Funny about love – Das neue Stück im English Theatre Of Hamburg

 Von Uta Buhr

 „FUNNY ABOUT LOVE“ – DIE LIEBE IST EIN SELTSAMES SPIEL…

Funny about love

 

Ist dies nicht ein Novum in der Welt der Komödie? In dem turbulenten Stück geht es nicht um die berühmt-berüchtigte „ménage à trois“, sondern um die Quadratur einer Beziehung. Einer Beziehung aus vier Personen, die in Bildung und Charakter nicht unterschiedlicher sein könnten. Da ist zunächst die von ihrem in der Midlife Crisis befindlichen Gatten Piers gehörnte Ehefrau Rosie, eine Dame von Welt und bester Erziehung, geistreich und ironisch, die selbst die delikatesten Situationen mit der legendären  „stiff upper lip“ meistert. Eine Meisterleistung von Debbie Radcliffe, der gestandenen britischen Aktrice, die dem Publikum des English Theatre bereits aus verschiedenen anderen Rollen bekannt ist. Neben Debbie agiert ein nicht minder begabter Schauspieler. Der elegante, wandlungsfähige Mime James Walmsley ist ein ebenfalls bekannter, stets gern gesehener Gast auf der Bühne an der Mundsburg. Die Rolle des Piers Boston, der den zweiten Frühling seines Lebens  mit seiner flatterhaften Sekretärin Larissa genießen möchte, ist ihm auf den Leib geschrieben. Tja, diese Larissa ist ein gerissenes hübsches Dummchen, das sich mit schriller Stimme und echt „blonden“ Kommentaren durch das Stück schwadroniert. Darstellerin Emily Eaves wirkt mit ihrem Lockenkopf wie ein Rauschgoldengel und ist einfach entzückend! Bleibt noch Darren Tucker, ihr naiver, betrogener Ehemann, der sich für die ihm zugefügte Schmach rächen will. In der Rolle brilliert Chris Casey, der mit schnodderigem Cockneyakzent und liebenswerter Unverfrorenheit die Lacher stets auf seiner Seite hat. Auch er ein Schauspieler, der mühelos in jede Rolle schlüpft – ob Boulevard oder Shakespeare.

Soviel zum Bühnenpersonal dieses hinreißenden, vom britischen Autor  Terence Frisby ersonnenen Lustspiels, das als Ensemble unschlagbar ist. Die Spielfreude des Quartetts reißt jeden Zuschauer zu Beifallsstürmen hin.

Aber nun Vorhang auf für eine bezaubernde Komödie!

