Erde zu Erde – ein Krimi

Von Uta Buhr

Zur Entspannung schreibt mancher Journalist gern mal einen Krimi. Wenn er dann auch noch gedruckt wird, umso besser. So geschehen in der Fernsehzeitschrift FUNKUHR, Ausgabe 43/2011

Uff, endlich geschafft! Ingo Meister  schlug den Deckel des Eichensarges zu. Es war schon ein Stück Arbeit gewesen, Ilonas leblosen Körper die steile Kellertreppe hinauf zu schleppen, zumal ihre linke Hand sich immer wieder im Geländer verfing. Und richtige Maßarbeit, Ilona  unter den massigen Leichnam des verblichenen Rudolf Schickle zu schieben. Ingo wischte die Schweißperlen von seiner Stirn und gönnte sich einen großen Schluck eiskaltes Bier. Danke, Ilona, sagte er laut und lachte höhnisch, dass du noch heute Morgen ein paar Fläschchen in den Kühlschrank gestellt hast, und hob sein Glas. Aber das Prosit erstarb ihm auf den Lippen, als er sich an das Geräusch von Ilonas splitternden Knochen auf dem Steinboden erinnerte. Grauenvoll. Doch er fing sich schnell wieder und dachte an Ilonas Vermögen, das ihm zufallen würde. „Du wirst reich durch die Leich’“, summte er, als er sich später wohlig in der Badewanne räkelte. „Erde zu Erde – ein Krimi“ weiterlesen

Preußens Souveränität: Schwedens Beispiel folgten Polen und die Welt

Von Dr. Manuel Ruoff

Nach Karl X. Gustav anerkannten auch Johann II. Kasimir und die internationale Staatengemeinschaft Preußens Souveränität

Das sogenannte brandenburgische Wechselfieber führte dazu, dass nach dem schwedischen König in Labiau auch der polnische König in Wehlau und die internationale Staatengemeinschaft im Frieden von Oliva die Souveränität des preußischen Herzogs anerkannten.

Im Juni reihte sich eine neue Macht in die Reihe von Karl Gustavs Kriegsgegnern ein, Schwedens langjähriger skandinavischer Rivale Dänemark. Bis zum Labiauer Vertrag waren Karl Gustavs Probleme für Friedrich Wilhelm günstig gewesen, machten sie ihn doch konzessionsbereiter. Doch nun drohte ein Zuviel des Guten. Denn Karl Gustavs Zugeständnisse nutzten Friedrich Wilhelm wenig, wenn Brandenburg-Preußen an der Seite Schwedens den Krieg verlor. Erschwerend kam hinzu, dass Karl Gustav sich nun auf Dänemark stürzte und Brandenburg-Preußen auf dem ostmitteleuropäischen Kriegsschauplatz mit seinen Gegnern mehr oder weniger alleine ließ. Der Große Kurfürst reagierte und leitete den Seitenwechsel ein. Er trennte sich von seinem schwedenfreundlichen Berater Georg Friedrich von Waldeck. Am 28. August 1657 nahm der Graf seinen Abschied. „Preußens Souveränität: Schwedens Beispiel folgten Polen und die Welt“ weiterlesen

40 Jahre Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg

 Von Johanna R. Wöhlke

Professor Michael Brzoska, Egon Bahr, Dorothee Stapelfeldt
Michael Brzoska, Egon Bahr, Dorothee Stapelfeldt

Frieden war das Thema, denn der Jubilar hieß Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ( IFSH) an der Universität Hamburg – bestehend seit 40 Jahren.

„Wenn wir den ewigen Frieden miteinander definieren wollten, ginge das schnell an einem Nachmittag zu bewältigen. Allerdings, je näher wir der Wirklichkeit kommen, umso schwieriger wird es!“ Als Egon Bahr – Architekt der historischen Ostverträge –  diese Worte auf dem Podium sprach, hatten Ehrengäste und Publikum der Jubiläumsfeier in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg schon einiges an Reden gehört und verarbeitet. „40 Jahre Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg“ weiterlesen

Der erste Frost!

Von Johanna R. Wöhlke

An einem so strahlenden und kalten Herbsttag in Hamburg, an dem der Frost mit seiner ganzen Schönheit am Morgen sein Regiment angetreten hat, an einem solchen Tag also dürfen es auch einmal ein Gedicht und Bilder sein, die die kalte Jahreszeit „einläuten“. Hier sind sie!

 

Der erste Frost
Der erste Frost 2011

 

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Unvollendetes Heiligtum: Mount Rushmore Memorial wird 70 Jahre alt

Von Dr. Manuel Ruoff

Das Mount Rushmore National Memorial wird 70 Jahre alt

Es entspricht so trefflich dem Zerrbild vom materialistischen US-Amerikaner, für den alles Geschäft ist: Während in anderen Ländern Symbole und Wahrzeichen der Nation mit dem Aufkommen des Massentourismus zu Touristenattraktionen geworden sind, haben die US-Amerikaner eine Touristenattraktion zum Nationalheiligtum erkoren. Die Rede ist vom Mount Rushmore National Memorial.

