Cyrano de Bergerac

Von Hans-Peter Kurr

Horwitz kann den Abend, aber nicht das Stück retten!
Notizen zur Saison-Eröffnung des Deutschen Schauspielhauses zu Hamburg mit „Cyrano“

 

Seit der Gründung der Ruhrfestspiele zu Recklinghausen im Jahr 1948 durch den damaligen Schauspielhaus-Verwaltungschef, Otto Burrmeister,
bis heute gibt eine fast nahtlose Co-Operation zwischen der Kirchenallee zu Hamburg und dem „Grünen Hügel“ zu Recklinghausen, allwo der erste Präsident unserer Republik, Professor Theodor Heuss, in der Mitte der sechsziger des vorigen Jahrhunderts, als das Motto noch hiess „Kunst gegen Kohle“ , den Grundstein legte für jenes wundervolle Theater.

Häufig, aber beileibe nicht immer, waren auf diese Weise ( u.a. durch zwei Finanzpartner getragene) an beiden Instituten hoch wertvolle Schauspielproduktionen zu sehen. Im Jahr 2011 leider wieder einmal nicht: Weder im „Pütt“ noch an der Elbe konnte Edmond Rostands wunderbar-poetisches Stück „Cyrano de Bergerac“ als erfolgreich bezeichnet werden:
Als Hauptdarsteller, also Titelrollenträger, Dominique Horwitz zum ersten Mal vor Monaten (im Rahmen einer Hamburger Pressekonferenz) erzählte, dass er und sein Regisseur Pitoiset das Stück in einer Hotel-Grossküche anzusiedeln gedächten,machte sich unter den Zuhörern Ratlosigkeit breit, die sich im Juni und jetzt wieder bei der Hamburger Premiere (, mit der die neue Saison an der Kirchenallee eröffnet wurde) bestätigte: Zwar kann Horwitz – kraft seiner unbestreitbaren Präsenz – den Abend retten ( , selbst, wenn er einmal hängt, sich den Text bei der Souffleuse abholt und das dem Publikum gegenüber auch noch souverän kommentiert), aber nicht die verwirrende Inszenierung dieses so wundervollen Stückes.(Bezeichnend ist das Einlegeblatt der Dramaturgie in das äußerst spärliche (Anm: „Spärlich“ kommt von „Sparen“) Programmheft, demzufolge der Regisseur “ aufgrund einer Erkrankung“ zur hiesigen Premiere nicht erscheinen könne!).

Wir wollen nicht weiter kommentieren, was überregional bereits ausreichend geschehen ist. Nur so viel:
Anne Schäfers Roxane ist eine wundervolle Studie, der Rollenträger des Christian wurde offenbar nach Recklinghausen ( Aleksander Radenkovic) umbesetzt, denn in Hamburg spielt – ebenfalls reichlich blass – Tillbert Strahl-Schäfer. Aber: Das Paradestück liefert wieder einmal der herrliche
Michael Prelle mit dem Psychogramm des demenzkranken Nachbarn, der den auf den Tod verletzten Cyrano findet und seinen Zustand lautstark beklagt, Herrlich, herrlich! Chapeau!

Foto: mit Genehmigung der Dramaturgie des Schauspielhauses, Kerstin Schomburg

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