Funny about love

Das Liebesquartett spielt sich im gediegenen Ambiente einer  Londoner Wohnung hoch über der Themse ab. Rosie Boston wird durch anhaltendes Klingeln an der Haustür aufgeschreckt. Ein junger Mann, der sich durch den Türspalt als Bote vorstellt, begehrt Einlass. Zögerlich bittet die wohlerzogene  Rosie den Fremden namens Darren herein, der sie mit seinem prolligen Cockney-Akzent verwirrt. Während beide Champagner trinken, eröffnet Darren  der erstaunten Rosie, dass Piers’ Geliebte Larissa seine ihm angetraute Ehefrau ist und er sich für beider Untreue rächen will. Die Lady und der Tramp begießen dieses Komplott bei einem weiteren Schluck aus Rosies feinen Kristallgläsern. Darren zieht in die Wohnung der Bostons ein. Dies verärgert  Ehemann Piers, der eigentlich die Absicht hatte, Rosie aus dem Apartment zu treiben, um hier mit seiner inzwischen schwangeren Larissa einzuziehen. Auf die „Leistung“, in seinem Alter  noch Nachwuchs gezeugt zu haben, zeigt sich der Mittfünziger, dessen Ehe mit Rosie in einer über zwanzigjährigen Verbindung kinderlos geblieben ist, besonders stolz. Was nun folgt, wird  manchen Zuschauer  unwillkürlich an Wilhelm Busch’s lakonisches Diktum „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ erinnern. Denn zu allem Überfluss  tritt auch noch die schrill-gesprächige Larissa auf den Plan. Der geordnete Haushalt der Bostons läuft völlig aus dem Ruder, zumal die beiden Rivalen – Platzhirsch Piers und Eindringling Darren – sich so in die Haare geraten, dass die beiden echten Gemälde von William Turner – der ganze Stolz des Hausherrn –  sprichwörtlich in die „Binsen“ gehen. Oh Schreck, ein jedes war über eine Million Pfund wert. Geld, das der inzwischen bankrotte Piers für seine junge Ehe mit Larissa dringend benötigt  hätte. Die Dialoge werden zunehmend ernster und  beschäftigen sich plötzlich mit sehr aktuellen Themen wie Überbevölkerung der Welt, Überforderung des britischen Renten- und Wohlfahrtssystems sowie globaler Ungerechtigkeit. Speziell Rosie, die rigorose Umweltschützerin und ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Amnesty International, verliert sich in Gedanken über die Zukunft der Menschheit. Zur gleichen Zeit versinkt Piers in grenzenlosem Selbstmitleid, das er mit Whisky zu  ertränken sucht. Merke: Auch eine Komödie kann sich als Korrektiv an den herrschenden Verhältnissen einbringen.

Funny about love

Szenenwechsel. Ein paar Monate später sehen wir das Quartett wieder im Londoner Flat – offenbar fröhlich vereint. Die mittlerweise hochschwangere Larissa nervt sämtliche Akteure mit ihren kindischen Monologen über den Embryo in ihrem Bauch, während Piers gar nicht mehr so begeistert von seiner Vaterschaft zu sein scheint. Mit gemischten Gefühlen sieht  die nicht mehr ganz jugendliche Rosie jetzt Mutterfreuden entgegen, die sie dem virilen Darren verdankt. Wie übrigens auch Larissa, die – wie sich  herausstellt – dem guten alten Piers aus finanziellen Gründen ein Kuckucksei unterschieben wollte. Die Verwirrung ist perfekt. Wie die vier Protagonisten aus dem selbst verschuldeten Schlamassel herauskommen, wird hier nicht verraten. Nur soviel: Ein glückliches, wenn auch unvorhersehbares Ende ist garantiert. Dafür sorgt schon der ebenso erfahrene wie „ausgebuffte“ Stückeschreiber Terence Frisby.

Funny about love

Last but not least ein paar Wort zum Autor des Stückes: Terence Frisby erfreut bereits seit fünfzig Jahren ein begeistertes Publikum mit seiner Kunst – als Stückeschreiber, Schauspieler und Produzent in Personalunion. Seine erfolgreichste Komödie war „There’s a Girl in my Soup“, ein Kassenschlager, der sechseinhalb Jahre am Stück in London lief! Der Mann kennt sich aus in Eheproblemen. Nach seiner ebenso schrecklichen wie spektakulären Scheidung prozessierte er geschlagene fünfzehn Jahre vor dem Obersten britischen Gerichtshof. In seinem autobiographischen Buch „Outrageous Fortune“ setzt er sich mit diesen bitteren Erfahrungen auseinander. Gottlob haben sie seinem wunderbaren Sinn für Humor keinen Abbruch getan.

Empfehlung:  „Funny about Love“ ist ein jedes Herz erwärmender  Knaller für Weihnachten, Silvester und all die trüben Wintertage im Januar und Februar nächsten Jahres. Buchen Sie am besten gleich. Die Karten werden knapp.

„Funny about Love“ läuft bis einschließlich 11. Februar 2012

Karten unter 040 – 227 70 89 – Online-Buchungen: www.englishtheatre.de

Nächste Premiere : The Comedy of Errors“ by William Shakespeare am 23. Februar 2012

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