Erinnerung in Sachsen

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Am 18. Oktober 1913 wurde das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht

Die Völkerschlacht bei Leipzig gilt als die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte. Da ist es nicht unangemessen, dass ihr am Orte des Geschehens eines der größten Denkmale Europas gewidmet ist. Während die Befreiungshalle als Bayerns Erinnerungsstätte an dieses historische Ereignis bereits 50 Jahre danach eingeweiht wurde, bedurfte es für das Monument in Leipzig doppelt so lange. Und das lag nicht nur an dessen Ausmaßen von 91 Metern Höhe, 70 Metern Länge, 80 Metern Breite und 300000 Tonnen Gewicht.

Noch während der Befreiungskriege regte Ernst Moritz Arndt ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen an: „groß und herrlich“, „wie ein Koloss, eine Pyramide, ein Dom zu Köln“. Zwei Jahre später legte Karl Friedrich Schinkel einen Entwurf für einen „Nationaldom aller Deutschen“ vor. Die Zeit war allerdings noch nicht reif. Nach den Befreiungskriegen war die deutsche Nationalbewegung durch Reaktion und Restauration zurückgeworfen worden. Deutschland drohte wieder zu einem rein geografischen Begriff zu werden. Es hatte zwar die Befreiungskriege an der Seite Russlands gewonnen. Aber der König von Sachsen hatte die Völkerschlacht bei Leipzig an der Seite des Kaisers der Franzosen verloren. Und das war vorerst entscheidend. Sachsens Könige verspürten wenig Lust, ihrer eigenen Niederlage beziehungsweise der ihres Vorgängers ein Denkmal zu setzen. So blieb das Denkmalprojekt Privatleuten überlassen und erst nach der Reichsgründung, als das deutsche das sächsische Bewusstsein zurückdrängte, gewann es an Fahrt.

1894 gründete der Architekt Clemens Thieme, Projektleiter des Königreichs Sachsen beim Bau des Leipziger Hauptbahnhofs, mit Gleichgesinnten den Deutschen Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig. Der zeitweise über 90000 Mitglieder zählende Verein brachte die für den Bau nötigen sechs Millionen Goldmark (gut 30 Millionen Euro) auf. Die Stadt Leipzig stellte das kostenlose Baugelände und 20000 Mark für einen Architektenwettbewerb zur Verfügung. Diesen Wettbewerb des Jahres 1895 gewann Wilhelm Kreis. Dessen Entwurf wusste jedoch Thieme nicht zu überzeugen. Stattdessen bekam 1896 der Architekt des im selben Jahr fertiggestellten Kyffhäuserdenkmals, Bruno Schmitz, den Auftrag. Am 18. Oktober 1898 wurde der Grundstein gelegt. Genau eineinhalb Jahrzehnte später wurde das Völkerschlachtdenkmal im Beisein des Deutschen Kaisers und des Königs von Sachsen eingeweiht.

Ein Gedanke zu „Erinnerung in Sachsen“

  1. Lieber Kollege Ruoff!
    Dank für Ihr kenntnisreiches Recherche-Ergebnis. Wichtig ist , zu ergänzen,daß Thieme Freimaurer war, woraus sich einzig und allein die reiche Symbolik am Denkmal, angefangen mit dem Erzengel Michael bis hinunter zur Krypta erklärt, worinnen jetzt – nach so langer Zeit der Unkenntnis während der sog. DDR, Leipziger Freimaurer-Logen wieder Rituale abhalten.
    Gern bin ich bereit, das genauer zu belegen, sofern eine ausreichende Zal unserer Leser an der Vertiefung des Themas interessiert sein sollten.
    Herzlich und kollegialiter Ihr Hans-Peter Kurr

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