Machiavellis „Mandragola“ als Operette

Von Hans-Peter Kurr

Amateurhafte Premiere des diesjährigen Sommertheaters St. Georg

Als Ben Johnson’s „Volpone“ auf englischen Bühnen auftauchte, feierte Machiavelli’s „Mandragola“ bereits einhundertjährigen Geburtstag. Wir befinden uns also im  Europa des17. und 16. Jahrhunderts.Und die beiden Dichter werden hier nur deshalb in einem Atemzug genannt, weil ihnen ein Tatbestand gemeinsam eigen ist: Die zwei genannten Stücke werden bis heute inszeniert und aufgeführt.

Wenn wir also an den Wahrheitsgehalt von Walter Jens’ Äußerung glauben, die gültige Übersetzung des Wortes„konservativ“ laute nicht ,„das zu bewahren, was gestern war, sondern, was bis heute dauerhafte Gültigkeit hat“, so müssen wir auch in diesen Fällen die Begründung finden. Und die lautet schlicht: Beide Stücke sind Allegorien auf gesellschaftspolitische Mißstände im katholizismusdurchtränkten Italien des 16. und in der Morbidität der englischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, die uns ja auch häufig in den Werken von  Ben Johnson’s großem Zeitgenossen William Shakespeare begegnen und deren Auswüchse bis in unsere Tage Wirkung zeigen.

Leider ist nichts davon zu entdecken in Katharina Röthers „Mandragola“ -Inszenierung des Sommertheaters St. Georg , die jetzt  eine wenig unterhaltsame, operettenhafte Premiere im gleichnamigen Kirchhof, dazu noch bei nahezu herbstlichen Temperaturen vor nur 42 Zuschauern, hatte:

Der hohe Anspruch, der mit dem von der Regisseurin ihrer Arbeit vorangestellten Machiavelli-Zitat „Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muß unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zugrunde gehen“, etabliert wurde, mußte nach zwei Stunden als nicht erfüllt gelten.

Das beginnt mit dem Umstand, daß der ausdrücklich als komödiantisch beworbene Abend nicht startet: Gleich vier Lieder hintereinander als Opening abzusingen, die bestenfalls Zeitkolorit aufweisen und zeigen, daß die Darsteller auch ( oder ausschliesslich?) musikalisch begabt sind, legitimiert diese erste Viertelstunde nicht. Was dann folgt, ist einigermaßen hanebüchen ( H o r r i b i l e  d i c t u !!! ):

Obwohl in der Ankündigung zu lesen ist,der Plot des Abends entstehe aus dem Wissen, Mandragola sei das Viagra des Mittelalters und solle einem alternden Dottore und seiner jungen Frau endlich zu Nachwuchs verhelfen, wobei- höchst erfolgreich – ein junger heißblütiger Liebhaber mit im Spiel ist , und ein durch Bestechung gewonnener Pater die Kassen der Kirche ( oder eher seine eigenen?) auffüllt, wird dieser reizvollen Vorlage außer der Regisseurin selber, die sich der Mühe unterzieht, neben der Regie auch noch eine der vier Rollen zu spielen, keiner der übrigen drei Darsteller der Komödieanterie ihrer – zahlreichen – Figuren gerecht: Mimikri und Hampelei sind eben keine legitimen darstellerischen Mittel.

Da aber zumindest ein Teil der kleinen Zuschauerschar selbst an diesem amateurhaften, operettigen Gebaren auf der Bühne sein Vergnügen zu finden schien, wünscht der Rezensent dem Team für die übrigen Vorstellungen – schon im Hinblick auf dessen Probenmühen und die gewiß nicht berauschenden Abendgagen  –  Spaß und Applaus.

 

( Die nächsten Vorstellungen finden, jeweils um 20.00 Uhr, statt, am 17., 18., 25., 26. August sowie am 1. und 2. September 2012 )

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