Der alltägliche Verfolgungswahn

erschienen im Hamburger Abendblatt am 8. September 2012

Von Johanna R. Wöhlke

„Verfolgsungsjadgen“

Gerade ist mein Mann auf Verfolgungsjagd. Ich höre das ganz deutlich, denn offensichtlich gestaltet sich diese „sportliche Übung“ nicht zu seinem Hochgenuss. Nicht dass es über Stock und Stein geht, nein. Nicht dass er sich dabei körperlich anstrengen muss, bewahre! Nicht dass er ins Schwitzen dabei käme und sich tausende von Kalorien dabei abtrainierte, nicht doch! Es sitzt ganz ruhig vor seinem Computerbildschirm und verfolgt.

Was verfolgt der Liebe denn nun da? Er verfolgt ein Paket. Genauer gesagt, er verfolgt nicht ein Paket, sondern er verfolgt eine Paketsendung. Diese Paketsendung ist nämlich mit einem Link verbandelt,  nicht wirklich, eben auch nur im Internet, und dieser Link spielt manchmal verrückt. Gibt man diesen Link ein, kann man immer genau sehen, wo das versandte Paket sich gerade befindet. Das ist klasse! So kommt es dazu, dass mein Mann öfter einmal eine Verfolgungsjagd an seinem PC macht.

Manchmal aber, wenn er mittels des Links sein Paket so richtig schön verfolgen will – ups, da funktioniert er nicht und die ganze Verfolgungsjagd ist für die Katz noch ehe sie richtig begonnen hat. So ist das mit der modernen Technik und ihren Verfolgungsjagden.

Aber Spaß macht es schon. Denn schließlich hat er nun gerade als Ergebnis seiner Verfolgungsjagd erfahren, dass sein Paket vor zwei Stunden zugestellt worden sei. Bei wem nur, das ist jetzt die Frage…Gut, wir sprachen ja von Verfolgungsjagd, jetzt geht sie los! Mal bei den Nachbarn fragen…

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