Schüssen folgte der Rücktritt

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 50 Jahren erschütterte eine Sex- und vermeintliche Spionageaffäre zumindest die Regierung des Vereinigten Königreiches. Sein Namensgeber war der konservative Politiker John Profumo, der ab 1960 das Amt des Kriegsministers bekleidete. Der verheiratete Brite unterhielt 1961 ein mehrwöchiges Verhältnis mit dem 27 Jahre jüngeren Model und Callgirl Christine Keeler. Zusätzliche politische Brisanz erhielt der Fehltritt im Kalten Krieg dadurch, dass Keeler auch die Geliebte von Jewgenij „Eugene“ Iwanow war, der nicht nur Sowjetbürger, sondern auch stellvertretender Marineattaché und Angehöriger des Militärnachrichtendienstes GRU war. Die Polizei wurde auf Keeler und ihr Treiben aufmerksam, als ein weiterer Geliebter aus Eifersucht 1962 auf sie schoss.

„Es hat sich zwischen mir und Miss Keeler nie etwas Ungehöriges ereignet“, belog der in die Enge getriebene Minister im März 1963 das Unterhaus, eine Lüge, von der er schließlich abrücken musste. Ihm blieb da nur noch der Rück­tritt, vollzogen am 5. Juni 1963. Mit sich riss der Minister seinen Kabinettschef Harold Macmillan, der am 12. Oktober des Jahres ebenfalls zurücktrat.

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