Lauter tolle Bundestrainer

Diese Glosse erschien am 30. Juni 2012 im Hamburger Abendblatt

Von Uta Buhr

Schade, es hat mal wieder nicht geklappt gegen den harten Brocken Italien. Ich gebe zu, dass auch ich traurig war, doch meine Niedergeschlagenheit dauerte gottlob nicht lange angesichts der vielen Bundestrainer in spe, die sich auf sämtlichen Internetforen schon einmal als Nachfolger von Joachim Löw empfehlen.  Unter den seltsamsten Pseudonymen beschimpfen diese Strategen den armen Jogi und streuen Asche auf sein Haupt, weil er die Mannschaft nicht nur schlecht trainiert, sondern zu allem Überfluss die falschen Spieler gegen Angstgegner Italien auf den Warschauer Rasen geschickt hat.

Ich kann mir diese großen Ballkünstler lebhaft vor ihrer Glotze sitzend mit (Bier)schaum vor dem Mund vorstellen, wie sie das Spiel von ihrem Fernsehsessel aus dirigierten und bei jedem der beiden Tore durch Balotelli Zeter und Mordio schrien. Da kann der Bundestrainer wirklich froh sein, dass wir modernen Staatsbürger Lynchjustiz zutiefst verabscheuen und auch nicht die Absicht haben, einen Fußballkrieg anzuzetteln, wie dies  einst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Mittelamerika geschah.

Man darf  gespannt sein, welche Mannschaft am kommenden Sonntag gesenkten Kopfes den Rasen in Kiew verlassen wird. Über einem der Teams  und seinem Trainer hängt bereits das Damosklesschwert!

Ein Gedanke zu „Lauter tolle Bundestrainer“

  1. So ist das nach einem verlorenen Spiel, es ist immer der Trainer Schuld.

    Was hätten genau diese Leute gesagt, wenn Deutschland gewonnen hätte?

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