Elisabeth Schwarzhaupt: Sie wollte „Ministerin“ sein

Von Dr. Manuel Ruoff

Konrad Adenauers und Ludwig Erhards Frau für die Gesundheit

Elisabeth Schwarzhaupt

Sicher war es ein Erfolg, was die Frauen angeht, dass wir zunächst durch meine Ministerschaft gewissermaßen den Fuß in eine bisher verschlossene Tür gesetzt haben … das Ergebnis war …, dass bisher kein Kabinett mehr ohne Frau gebildet worden ist.“ Elisabeth Schwarzhaupt, von der diese Worte stammen, war nicht nur der erste Bundesgesundheitsminister, sondern auch die erste Bundesministerin der Bundesrepublik Deutschland. Überhaupt war diese emanzipierte Frau ihrer Zeit voraus. Während Birgit Breuel noch Jahrzehnte später als „Frau Minister“ angeredet werden wollte, bat sie schon damals um die Anrede „Frau Ministerin“.

In einer Zeit, als andere Eltern bei ihren Töchtern noch bei der Ausbildung sparten, da sie ja doch bald heiraten würden, konnte die noch zu Kaisers Zeiten am 7. Januar 1901 in Frankfurt am Main geborene Tochter eines Oberschulrats Abitur machen und Jura studieren. Gerne wäre die junge Juristin nun Vormundschafts- oder Jugendrichterin geworden, doch fehlte ihr damals noch der Mut sich zu bewerben. So griff die Frauenrechtlerin gerne zu, als sich ihr die Chance bot, an der „Rechtsschutzstelle für Frauen“ ihrer Geburtsstadt anzufangen. Nach der „Macht­ergreifung“ der Nationalsozialisten schied die Verlobte eines jüdischen Arztes, die sich in einem Artikel kritisch mit der NS-Frauenpolitik auseinandergesetzt hatte, aus dem Staatsdienst aus und kam in der Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche unter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lernte sie in der Verfassungskommission der Evangelischen Kirche in Deutschland den Christdemokraten Hermann Ehlers kennen. Der Bundestagspräsident von 1950 bis 1954 gewann sie für die Bundespolitik. 1953 zog sie für die CDU in den Bundestag ein. Dort profilierte sie sich unter anderem durch ihr Eintreten für die Zugewinngemeinschaft, die Ehefrauen bei der Scheidung besser stellt.

1961 setzten die Frauen der Unionsfraktion mit einer Sitzblockade die Aufnahme einer Frau in die Bundesregierung durch. Die Wahl fiel auf Schwarzhaupt. Allerdings musste kein Mann weichen. Da sie und die anderen Unions-Frauen sich mit einem „Sonderministerium für Frauenfragen“ nicht abspeisen lassen wollten, wurde für die Dame in der erlauchten Herrenrunde mit dem Gesundheitsministerium ein neues Ressort geschaffen. In ihre Amtszeit fallen das Krisenmanagement während des Contergan-Skandals, die Einführung der Bundesgebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte, der Beginn der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung und die Gründung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Schwarzhaupt überlebte als Ministerin den Kanzlerwechsel von Adenauer zu Erhard, aber nicht mehr den Wechsel zur Großen Koalition. 1969 schied sie auch aus dem Bundestag aus. Die erste Trägerin des Großkreuzes des Bundesverdienstordens starb am 30. Oktober 1986 in ihrer Geburtsstadt.

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