Wie Libyen italienisch wurde

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

von Dr. Manuel Ruoff

Vor 100 Jahren endete der italienisch-türkische Krieg – Erster Luftangriff der Weltgeschichte

Schon bevor das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg den finalen Todesstoß erhielt, war es nicht mehr gesund gewesen. Als „kranker Mann am Bosporus“ war es bereits im 19. Jahrhundert bezeichnet worden. Das einst das christliche Europa in Angst und Schrecken versetzende Reich war von einem Subjekt zu einem Objekt geworden. Dieses macht sehr schön eine Karikatur in der britischen Satirezeitschrift „Punch“ deutlich, die den Sultan zeigt, wie er erstaunt von einer Bekanntmachung Kenntnis nimmt, dass Russland, Frankreich und Großbritannien die Umwandlung seines Staates in eine Beteiligungsgesellschaft beschlossen hätten. „Wie Libyen italienisch wurde“ weiterlesen

Idee und Wirklichkeit

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit verwies der Festredner Bundespräsident Norbert Lammert auf ein Zitat des deutschen Regisseurs Wim Wenders: „Aus der europäischen Idee ist die Verwaltung geworden, und jetzt denken die Menschen, dass die Verwaltung die Idee ist.“

Ein analoges Phänomen gab es schon vor zwei Jahrhunderten. Aus der Französischen Revolution war die napoleonische Unterdrückung geworden und nun dachten die Deutschen – und nicht nur sie –, dass die napoleonische Unterdrückung die Errungenschaft der Französischen Revolution sei. Von Friedrich Meinecke stammt die Erkenntnis, dass die Deutschen durch die Erfahrung der napoleonischen Besatzungszeit „Idee und Wirklichkeit“ weiterlesen

Die Landespressekonferenz Hamburg hat einen neuen Vorstand: Der alte ist (fast) der neue!

Von Johanna R. Wöhlke

Der neue Vorstand

Die Landespressekonferenz Hamburg hat sich heute einen neuen Vorstand gewählt.

In ihren Ämtern bestätigt wurden Jürgen Heuer ( 1. Vorsitzender/ NDR Hamburg Journal), Peter Ulrich Meyer (Stellvertreter/ Hamburger Abendblatt), Susanne Mayer Peters (Schatzmeisterin/ NDR 90,3 )

Als Beisitzer wurden ebenfalls in ihren Ämtern bestätigt:

Markus Arndt ( Bild – Zeitung), Herbert Schalthoff ( Hamburg 1), Sven-Michael Veit ( TAZ Hamburg), Markus Klemm ( DPA), Jens Schneider (Süddeutsche Zeitung), Kristine „Die Landespressekonferenz Hamburg hat einen neuen Vorstand: Der alte ist (fast) der neue!“ weiterlesen

Ein Patchwork-Oedipus

Von Hans-Peter Kurr

Aus dem Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Text: Hans-Peter Kurr

Jokaste und Oedipus

Der Beifall war stark, anhaltend, jubelnd, ohne Hemmung. Auch an ( zuweilen unverständlichen) Lachern fehlte es nicht, zum Beispiel, wenn Kreon sich ohne Not selber den Habitus eines Krüppels anerzogen hatte (, möglicherweise, um seinem Menschenbruder Oedipus zu gefallen?). Die Rede ist von der Schauspielhaus –Premiere des bedeutendsten Bühnenwerkes, das in der Theaterliteratur existiert, dem Sophokleischen „Oedipus“. Und auch das trifft nur „Ein Patchwork-Oedipus“ weiterlesen

Das mühsame Ringen um Identität

von Götz Egloff

Rezension zu Katharina Pohl, Schönes Scheitern? Die Suche nach Identität in den Inszenierungen Florian Fiedlers. Tectum Verlag, Marburg, 2010

Schönes Scheitern

Die in der Reihe Kleine Mainzer Schriften zur Theaterwissenschaft erschienene 182-Seiten-starke Untersuchung zur zeitgenössischen Theaterpraxis bietet eine intensive und höchst eindrückliche Leseerfahrung. Auch Rezipienten, die die beiden besprochenen Inszenierungen Florian Fiedlers nicht gesehen haben, werden von der detaillierten und äußerst nachvollziehbaren Analyse profitieren, die Katharina Pohl hier vorlegt.

Den Topos des Scheiterns in der Postmoderne, in der eine als kohärent erfahrene Identität wenn nicht brüchig, eher schon in der Auflösung begriffen ist, beleuchtet Pohl anhand der Inszenierungen Fiedlers von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ und Kaurismäkis „I Hired a Contract Killer oder Wie feuere ich meinen Mörder?“ am Frankfurter Schauspielhaus 2004 und 2005. Was Fiedler mittels Raum, Zeit und Personal auf der Bühne konstelliert, findet in Pohls Analyse dabei seine akademische Entsprechung. Dabei entbehrt diese nicht des nötigen „Das mühsame Ringen um Identität“ weiterlesen

