Der Transportbranche geht der Nachwuchs aus

Hamburger Hafen

Von Achim Simon

Das Transportgewerbe hat ein Problem:
Es fehlen jährlich bundesweit rund 20.000 Berufskraftfahrer, weil in den nächsten zehn Jahren etwa 200.000 LKW-Fahrer altersbedingt ausscheiden.
Gerade einmal 3.400 junge Menschen begannen 2010/2011 die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer, viel zu wenig, um den Bedarf zu decken.Allein in Hessen haben lediglich 339 junge Menschen die dreijährige Ausbildung begonnen. Insgesamt ist aber der Bedarf in Hessen nach Untersuchungen der IHK Frankfurt /Main erheblich höher.
Ähnlich dramatisch ist die Situation auch in anderen Bundesländern wie Hamburg, Sachsen und Thüringen.
Dabei ist der Beruf des LKW-Fahrers anspruchsvoll, krisensicher und bietet mittelfristig gesehen gute Aufstiegschancen.

Die Bildungswerke des Verkehrsgewerbes,die Straßenverkehrs-genossenschaften (SVG) und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. intensivieren massiv ihre Bemühungen, junge Menschen für den Beruf des LKW-Fahrers zu gewinnen und betreiben Ursachenforschung.
Liegt es vielleicht an der geringen Belastbarkeit, dass sich so wenig Jugendliche für diesen Beruf entscheiden können? Schließlich kann es im Alltag eines Speditionsunternehmens durchaus hektisch sein und der Ton mitunter ruppig.

Werner Gockeln, Vorstand der SVG Bundes-Zentralgenossenschaft Straßenverkehr eG, verneint dies entschieden:

„Nein, diese Fähigkeit ist nicht verloren gegangen. Wir haben die Erfahrung gemacht, wenn wir junge Menschen für den Beruf des Fahrers oder Lagerfacharbeiters gezielt aussuchen und ausbilden, diese dann auch ihren Beruf sehr hartnäckig und beharrlich aus-üben und sich im beruflichen Alltag gut bewähren.“

Als schulische Anforderung reicht im Grunde genommen der Hauptschul-abschluss aus. Manche Speditionsunternehmen geben auch Interessenten ohne Schulabschluss eine Chance, wenn sie folgendes mitbringen: Lernwilligkeit, Ausdauer, Spaß am Beruf und vor allem soziale Kompe-tenz! Teamarbeit in Kameradschaft ist heutzutage die Basis der Branche.
Mit der vielbesungenen Truckerromantik und des einsamen Cowboys auf der Strasse hat der heutige Beruf des LKW-Fahrers nichts mehr zu tun.
Dafür sind die Arbeitsabläufe mittlerweile zu komplex, ein moderner LKW ist technisch anspruchsvoll und dementsprechend muss ein junger Mensch sich stetig vielseitig praxisnah fortbilden.

Bleibt noch die Frage nach den Aufstiegsmöglichkeiten. Auch hier sind die Chancen gut: Vom Fahrer zum Disponenten bis hin zur Selbst-ständigkeit mit einem eigenen Fuhrunternehmen oder partnerschaftliche Beteiligung an einer Spedition sind keine Luftschlösser. Denn: Die Branche boomt und die Nachfrage nach Transport-und Logistikleistungen wächst weiter.
Mit einem jährlichen Umsatz von über 220 Milliarden Euro gehört der Logistikmarkt zu den ökonomischen Schwergewichten in Deutschland. Und das Gewerbe ist ein wichtiger Arbeitgeber:
Rund 11.000 Beschäftigte in 800 hessischen Güterkraftverkehrs-, Speditions- und Logistikunternehmen sichern die Versorgung der Bevölkerung in Hessen mit Gütern aller Art.

Und dennoch: Viele Speditionsunterneh-men müssen bereits jetzt Aufträge ablehnen, weil sie keine Fahrer haben.

Der Fachverband Güterkraftverkehr und Logistik Hessen e.V. hat deswegen die Initiative ergriffen und bietet unter
www.ausbildungsinitiative-berufskraftfahrer.de allen
interessierten jungen Menschen umfangreiche Informationen
zum Berufsbild des LKW-Fahrers.
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2 Gedanken zu „Der Transportbranche geht der Nachwuchs aus“

  1. Fahrermangel warum ???

    23 Prozent der Mitarbeiter haben innerlich gekündigt, wer wundert sich?? Das Problem ist Hausgemacht!! Die Mitarbeiter in der Transportbranche haben erkannt, dass die Schere bei der Entlohnung immer weiter auseinander geht. Die Dienstwagen der so genannten Führung werden immer größer und das Gehalt der Mitarbeiter immer kleiner. Wer heute für so einen Dupinglohn arbeitet, findet sich später in der Rente bei der Sozialhilfe.Die Gehälter die LKW Fahrer heute bekommen ( die Hälfte des Tariflohnes ), wurden schon 1978 bezahlt und jetzt ist man erstaunt, dass sich kein Nachwuchs mehr findet.

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