Erinnerung in Bayern

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Am 18. Oktober 1863 weihte Ludwig I. die Befreiungshalle ein

Als das Land mit der größten Neigung zum Separatismus gilt in Deutschland gemeinhin Bayern. Nichtsdestotrotz hat dieser Staat mit Ludwig I. einen der größten Patrioten auf Deutschlands Königsthronen hervorgebracht. Dessen Liebe zu Deutschland ging mit jener zur Kunst eine sehr produktive Verbindung ein und so verdanken die Deutschen dem Bayern nicht nur ein Nationalsymbol. Neben der Walhalla bei Donaustauf ist hier die oberhalb der Stadt Kelheim ähnlich schön gelegene Befreiungshalle zu nennen.

Am 29. Jahrestag des Einzugs der Alliierten in Leipzig nach der von ihnen gewonnenen Völkerschlacht eröffnete Ludwig die Ruhmes- und Ehrenhalle für die größten Deutschen an der Donau. Und bereits einen Tag später, am 19. Oktober 1842, legte er auf dem Michelsberg den Grundstein für die Befreiungshalle, die nun den Kriegern der Befreiungskriege gewidmet war.

Der königliche Bauherr hatte Kelheim samt dessen reizvoller Umgebung bereits in seiner Kronprinzenzeit kennengelernt. 1838/39 erwarb er das Baugrundstück. Mit der Planung beauftragte der König den Architekten Friedrich von Gärtner. Die dritte Stufe des 18-

eckigen Unterbaus war noch nicht fertig, als Gärtner 1847 plötzlich und unerwartet starb und die Arbeiten vorerst eingestellt wurden. Zu seinem Nachfolger wurde der Klassizist Leo von Klenze bestimmt. Kaum waren die Arbeiten wieder aufgenommen, musste der König abdanken und die Arbeiten wurden abermals unterbrochen. Durch die Abdankung verlor Ludwig zwar den Zugriff auf die Landesmittel, doch setzte er den Bau auf seine eigenen Kosten fort. So war es denn auch Ludwig und nicht sein Nachfolger als Regent, der die Eröffnung im Jahre 1863 vornahm. Symbolträchtig wählte er mit dem 18. Oktober den 50. Jahrestag des Sieges. Wenn auch Ludwig nicht mehr Landesherr war, so gaben sich doch hochrangige Vertreter der damaligen Alliierten Bayerns, darunter auch einige Veteranen, aus diesem Anlass ein Stelldichein.

In gewisser Hinsicht war Ludwig bei diesem Werk demokratischer als die Bundesrepublik. Denn während letztere Deutschland – wie jetzt erst wieder im Ersten Pro­gramm mit dem TV-Mehrteiler „16 x Deutschland“ – bevorzugt über die Bundesländer, sprich Teilstaaten, definiert, erklärt Ludwig in seinem Bauprogramm das Land weniger über die Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes denn über Deutschlands Volksstämme. Mehr oder weniger zufällig waren auch dieses nun wieder 18, wie überhaupt die Zahl 18 sich wie ein roter Faden durch das ganze Gebäude zieht.

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