Linkskonservative Alternative zu Friedrich Ebert

erschienen in der Preußisch Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Vizekanzler Arthur von Posadowsky-Wehner trat bei der ersten Reichspräsidentenwahl gegen den rechten Sozialdemokraten an

Wollte man Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz im politischen Spektrum verordnen, dann müsste man ihn zum Linkskonservatismus zählen. In seiner Bejahung von König und Kaiser und von seiner Herkunft her war Posadowsky-Wehner ein typischer Konservativer. Der am 3. Juni 1845 im niederschlesischen Groß-Glogau geborene Graf entstammte ostelbischem Uradel und bereits der Vater hatte als königlicher Oberlandesgerichtsrat in verantwortungsvoller Funktion dem Staat gedient. Seine Mutter war eine von Plötz. Der Sohn verhielt sich standesgemäß und schickte sich an, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Nach dem Abitur am evangelischen Gymnasium in Glogau studierte der Protestant in der Provinzhauptstadt Breslau, in der Landeshauptstadt Berlin und in Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaften, wobei sein besonderes Interesse neben dem Kirchen- dem Staatsrecht galt – beste Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Staatsdienst. Nach der „Linkskonservative Alternative zu Friedrich Ebert“ weiterlesen

Das Internet erzeugt „Internetionalität“ – eine Anregung zur Diskussion

Von Johanna R. Wöhlke

Internetionalität – für mich mein Wort des Jahres 2012!

Neue Begrifflichkeiten sind erforderlich, um die Welt zu beschreiben, wie sie heute ist. Jetzt, hier und heute ist sie nicht mehr nur international, sie ist internetional!

Wird das jemand bezweifeln wollen? Sicher, es wird den einen oder anderen Aspekt geben, Gedanken und Überlegungen, wie dieser Begriff im einzelnen zu füllen sei – aber im Kern wird niemand bezweifeln wollen, dass sich unsere Welt langsam und unaufhaltsam hin bewegt hat zum Internet und damit zur Internetionalität!

Internationalität war noch geprägt davon, eigene Erfahrungen damit gemacht zu haben, körperliche Erfahrungen. Die Welt sehen, riechen, schmecken, ertasten, das geht nur als Mensch, als „real existierender“ Mensch. „Das Internet erzeugt „Internetionalität“ – eine Anregung zur Diskussion“ weiterlesen

Rilke-Texte verlebendigt

 Von Hans-Peter Kurr

 Lydia Spiekermanns Bearbeitung und Inszenierung im Monsun-Theater

Dichte Visionen: Erik Fiebiger mit Noémie Naegele und Matthias Weiß mit der Geige

Eine Sternstunde der Begegnung mit wertvoller Literatur hat die Hamburger Regisseurin Lydia Spiekermann mit ihrem Rilke-Abend geschaffen, der jetzt wieder im Monsun-Theater, vor leider viel zu wenigen Zuschauern, zu sehen war.

Es handelt sich bei dieser Arbeit um eine Bühnenfassung der „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“von Rainer Maria Rilke, eine Art ausufernder Familiengeschichte, deren Verstehbarkeit die Regisseurin ihrem Publikum durch einen klugen einleitenden Vortrag erleichtert.

Ihr hohes Verdienst aber, nicht nur diese Bearbeitung geschaffen und sie, ungemein phantasiereich, inszeniert zu haben, wird noch übertroffen durch die Tatsache, daß sie denSchauspieler Erich Fiebiger für sich entdeckte und engagierte, dem es gelingt, mithilfe von Dichte und Intensität in mindestens ein Dutzend unterschiedlicher Figuren der zahlreichen Familienmitglieder zu schlüpfen. „Rilke-Texte verlebendigt“ weiterlesen

In der Berghütte der Seele: Die Wand

Von Hans-Peter Kurr

Martina Gedecks Solo / Der erschütternde Film DIE WAND

Martina Gedeck

Dieser Streifen wird in die internationale Filmgeschichte eingehen!

Und das verdanken wir einer Jahrhundertschauspielerin, deren Karriere, als sie noch an der Seite des großen Ulrich Wildgruber lebte, in den neunziger Jahren begann und mit diesem Lebensepos DIE WAND – soeben in deutschen Landen, auch im hamburgischen Abaton, uraufgeführt – ihren ( zumindest gegenwärtigen ) künstlerischen Höhepunkt erreicht, den  d i e  Gedeck, wie wirkliche Weltstars bis Ende des 20. Jahrhunderts, dem der Rezensent entstammt, achtungsvoll genannt wurden und von Mitgliedern jener Generation bis heute gewürdigt werden, hier präsentiert.

Der Film, in kongenialer Wucht nach dem lange als unverfilmbar geltenden Roman Marlen Haushofers instrumentiert durch den phantasiebegabten Regisseur Julian Pölsler und seinen neun fähigen Kameraleuten unter Führung des Altmeisters J.R.P. Altmann eine Bilderfolge von aufregender Schönheit in der österreichischen Berglandschaft, darinnen eine Solistin, die sich durch ,nach internationalen Kriterien gültige ,künstlerische Höchstqualität auszeichnet. „In der Berghütte der Seele: Die Wand“ weiterlesen