Blumen für den Morgenmuffel

 Diese Glosse erschien am 30. März 2012 im Hamburger Abendblatt

Von Uta Buhr

Viele Menschen sind unverbesserliche Morgenmuffel. Für sie ist selbst die Welt morgens um neun noch lange nicht in Ordnung. Auch bei schönstem Sonnenschein machen sie ein Gesicht, als wäre ihnen gerade die Petersilie verhagelt.

Mein Nachbar Heinz ist das genaue Gegenteil – ein echter Strahlemann in allen Lebenslagen.  Plagt ihn sein Rheuma auch noch so sehr, immer hat er ein freundliches Wort auf den Lippen. Seine gute Laune verpflichtet. Treffe ich ihn morgens auf der Treppe, zaubere ich sofort ein strahlendes Lächeln auf mein Gesicht, ganz gleich, wie unausgeschlafen oder grantig ich bin. Bei Heinz verbietet sich jede Muffigkeit ganz von selbst. Ich wage es einfach nicht, ihm mit saurer Miene entgegen zu treten. „Na, bei dem Wetter wird’s schon gelingen“, ruft er mir stets nach, ganz egal,  ob es regnet, schneit oder die Sonne vom Himmel lacht oder irgendetwas dazwischen.

Gestern überreichte mir Heinz feierlich einen Strauß leuchtend roter Tulpen. „Die hab’ ich eben geschenkt gekriegt. Aber es ist mir ein Bedürfnis, sie dir zu geben. Immer wenn ich dich treffe,  strahlst du  wie ein Putzeimer. Da vergeht einem auf Anhieb die miese Laune.“ Herzlichen Dank für die Blumen, Heinz!

 

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