinnennetz von Joseph Roth verfilmen, fand aber keinen Drehbuchautor, der es mit ihm riskieren wollte. So bekam Wolfgang Kirchner die Chance. Und er nutzte sie. „Geschichten in Bildern erzählen“ weiterlesen

Zugang zur Kultur: Hamburger Kulturschlüssel

Von Johanna Renate Wöhlke

Bärbel Dräger – eine Kulturbegleiterin im Hamburger Kulturschlüssel

„Hamburger Kulturschlüssel“ – ein Angebot von „Leben mit Behinderung in Hamburg“

Bärbel Dräger

Mit dieser Frau möchte ich auch mal gerne ausgehen! Der Gedanke kommt mir gleich nach der ersten Sekunde, denn: Bärbel Dräger hat am helllichten Tag im Advent eine Kerze im Glas vor der Haustür angezündet, um mich zu empfangen. Ich habe mich mit ihr verabredet, weil sie mir etwas über ihre ehrenamtliche Tätigkeit im „Hamburger Kulturschlüssel“ erzählen soll. Dort nämlich geht man miteinander aus: „Kulturbegleiter“ nehmen „Kulturgenießer“ unter ihre Fittiche und begleiten sie zu kulturellen Veranstaltungen aller Art, wenn sie durch Behinderungen nicht in der Lage sind, allein in ein Theater zu gehen, ein Konzert, das Kino, Museen oder Sportveranstaltungen zu besuchen. Die Karten werden von den Hamburger Kulturorganisationen gespendet. Der „Hamburger Kulturschlüssel“ vermittelt die freiwilligen Begleiter und die Freikarten. „Zugang zur Kultur: Hamburger Kulturschlüssel“ weiterlesen