Dr. Oetker – Sein Backpulver verschaffte ihm den Durchbruch

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 150 Jahren wurde August Oetker geboren.  Den Tod seines einzigen Sohnes konnte der Unternehmensgründer nicht verwinden

Wie kann die Welt wissen, dass Du etwas Gutes tust, wenn Du es ihr nicht anzeigst?“ Diese Suggestivfrage stammt von August Oetker, dem Gründer des Lebensmittelkonzerns „Oetker-Gruppe“ mit der berühmten Marke „Dr. Oetker“. Heute besteht ein weitgehender Konsens, dass es insbesondere Werbung und Marketing waren, die den Erfolg des Firmengründers erklären. Ein weiterer Faktor war seine fachlich-naturwissenschaftliche Qualifikation. Er war der Sohn eines Bäckermeisters und durch seine Mutter, eine Rechtsanwalts­tochter, Enkel eines Akademikers. Nach dem Besuch der Bürgerschule und dem Abitur machte der am 6. Januar 1862 in Obernkirchen geborene Niedersachse erst eine Apothekerlehre und studierte dann Pharmazie. Er schloss das Studium in Berlin mit der Note „sehr gut“ ab und promovierte anschließend in Freiburg über die Frage „Zeigt der Pollen in den Unterabtheilungen der Pflanzen-Familie charakteristische Unterschiede?“

Schon früh trieb es Oetker in die Selbständigkeit. Mit der Beteiligung an einem Betrieb für Apotheken-Gerätschaften hatte er wenig Erfolg. Doch dann ermöglichte ihm die Mutter seiner 1889 geheirateten Ehefrau Caroline, sich etwas Eigenes aufzubauen, sein eigener Herr zu werden. Mit ihrer finanziellen Hilfe erwarb er 1891 in Bielefeld eine eigene Apotheke, ein Ereignis, an dem heute die Gründung von „Dr. Oetker“ festgemacht wird.

Oetker baute das Laboratorium seiner Apotheke aus und begann mit seinen naturwissenschaftlichen Fähigkeiten, an neuen Produkten zu experimentieren, die er dann – nicht ohne Erfolg – feilbot. Ein Gesundheitskakao gehörte ebenso zu den von ihm entwickelten und vertriebenen Produkten wie eine Fußcreme.

Der Durchbruch gelang ihm, als er sich einem Problem zuwandte, das er aus der väterlichen Back­stube kannte. In Oetkers Heimat wurden bis dahin Sauerteig oder Hefe verwandt, um den Brotteig aufzulockern – was allerdings mit Umständen verbunden war. In den Vereinigten Staaten war man auf diesem Gebiete bereits weiter. Dort wurde mit Backpulver gearbeitet. Der innovationsfreudige Oetker erfuhr davon. Inwieweit der Deutsche das Backpulver wirklich verbessert hat, ist umstritten. Unumstritten hingegen ist, dass er 1893 mit dem Vertrieb eines von ihm produzierten Back­pulvers namens „Backin“ begonnen hat und dass die Art der Vermarktung wesentlich zu dem Erfolg des Produktes beigetragen hat. Er verkaufte das Backpulver in kleinen Tütchen zu zehn Pfennig. Das war ein für breite Schichten erschwinglicher Preis, und viel falsch machen konnte man auch nicht, da die dafür erstandene Menge genau die richtige für ein Pfund Mehl war. Weitere Produkte folgten wie Vanillinzucker, Puddingpulver unterschiedlichster Geschmacksrichtungen und eine Speisestärke namens „Gustin“

Erfolgreich warb Oetker bei den Hausfrauen mit seinem Doktortitel um Vertrauen. Nicht umsonst heißt die Marke nicht „Oetker“, sondern „Dr. Oetker“. Dabei handelte es sich um eine der ersten gepflegten Herstellermarken überhaupt. 1903 wirkte er an der Gründung des „Verbandes der Fabrikanten von Markenartikeln“ mit. „Ein heller Kopf verwendet nur Dr. Oetkers Fabrikate“, lautete sein erster Werbespruch. Der daraus entwickelte sogenannte Hellkopf wurde 1899 als Wahrenzeichen eingetragen und ist noch heute Kernstück des Logos. Schon bald betrug der Anteil des Werbeetats am Umsatz mehr als ein Zwanzigstel.

Der Erste Weltkrieg brachte dem geschäftstüchtigen Unternehmer zusätzliche Profite. Das Militär trat als Großabnehmer auf, die Verwendung von Hefe für Backwaren wurde 1915 staatlicherseits verboten und der Import angelsächsischer Konkurrenzprodukte ging zurück. Wozu Oetker das Seinige beitrug mit Parolen wie: „Deutsche Hausfrauen! Kauft von jetzt an nur noch das deutsche Gustin statt des englischen Mondamin.“ Von 1914 bis 1918 verdoppelte sich Oetkers Umsatz.

Doch dieser betriebswirtschaftliche Nutzen des Völkerringens stand in keinem Verhältnis zum Verlust des einzigen Sohnes. Rudolf, so sein Name, war der Hoffnungsträger und wurde systematisch zum Nachfolger seines Vaters aufgebaut. Der 1889 geborene Filius besuchte das Realgymnasium, studierte und promovierte 1914 über „neue Ester einiger Monosaccharide mit Essigsäure, Benzoesäure, Zimtsäure und Kaffeesäure“, also ein durchaus einschlägiges Thema. Danach trat er in das väterliche Unternehmen ein, wo er sich bei Arbeitern wie Angestellten allgemeine Anerkennung erwarb. Doch dann kam der 8. März 1916. Wie so viele andere Deutsche fiel er in der Schlacht um Verdun. Der gebrochene Vater überlebte seinen Sohn um nicht einmal zwei Jahre. Noch vor dem Kriegs­ende starb August Oetker am 10. Januar 1918 in Bielefeld.  Mit den beiden Kindern seines Sohnes, einem Mädchen und einem Jungen, hatte er zwei Erben, die noch lange nicht so weit waren, das Unternehmen zu übernehmen. Die Folgen der Niederlage brachten weitere Belastungen für das Unternehmen. Überlebt hat „Dr. Oetker“ trotzdem, wie hierzulande wohl nicht nur jede Hausfrau weiß.

Schreibe einen Kommentar