„Ein Winter unter´m Tisch“ im Hamburger Sprechwerk

Von Michael Buschow

Unterm Tisch
Unterm Tisch

 Theater lebt von jungen Talenten

Da sitzt man dann (wieder einmal) im Theater – in diesem Fall im Hamburger Sprechwerk und wartet auf das, was da kommen wird. Wie könnte es in einem von einem Franzosen (Roland Topor) geschriebenen Stück anders sein – es geht selbstverständlich um die Liebe.

Die Handlung:

Ein gewisser Dragomir (zeitweise arbeitsloser Automechaniker), der sich in Paris mehr schlecht als recht durchschlägt, zieht bei der (blonden) Übersetzerin Florence Michalon ein – und zwar als Untermieter – im wahrsten Sinne des Wortes –  u n t e r  ihrem Arbeits-Ess-Tisch.

Aus dieser skurrilen Situation heraus kommt es in der Folge natürlich zu Verwicklungen, besonders dann, als der musikalische Cousin von Dragomir namens Gritzka ebenfalls unter dem Tisch einzieht.

Die Vermieterin Florence hat halt ein weiches Herz.

Und klar – verguckt sich auch Gritzka  in die traumhaften Beine von Florence. Er ist nur nicht so zurückhaltend wie sein Cousin Dragomir, der seine Angebetete lediglich scheu und stumm verliebt anhimmelt.

Aber noch ein anderer Mann hegt starkes, privates Interesse an der schönen Übersetzerin: Ihr Verleger Marc Thyl, ein eleganter, egoistischer Champagner-Macho, ganz das Gegenteil der beiden Looser „unter´m Tisch“.

Florence reiche Freundin Raymonde Pouce ist der Auffassung, daß nur die Heirat mit einem solventen und gesellschaftlich anerkannten Mann, – dem Verleger natürlich, –  für Frau etwas bringen kann und betreibt daher hinter den Kulissen ihr kleines Intrigenspiel.

„Untervermietung eines Tisches“ – ein skurriler, ja surrealer Einfall des bekannten Autors Roland Topor und es mag nur ein zufälliges Wortspiel sein, daß in dem Begriff  s-kurr-il  bereits ein Name auftaucht, den wir alle kennen:  Kurr eben, Hans-Peter Kurr, der dieses herrliche Stück auf die Hamburger Bühne gebracht hat.

Die Schauspieler stammen aus seiner „Kaderschmiede“ und das ist spürbar.

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Erfrischend und spritzig…unterm Tisch!

Katharina Herzberg von Rauch (Florence Michalon) besitzt neben ihrem jugendlichen Charme eine Riesenportion gekonnter Darstellungskraft und Spielwitz.

Sie spielt nicht die Florence – sie ist Florence!

Außerdem kann man feststellen, daß „sexy auszusehen“ auch in einem bekleckerten Overall möglich ist!

Leenert Schrader (Dragomir) bringt dem Zuschauer seine gespielte Lebensweise so authentisch rüber, daß man meinen könnte, er lebe tatsächlich immer kochend, schlafend und unglücklich verliebt unter einem Tisch.

Harun Yildirim (sein Cousin Gritzka) bringt ständig Leben in die Bude, nimmt gerne mal einen zur Brust und verkörpert auf diese Weise überzeugend  den Typus des lockeren Straßenmusikers und Künstlers. Eine Art „Actiontyp“.

Ariane DeMelo als Freundin Raymonde ist schlicht ein elegantes Dämchen, dem die Rolle des leicht intriganten, aber trotzdem nicht unsympatischen Luderchens  gut steht.

Schließlich der „Senior“ der Truppe, Thomas Fitschen  als Verleger Marc Thyl. Diesem Schauspieler merkt man seine Bühnenerfahrung an. Der könnte auch überzeugend den „Liliom“ spielen, denn manchmal blitzt tatsächlich der „blonde Hans“ bei ihm durch.

Alle jungen Mimen brauchten nur eine kurze Aufwärmphase, um sich mit Bühne und Publikum in Einklang zu bringen.

Dann aber ging die Post ab – und die war in der Tat nicht von schlechten Eltern!

Noch eine kleine Anmerkung für das zukünftige Publikum:

Man sollte n i c h t  in der ersten Reihe Platz nehmen – dort könnte es unter Umständen etwas nass werden….

Ein erfrischend spritziger Theaterabend mit jungen Talenten! Sehr erlebenswert!

Weitere Vorstellungen im Sprechwerk:

Am 1. und 2. , sowie am 12. Oktober 2013

Fotos: Gloger

 

 

 

 

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