Ein ganz schlechter Tag

Diese Glosse erschien am 15. März im Hamburger Abendblatt

Von Uta Buhr

Sicherlich kennen Sie das auch. An einem bestimmten Tag will einem  nichts gelingen. Da geht wirklich alles schief. Mein schlechter Tag begann gestern bereits am frühen Morgen.  Meine erste Tasse Kaffee glitt mir aus der Hand und ergoss ihren Inhalt über unser neues cremefarbenes Sofa. Später in einem Geschäft unterhielt sich der Verkäufer in epischer Breite und ohne Notiz von mir zu nehmen mit einer jungen Frau über seinen Urlaub in den USA, der „echt super“ war.

Als ich höflich darum bat, bedient zu werden, sagte das Mädchen indigniert: „Also, Kunden hast du, ehrlich!“ An der Theaterkasse trat mir ein Doppel-Twen kräftig auf die Füße. Doch anstatt sich zu entschuldigen, murmelte er nur: „Warum stehen Sie auch so dicht hinter mir.“ Aber damit nicht genug. Denn abends in der Oper drängte sich eine dicke Frau, deren Armreife klirrten wie ein Schellenbaum, während der Ouvertüre durch die Reihe, nahm neben mir Platz und fing an, mit Bonbonpapier zu knistern und hörbar zu schmatzen.

Als mich schließlich ein entweder ortsunkundiger oder besonders geschäftstüchtiger Taxichauffeur über kostspielige Umwege durch die halbe Stadt schaukelte, war ich mit meiner Geduld am Ende. „Ich hatte Sie nicht um eine Stadtrundfahrt gebeten“, rief ich wütend. „Aber ich fahre doch den direkten Weg“, erwiderte der Mann beleidigt. „Tja, so sind die Leute nun mal. Wenn die ihren schlechten Tag haben, müssen wir das ausbaden.“ Sollte ich an diesem schlechten Tag nun auch noch ein schlechtes Gewissen haben?

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