Worte zum Abschied für unser Mitglied Rosemarie Fiedler-Winter

Vorstand und  Beirat der DAP danken Ginny G. von Bülow für ihre einfühlsamen Worte zum Verlust einer großen Kollegin und sprechen allen Hinterbliebenen im Namen aller Mitglieder ihr Beileid aus.

Von Ginny G. von Bülow

EIN WORT ZUM ABSCHIED

Rosemarie Fiedler-Winter (1922-2012)  –  Journalistin, Autorin, Herausgeberin

Die traurige Kunde, dass Rosemarie Fiedler-Winters irdische Laufbahn, die wahrhaft beeindruckend war,  am 20. November 2012 zu Ende gegangen ist, hat schmerzlich berührt.

Denn den Tod in seiner bitteren Endlichkeit begreifen wir als Verlust. Und so beklagen wir, Freunde und Kollegen, die Rosemarie Fiedler-Winter eine Strecke ihres Weges begleiten durften, einen unersetzlichen Verlust. Den Verlust einer Frau, die durch ihren geschliffenen Intellekt, ihr hohes Bildungsniveau, ihr virtuos gehandhabtes journalistisches Handwerk – sei es auf den Wirtschaftseiten der großen Zeitungen oder in den elektronischen Medien, sei es im Feuilleton oder in ihren Büchern oder sei es in ihrer so gekonnt freien Rede – als imponierende Persönlichkeit jeden zu beeindrucken wusste. Konziliant im Ton, doch unnachgiebig in der Sache. Es war ihre geistige wie auch politische Haltung, die sie fest in der Mitte verankerte. Sie war eine von den Wirtschaftsbossen gefragte Journalistin, die nicht antichambrieren musste, sondern die von ihnen gerufen wurde – von Hamburg bis Davos.   Bei Rosemarie Fiedler-Winter konnte man sicher sein: was sie sagte, was sie schrieb – es hielt jeder Recherche stand. Denn es war recherchiert. Und zwar so sauber, dass sie  beispielhaft für uns – seinerzeit in der PR-Agentur Dr. Reiner Schulze van Loon – als Maßstab für journalistisches Schreiben  galt. In der  heutigen journalistischen Landschaft dürfte sie als Leuchtturm auch weiter herausragen.

Als ich Rosemarie Fiedler-Winter Mitte der 80er Jahre durch eben die Agentur Dr. SL kennenlernte, da lernte ich sie auch als Vorsitzende der Hamburger Autorenvereinigung kennen. Sie und Gabriel Laub, das legendäre Duo, wie es in dieser intellektuellen Ballung einmalig bleiben sollte. Ich konnte nicht anders: ich bat darum, Mitglied der HAV werden zu dürfen. Unter ihrer Ägide (1977- 2003) wurde nicht nur der Literarische Salon der Hamburger Autoren Vereinigung (HAV) in Hamburg etabliert, der Wirtschaft und Literatur zusammenführte, darunter Literaten wie der Italiener Alberto Moravia oder der Berliner Verleger Wolf Jobst Siedler.  Rosemarie schaffte es auch immer wieder, Persönlichkeiten der Hansestadt sowohl als Sponsoren  als auch als Gäste unserer Veranstaltungen zu gewinnen, wie z.B. Ida Ehre, Dr. Elsbeth Weichmann, den Otto-Versand oder Alfred C. Toepfer. Es waren Sternstunden, die die HAV ihrer damaligen 1.Vorsitzenden Rosemarie Fiedler-Winter zu verdanken hatte.

Rosemarie und ich waren beide gebürtige Mitteldeutsche, die die deutsch-deutsche Politik besonders verband. Und so gehört zu meinen persönlich anrührendsten Erinnerungen vor allem unsere Literarische Reise der HAV nach Dresden im Jahre 1990  – direkt nach der Wende:  Rosemaries Heimatstadt.

Sie hatte mir vor unseren Lesungen  bereits tagsüber „ihre“ Straße gezeigt, in der ihre Familie einst zuhause war. Für mich eine Straße nur – für sie Emotionen.. Als wir dann über die Brühlsche Terrasse spazierten, erzählte sie weiter: „Früher wurde ich immer Rosy genannt… und hier hatten meine Schwester Lore und ich uns versprochen: nach dem Krieg treffen wir uns wieder – hier auf der Brühlschen Terrasse.“

In dem Moment höre ich hinter uns ein fernes „Rosy…“ Ich traute meinen Ohren nicht. Rosemarie reagierte nicht.  Und noch einmal,  lauter: „Rosy!“ Ich stieß sie an: „Rosemarie, da ruft  jemand  nach dir: Rosy!“ Sie dreht sich um und schreit auf: „Lore!“ Die beiden Schwestern lagen sich in den Armen. Bei dieser unverhofften Wiederbegegnung auf der Brühlschen Terrasse „nach dem Krieg“ – jetzt nach der Wende 1990 – traten mir die Tränen in die Augen.

Wie auch jetzt – in Erinnerung an Dich, liebe Rosemarie, der wir nur noch sagen möchten: DANKE!

GINNY G. von  BÜLOW

(Mitglied der Hamburger Autorenvereinigung und der Die Auswärtige Presse e.V., Hamburg)

 

 

Ein Gedanke zu „Worte zum Abschied für unser Mitglied Rosemarie Fiedler-Winter“

  1. Liebe Kollegin Ginny von Bülow,
    ein sehr einfühlsamer Nekrolog auf eine ebenso bekannte wie beliebte Journalistin, die sich nicht nur in Zeitungen und Magazinen, sondern auch im Rundfunk mit ihren Features einen Namen gemacht hat. Requiescat in pace!
    Uta Buhr

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