The English Theatre of Hamburg: „The Fox“

 Von Uta Buhr

THE  ENGLISH THEATRE OF HAMBURG FEIERT SEIN 35-JÄHRIGES BESTEHEN

DER FUCHS WAR IMMER SCHON DER VERFÜHRER –   „THE FOX“,  DAS NEUE STÜCK NACH EINER NOVELLE VON D.H. LAWRENCE

 

Der schöne Schein des hell erleuchteten Cottage mit dem knisternden Kamin täuscht. Denn Jill und Nellie, zwei Freundinnen, die sich auf ihrer Farm in einer entlegenen Grafschaft Englands als Bäuerinnen versuchen, plagen

wirtschaftliche Sorgen. Weder wirft die  magere Ernte ihrer Felder nennenswerte Erträge ab, noch legen die Hühner auf dem Hof. So beginnt die raffinierte Geschichte „Der Fuchs“ von D.H. Lawrence, dem die Welt auch den skandalösen Roman um Lady Chatterley und ihren Liebhaber verdankt.

 

Die jungen ledigen Damen aus der Stadt, die den Dorfbewohnern von vornherein wegen ihrer unkonventionellen Lebensweise mehr als suspekt waren, hatten sich ihr selbst bestimmtes Leben nun doch nicht so schwer vorgestellt.

Wir schreiben das Jahr 1918, der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende, und die Zeiten sind alles andere als rosig. Draußen ist es bitterkalt, der Wind braust um die Farm und rüttelt in den Kronen der kahlen Bäume. Dieses unheimliche, von einer düsteren atonalen Musik untermalte Szenario verheißt nichts Gutes. Lautes Bellen der Hunde von den Nachbarfarmen lässt Jill und Nellie aufschrecken.  Der gefürchtete Fuchs ist wieder unterwegs, der bereits mehrere ihrer Hühner gerissen hat! Und waren da nicht auch Schritte vor der Tür?

 

Es pocht, und herein tritt ein junger attraktiver Mann in der Uniform eines britischen Soldaten, der sich  Henry Grenfel nennt. Wie sich herausstellt,  kennt er die Farm, die einst seinem Großvater gehörte und auf der er  aufwuchs. Eilfertig bietet Henry den beiden Damen seine Hilfe an, verspricht den Fuchs zu erlegen und sich in Haus und Hof nützlich zu machen. Doch während  Jill auf Anhieb begeistert ist, lehnt Nellie kühl  Henrys Angebot ab und bittet ihn zu gehen. Erliegt die spröde Schöne am Ende doch noch seinem animalischen Charme oder lässt sie ihn kalt abblitzen? Das Leben in dieser seltsamen Ménage à trois nimmt seinen Lauf, zeigt aber  schon bald Risse. Henry erschießt zwar  den Fuchs und bringt wie durch ein Wunder die Hühner dazu, täglich Eier zu legen. Doch der starke Mann – der Hahn im Korbe – offenbart sehr schnell sein wahres Naturell. Er beginnt die beiden Freundinnen gegeneinander auszuspielen, wobei ihn die zurückhaltende und kritische Nellie in ihren männlichen Arbeitshosen und groben Stiefeln mehr reizt als die feminine, etwas larmoyante Jill. Henry, der Jäger, setzt alles daran, die sich streubende Beute zu erlegen.

Als Jill die Absichten des Mannes, der als Helfer in der Not kam und sich jetzt als brutaler Machtmensch entpuppt, erkennt und ihn unmissverständlich auffordert, die Farm zu verlassen, ist es bereits zu spät. Es kommt zum Eklat… Den  Ausgang dieses Geschlechterkampfes erleben Sie während zweier mit Hochspannung geladener Stunden selbst, liebe Freunde des English Theatre. Nur noch soviel: Dieses tiefgründige Stück, das von dem amerikanischen Schauspieler und Regisseur Allan Miller, für die Bühne bearbeitet wurde, schlägt jeden Zuschauer  in seinen Bann. Bis zur letzten Minute.

 

Zur Inszenierung

Die stimmungsvollen Bühnenbilder des nicht gerade mit Reichtümern gesegneten englischen Theaters in Hamburg erstaunen das Publikum immer wieder. Auch „The Fox“ macht da keine Ausnahme. Die Kulisse der vom Sturm gepeitschten Natur vor den hohen Fenstern des Cottage ist äußerst authentisch. Die dramatische Musik aus dem Off sowie die raffinierten Lichteffekte runden die gelungene Inszenierung ab. Für Letzteres kommt zum wiederholten Mal Geoff Humphrys großes Lob zu.

 

Die Darsteller

Wunderbar auch die Darsteller dieses Drei-Personen-Kammerspiels. Suzy Bastone gibt die kühle und doch für den Charme des virilen Henry nicht unempfängliche Nellie mit großer Intensität, und Kate Middleton (nicht zu verwechseln mit der jetzigen Herzogin von Cambridge) überzeugt

als in ihrer Würde verletzte Frau, deren Streben nach Unabhängigkeit sich letztlich als Illusion erweist. Bemerkenswert auch die Darstellung von Adam Reeves als listiger Fuchs Henry, der sich ins Leben der beiden Frauen einschleicht, um ihre Freundschaft zu zerstören. Adam Reeves wechselt

mühelos vom unterwürfigen Schmeichler zum rücksichtslosen Eroberer.

 

Zum Autor

D. (David) H. (Herbert) Lawrence (1885 – 1930) wurde als Sohn eines Bergarbeiters und einer Lehrerin in Nottinghamshire geboren. Nach einer freudlosen und von Armut geprägten Jugend – sein Vater war ein notorischer Trinker – avancierte er zu einem der größten Schriftsteller englischer Sprache des 20. Jahrhunderts. Neben zahlreichen  Gedichten schrieb er eine Reihe von Aufsehen erregenden Erzählungen und Romanen. Am bekanntesten sind „Lady Chatterleys Liebhaber“, „Söhne und Liebhaber“ sowie „Der weiße Pfau“ und „Der Regenbogen.“  Grundthema seines literarischen Werkes ist der Kampf gegen erstarrte bürgerliche Konventionen und die Forderung nach der freien Entfaltung des Individuums. Dies gilt auch für die erotisch-sexuellen Entfaltungsmöglichkeiten eines jeden Menschen. Der Einfluss Sigmund Freuds auf sein Oeuvre ist unverkennbar.  Seine Novelle „Der Fuchs“ schrieb der Autor 1923, sieben Jahre vor seinem Tod.

„THE FOX“ läuft bis einschließlich 12. November 2011 – Karten unter 040 – 227 70 89 – Online-Buchungen: www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „FUNNY ABOUT LOVE“ von Terence Frisby am 24. November 2011

 

 

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