Opernloft: Aida als Revoluzzer-Drama

Von Hans-Peter Kurr

Spannendes Experiment an der Fuhlentwiete

Zufall oder Inszenierung? Das war nicht auszumachen, aber gut war’s :Am Ende des Mini-Opern-Abends lehnte vereinsamt ein Demo-Tableau mit der Aufschrift „Freiheit“ an der Bühnenrampe. Die Rede ist von einem neuerlichen mutigen Experiment des Opernlofts, an das sich ein Team unter der Regie von Nicola Fellmann gewagt hatte:

Verdis „Aida“ als ( verantwortbare) Kurzfassung in einen diktatorisch regierten Staat unserer aktuellen Welt zu verlegen und dortselbst einen Freiheitskampf stattfinden zu lassen unter der Führung von Aida, die Radames, den Sohn des Diktators liebt…..und vice versus.

Besonderheit Nr. 1 dieses gelungenen Abends ist die Beteiligung einer Gruppe von Schülerinnen (Warum nur Mädchen, blieben die Jungen lieber beim Sport?) des Gymnasiums Lohbrügge, die die Revoluzzer, einmal chorisch, einmal solistisch, darstellen. Und das mit beeindruckendem Engagement….wie man bereits bei dem überraschenden Beginn des Abends im Foyer registrieren konnte, allwo unter

Fellmanns geschickter und einfalleicher Regie die Zuschauer unversehens zu einer weiteren Darstellergruppe mutierten, die man – noch vor Betreten des Auditoriums – als „das Volk“ nach klassisch-antikem Vorbild bezeichnen kann.

Besonderheit Nr. 2 ist die junge Pianistin Makiko Eguchi, die nicht nur die musikalische Leitung in toto innehat, sondern auch am Flügel ihre zarte japanische Seele auf anrührende Weise in ihre sensiblen Finger schickt und den gesamten Abend nicht nur musikalisch durch die farbige Palette von Lyrismus bis Dramatik führt, sondern auch dafür gesorgt hat,

daß dem gut disponierten profesionellen Sängerpaar Lena Kutzner und Filip Sczepanski die Verdi’schen Standardarien ihrer Partien erhalten blieben….trotz Fellmanns raffiniert durchdachter, dramaturgisch reifer, aber doch erheblicher Verschiebung der Handlungsstränge !

Schwere Kost an der Fuhlentwiete. Ereignisreich, überraschend, laut, engagiert und überzeugend.

 

 

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