Ein Zeichen familiärer Kontinuität

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Siegfried Taday wollte in Passenheim die eigene Goldene Konfirmation mit der Taufe seiner Enkel verbinden.

Goldene Konfirmation in Ostpreußen

Wenige heute in der Bundesrepublik lebende Ostpreußen können ein Konfirmationsjubiläum in ihrer ostpreußischen Heimatkirche feiern. Umso seltener ist es, wenn sie diese Feier mit der Taufe ihrer Enkelschar verbinden können. Dem Reiseunternehmer Siegfried Taday schien ein derartiges Zeichen familiärer Kontinuität über Generationenwechsel hinweg vergönnt zu sein. In der evangelisch-lutherischen Kirche von Passenheim, der laut ihrem Pastor Witold Twardzik ältesten von ganz Masuren, sollte in ein und demselben Gottesdienst sowohl die Goldene Konfirmation Tadays und seiner Zwillingsschwester Elisabeth Gosdzinski als auch die Taufe seiner Enkel Anouk, Deva und Amadeus gefeiert werden. Hierzu hatten Siegfried Taday und seine Ehefrau Brigitte Verwandte und Bekannte in ihr in Scheufelsdorf am Kalben­see gelegenes Gästehaus „Panorama“ geladen, dessen 15-jährige Existenz bei der Gelegenheit gleich mitgefeiert wurde. Knapp 70 Personen folgten der Einladung, darunter auch der Stadtvertreter von Allenstein Heinz-Werner Schwarz.

Damit sich die Anreise lohnte, wurde die Feier mit einem um­fang­reichen Rahmenprogramm versehen. Dazu gehörten Ausflüge mit dem Bus nach Heiligelinde, das gerade mit einer furchtbar hässlichen Farbkombination versehen wird, nach Rastenburg und zur „Wolfsschanze“, nach Lötzen, nach Danzig, zum Freilichtmuseum Hohenstein und dem Oberlandkanal, der mit seinen Geneigten Ebenen auch befahren wurde, sowie nach Nikolaiken und der Krutinna, auf der natürlich auch gestakt wurde.

Am Sonnabend vor dem Gottesdienst begannen die Feierlichkeiten mit einer vormittäglichen Gartenparty. Nach der Eröffnungsrede des Gastgebers sprachen der Bürgermeister von Passenheim, die Vizelandrätin von Ortelsburg und der evangelisch-lutherische Pastor von Passenheim. Dabei lobte der Bürgermeister, dass Tadays Haus „Panorama“ Polen, Masuren und Deutsche verbinde. Durch seine Leistungen habe es sich in der Geschichte der Gemeinde verewigt. Der ebenfalls anwesende Wilhelm Polte, Gründungsmitglied der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP), Abgeordneter der ersten freigewählten DDR-Volkskammer und Oberbürgermeister von Magdeburg von 1990 bis 2001 bezeichnete das im Haus „Panorama“ Geleistete als ohne Beispiel und Baustein in dem Haus Europa. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Allensteiner Blaskapelle und das ebenfalls aus der Woiwodschaft stammende Zigeuner-Ensemble „Hitano“, das auch schon auf dem Festival der deutschen und ukrainischen Volksgruppe „Unter einem gemeinsamen Himmel“ aufgetreten war.

Anschließend ging es mit dem Bus in die Passenheimer evangelische Kirche, wo aus Anlass von jeweils eineinhalb Jahrzehnten Haus „Panorama“ und Kammermusik in der Passenheimer Kirche das Geigenquartett der Danziger Philharmonie in Begleitung des italienischen Organisten Maurizio Conca ein Konzert gab. Den Abschluss des Sonnabends bildete eine Grillparty im Garten mit eigenem Strand des Hauses „Panorama“ mit Live-Musik und einem anschließenden Feuerwerk, zu dem die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene anrückte.

Am nächsten Morgen fand dann in der Passenheimer Kirche ein polnischsprachiger Gottesdienst mit deutschen Einsprengseln statt. Integriert war die Konfirmation von drei jungen Mädchen sowie die Feier der Goldenen Konfirmation, der Diamantenen Konfirmation beziehungsweise der Goldenen Hochzeit von elf weiteren, nicht mehr ganz so jungen Ostpreußen, darunter auch Siegfried Taday und Elisabeth Gosdzinski, welche die Feier sichtlich bewegte. Als dann auch noch ein spontan in Ostpreußen aus den Gästen des Hauses „Panorama“ gebildeter Chor Taday von der Orgelempore ein auf die Schnelle im Haus „Panorama“ eingeübtes Kirchenlied sang, wurde in dem Gotteshaus sogar geklatscht.

Der ursprüngliche Plan, Goldene Konfirmation und Taufe miteinander zu verbinden, erfüllte sich zum Leidwesen der Festgesellschaft und vor allem Siegfried Tadays nicht. Das älteste Enkelkind fehlte wegen eines persönlichen Termins seiner Mutter und die beiden anderen wollten sich nicht alleine taufen lassen. Ein Zeichen familiärer Kontinuität über Generationenwechsel hinweg wurde aber trotzdem gesetzt. Bereits am Sonnabend vor der Taufe hatte Siegfried Taday die Übergabe seines Reisebüros in Düsseldorf an seine älteste Tochter Simone bekannt gegeben. Er selber möchte sich auf sein Haus „Panorama“ im Kirchspiel Passenheim konzentrieren, in dem er vor nunmehr auch schon fast 65 Jahren zur Welt gekommen ist. Zurück zu den Wurzeln. Von Ruhestand kann aber noch nicht die Rede sein. Siegfried Taday hat vielmehr in Scheufelsdorf am wunderschönen Kalbensee noch manches vor.

Fotos: Ruoff

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