Landestypisch für diesen Staat, in dem alles eine Nummer größer ist, sind auch die Ausmaße. Deutlich wird das im Showdown, dem dramatischen Finale des Hitchcock-Klassikers „Der unsichtbare Dritte“, in dem Cary Grant und Eva Marie Saint in dem Monument auf der Flucht vor den Verbrechern um ihr Leben kraxeln. Immerhin 18 Meter sind die Köpfe der vier US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln hoch. „Unvollendetes Heiligtum: Mount Rushmore Memorial wird 70 Jahre alt“ weiterlesen

Stadt mit Köpfchen

Von Dr. Manuel Ruoff

Seit 40 Jahren steht »Nischel« in Chemnitz

Im Rahmen der ZDF-Serie „Unsere Besten“ ist Karl Marx von den Zuschauern nach Konrad Adenauer und Martin Luther zum drittgrößten Deutschen gewählt worden. Die Mehrheit der Deutschen macht Marx also offenkundig nicht für Bolschewismus, Stalinismus und die russische Unterdrückung der östlichen Hälfte des europäischen Kontinents zu Zeiten Josef Stalins und seiner Nachfolger verantwortlich.

Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis der Chemnitzer Volksabstimmung über den Namen der Stadt vom 23. April 1990 denn wohl auch weniger als Entscheidung gegen Marx denn für den angestammten Namen zu interpretieren. Von daher ist es nicht unbedingt ein Widerspruch, dass das berühmte Karl-Marx-Monument in Chemitz im Gegensatz zu dem Namen „Karl-Marx-Stadt“ nach der friedlichen Revolution nicht eliminiert wurde. „Stadt mit Köpfchen“ weiterlesen

Im Haus der Weisheit

Die Relevanz früher arabischer Wissenschaftler im Licht der europäischen Krise
Von Josef Wilhelm Knoke
Ein faszinierendes und überaus lesenswertes Buch bringt mich dazu, diesen Artikel zu schreiben. Es heißt „Im Haus der Weisheit“ und ist geschrieben von dem britisch-irakischen Wissenschaftshistoriker und Professor für theoretische Atomphysik Jim Al – Khalili (Originaltitel: Pathfinders. The Golden Age of Arabic Science. Penguin 2010). In dem Buch beschreibt er sehr anschaulich die Entwicklung der „arabischen Wissenschaft“ in der Zeit, die wir als Blütezeit des Islam betrachten, dem 9. bis 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Nach Beendigung der Lektüre wurde mir bewusst, wie sehr unsere modernen Geistes- und Naturwissenschaften ihre Wurzeln dort haben, und nicht nur in der, viel häufiger zitierten, griechisch-römischen Antike. Von den vielen Beispielen an Gelehrten, die in dem Buch mit ihrem Leben und Werken vorgestellt werden, ist mir ein Name besonders im Gedächtnis geblieben:

Ibn Khaldun (1332 bis 1406)

Bei seinem Tode befand sich die Wissenschaftstradition des Islam bereits im Niedergang. Die auf Vernunft basierende Deutung der Welt und der Politik der großen Philosophen des islamischen Rationalismus, wie sie noch im 9. – 11. Jahrhundert üblich war, wurde verdrängt durch die Weltsicht orthodoxer, rein schriftgläubiger Ulema Gelehrter, die alles mit dem von Gott persönlich diktierten Koran-Text erklären wollten.

„Im Haus der Weisheit“ weiterlesen

Elisabeth Schwarzhaupt: Sie wollte „Ministerin“ sein

Von Dr. Manuel Ruoff

Konrad Adenauers und Ludwig Erhards Frau für die Gesundheit

Elisabeth Schwarzhaupt

Sicher war es ein Erfolg, was die Frauen angeht, dass wir zunächst durch meine Ministerschaft gewissermaßen den Fuß in eine bisher verschlossene Tür gesetzt haben … das Ergebnis war …, dass bisher kein Kabinett mehr ohne Frau gebildet worden ist.“ Elisabeth Schwarzhaupt, von der diese Worte stammen, war nicht nur der erste Bundesgesundheitsminister, sondern auch die erste Bundesministerin der Bundesrepublik Deutschland. Überhaupt war diese emanzipierte Frau ihrer Zeit voraus. Während Birgit Breuel noch Jahrzehnte später als „Frau Minister“ angeredet werden wollte, bat sie schon damals um die Anrede „Frau Ministerin“. „Elisabeth Schwarzhaupt: Sie wollte „Ministerin“ sein“ weiterlesen

Maximilian Wolfgang Duncker: Historiker und Politiker

Von Dr. Manuel Ruoff

Maximilian Wolfgang Duncker galt als Historiograph des Hauses Brandenburg. Der Sohn des Verlagsbuchhändlers und Gründers von Duncker & Humblot war jedoch nicht nur Geschichtsgelehrter. Vielmehr verleiteten die Zeitumstände den am 15. Oktober 1811 in Berlin geborenen Liberalen zu Ausflügen in die Politik. Als junger Student betätigte er sich in einer Burschenschaft. In der 48er Revolution wurde er als Abgeordneter in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. „Maximilian Wolfgang Duncker: Historiker und Politiker“ weiterlesen