Brötchenphilosophie oder Der Friedensnobelpreis für das Brötchen!

erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Johanna R. Wöhlke

Kennen Sie die meistgestellte Frage der Welt? Gleich werden Sie sie kennengelernt haben. Sie lautet: Oben oder unten? Gestellt wird diese Frage nicht in politischen Zirkeln, in Gremien und Konferenzen. Nein, es ist der Frühstückstisch, an dem sie so oft zu vernehmen ist.

Jetzt ist es auch nicht mehr schwer, den weiteren Verlauf dieser kleinen Geschichte zu erraten, denn es handelt sich natürlich darum, von dem oder der Befragten zu erfahren, welches Teil des zweiten Brötchens – das nun noch geteilt werden soll – der gewünschte Teil ist, eben das „Ober“ oder das „Unter“.

Man mag es drehen und wenden, wie man will, diese Frage führte bislang immer dazu, dass einer auf das verzichten musste, was er eigentlich gerne gegessen hätte, und zwar immer dann, wenn beide Beteiligten entweder gerne das Oberteil oder beide gerne das Unterteil des Brötchens gewählt hätten. Da „mutiert“ der Frühstückstisch dann schnell zur Bühne des Lebens und gibt die Möglichkeit zu philosophischen und konfliktträchtigen Exkursen ohne Ende.

Damit ist nach der Lektüre dieses Textes nun Schluss! Denn ich stelle Ihnen die wirklich einzige friedensstiftende und Konflikte verhindernde Lösung für dieses Problem vor: Das Brötchen wird nicht horizontal in ein Ober- und ein Unterteil zerschnitten. Das Brötchen wird vertikal in zwei gleich Hälften zerschnitten, so dass sich immer ein halbes Oberteil und ein halbes Unterteil ergeben!

So sehen wirklich und echt Frieden stiftende Maßnahmen im Alltag aus! Ich schlage deshalb vor, diese Methode bei allen nationalen und internationalen Konferenzen und Verhandlungen beim Frühstück als Test zu praktizieren. Wer am Brötchen nicht scheitert, wird auch bei allem anderen und dem Anderen nicht scheitern – der Weltfrieden winkt, dem Brötchen sei Dank! Das Brötchen hätte gerne den nächsten Friedensnobelpreis, bitte!

5 Gedanken zu „Brötchenphilosophie oder Der Friedensnobelpreis für das Brötchen!“

  1. Preisgeld? Das ist keine Frage: Das Preisgeld geht dann in potentiell echte Frieden stiftende Maßnahmen – zum Beispiel die Hirnforschung oder die Erforschung der Lebens verlängernden Wirkung des Lächelns und des Humors 🙂

  2. Den Friedensnobelpreis für ein Blödchen- was macht selbiges dann mit dem Preisgeld? Genug geblödelt: ich steh auf Toast!

  3. Und wie immer bietet sich der Toast als Alternative an. Aber da stellt sich die Frage: Wie gebräunt soll er denn sein? Heiß, damit die Butter fließt, oder bereits abgekühlt, damit die Zähne noch wissen, wozu sie gebraucht werden?
    Panta rei. Alles hängt mit allem doch irgendwie zusammen.
    Der Leidtragende ist am Ende dann doch nur der Weltfrieden. Aber zumindest bleibt er Gesprächsstoff.

  4. An Deiner Frage ist zweifelsfrei zu erkennen: Der Frieden ist ein schwieriges Terrain – und manchmal nur mit Verzicht, Opfer, Geduld und Liebe herzustellen 🙂

  5. Die Frage ist nur: Wie stellen es kinderreiche Familien – also solche mit einem Kind oder mehr – an? Längs UND quer schneiden? Wie ist es in diesem Fall mit dem häuslichen Frieden bestellt?

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