„Musikzentrum Augarten“: Neues Musikzentrum der Wiener Sängerknaben

Die Wiener Sängerknaben in Aktion.

Die Wiener Sängerknaben singen ab Jänner 2013 in einem neuen Konzertsaal in Wien. Noch ist das Musikzentrum Augarten im 2. Wiener Gemeindebezirk eine Großbaustelle, doch in einem Jahr hält die Musik Einzug in den ältesten Barockpark Wiens. Nicht nur, dass der wohl berühmteste Chor der Welt einen topmodernen Konzertsaal mit wunderbarer Akustik bekommt – das Musikzentrum Augarten wird ein Musik- und Theaterzentrum für Kinder und Jugendliche sowie ein österreichweites Kompetenzzentrum für Gesang, Musikpädagogik und Nachwuchsförderung. In ihrem neuen Domizil verfolgt die Institution der Wiener Sängerknaben ein primäres Ziel:  Die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus den sozialen Brennpunkten Wiens. Ihnen eine Teilnahme an der Musik zu ermöglichen, dadurch neue Perspektiven und Dimensionen zu eröffnen, ist der stete und nachhaltige Beitrag der Wiener Sängerknaben zur Integration. Im Musikzentrum Augarten wird die Kinderoper zu Hause sein, werden die Sängerknaben mit anderen Künstlern arbeiten und auftreten, Workshops veranstalten und vielen Kindern einen Zugang zum Singen und aktiven Musizieren eröffnen. Für die Aufführungen von Konzerten und Kinderopern sowie für den Probe- und Schulbetrieb wird das Musik- und Theaterzentrum an etwa 90 Tagen im Jahr von den Sängerknaben selbst genutzt. An aufführungsfreien Tagen wird das Musikzentrum Augarten allen künstlerischen Aktivitäten offen stehen. Das Haus in privater Trägerschaft versteht sich als Plattform für ein breites Spektrum von Partnern und Nutzungsformen. Im Musikzentrum Augarten wird das Wiener Kindertheater seine neue Probe- und Spielstätte haben, werden diverse Vokal- und Instrumental-Ensembles proben und spielen, Künstler wie Publikum, Kulturschaffende und Interessierte gemeinsam wirken, um dem einzigartigen Haus eine Strahlkraft zu verleihen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirkt. Der Leitsatz der Wiener Sängerknaben „Tradition bewahren und Zukunft gestalten“ wird sich in der einzigartigen Architektur des neuen Musikzentrums im Augarten widerspiegeln.

 

Wiener Sängerknaben: Tradition und Geschichte seit über 500 Jahren

Kreative Pause.

Vor mehr als einem halben Jahrtausend, im Jahr 1498, verlegte Kaiser Maximilian I. seinen Hof und seine Hofmusik von Innsbruck nach Wien. Er ordnete ausdrücklich an, dass sich unter seinen Musikern auch sechs Knaben befinden sollten. Damit legte er den Grundstein für die Wiener Hofmusikkapelle, für die Hofsängerknaben und in Folge für die Wiener Sängerknaben. Bis 1918 musizierte die Hofmusikkapelle ausschließlich für den Hof, bei Messen, privaten Festen und zu Staatsanlässen. Heute sind die Wiener Sängerknaben einer der berühmtesten Chöre der Welt. Aktuell singen rund 100 aktive Wiener Sängerknaben ca. 300 Konzerte jährlich vor fast einer halben Million Zuschauer. Organisiert in vier Chören bestreiten die Knaben die Welttourneen, die Konzerte und Auftritte in den Bundesländern und stehen für Film- und Tonaufnahmen sowie für Sonderprojekte zur Verfügung. Gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern und dem Herrenchor der Wiener Staatsoper setzen die Sängerknaben die kaiserliche Tradition fort: Von September bis Juni musizieren sie bei den sonntäglichen Messen in der Wiener Hofburgkapelle. Rund 11 Wochen eines Schuljahres verbringt jeder Chor auf Tour. Die Konzertreisen bringen die Sängerknaben in die USA, nach China, Japan, Südkorea und in den arabischen Raum sowie in verschiedene europäische Länder. Alle zwei bis drei Jahre finden Tourneen nach Lateinamerika, Australien und Neuseeland statt. Dazu kommen Auftritte in der Wiener Staatsoper, der Volksoper in Wien und im Rahmen der Salzburger Festspiele. Das Repertoire der hochbegabten Sänger reicht von mittelalterlicher bis zu experimenteller Musik, von Motetten über Lieder, Messen, Oratorien, symphonische Werke, Wiener Lieder, Pop, Filmmusik, Weltmusik bis hin zu Kinderopern. Ziel des Vereins der Wiener Sängerknaben ist es, musikalisch begabten Kindern die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen. Die musikalische Ausbildung, die schulische Ausbildung und das gemeinsame Leben im Internat sollen den Kindern egal welcher Nationalität oder Religion ermöglichen, im Geist von Humanismus, Großzügigkeit und Toleranz zu kritischen, selbständigen und offenen Menschen heranzuwachsen. Am schönsten finden die Knaben, dass ihr Gesang unabhängig von Grenzen, Religionen und Sprachen verstanden und geliebt wird.

 

300 mal Lampenfieber pro Jahr: Pausenloses Engagement für die Musik rund um die Welt

 

Übung macht den Meister.

Die Wiener Sängerknaben, einer der berühmtesten Chöre der Welt, sind pausenlos im Einsatz. Sie sind einer der ältesten Knabenchöre und gleichzeitig einer der mobilsten. Bereits für die Kapelle von Kaiser Maximilian I. gehörte das Kofferpacken zum täglich Leben. Heute bereisen die Knaben die ganze Welt und schlagen durch ihre Musik Brücken zwischen den Kulturen. Das Tourneejahr 2012 begann für die Chöre in Doha und in den USA. Im April steht Spanien auf dem Reiseplan, anschließend folgen Japan, im Herbst Australien, Neuseeland und Asien. Weiters werden die Stimmen der hochbegabten jungen Sänger heuer noch in Deutschland und England erklingen. Doch damit nicht genug. Jährlich produzieren die Wiener Sängerknaben ein bis zwei CDs.  Mit der Aufnahme der Matthäuspassion unter Nikolaus Harnoncourt und der Aufnahme von Mahlers Dritter Symphonie unter Pierre Boulez wurden die Knaben in den letzten Jahren sogar mit einem Grammy ausgezeichnet. Mit Curt Faudons „Silk Road“ entstand eine einzigartige Dokumentation über die Wiener Sängerknaben, die 2009 bei den World Television Awards in Kanada Zweiter in der Kategorie „Dokumentation“ wurde. Neben ca. 80 Auftritten im Jahr pro Sänger müssen die Burschen selbstverständlich auch die Schulbank drücken. Die Wiener Sängerknaben gehen in ein eigenes Gymnasium. Auf dem Lehrplan steht eine fundierte musikalische Ausbildung, die die beste Vorbereitung auf ein Musikstudium darstellt. Damit die Knaben Proben, Konzerte, Schule und Freizeit unter einen Hut bringen, bedarf es eines ausgeklügelten Stundenplans, den die eigene Schule ermöglicht. Es wären wohl keine Burschen, würden nicht auch die Sängerknaben auf den Sportplätzen im Augarten liebend gern Fußball spielen, mit dem Skateboard ihre Kunststücke wagen, schwimmen oder ins Kino gehen. Das Internat im Augartenpalais und das Ferienlager in Kärnten bieten alles, was junge Abenteurerherzen wünschen.

 

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