Vor allem monumental sollte er sein!

Von Dr. Manuel Ruoff

Nach drei Jahrzehnten Bauzeit wurde der 50 Meter hohe und 45 Meter breite Arc de Triomphe am 30. Juli 1836 eingeweiht

Nach der Dreikaiserschlacht von Austerlitz vom 2. Dezember 1805 entstand beim Kaiser der Franzosen Napoleon I. der Wunsch, seine Siege in seiner Hauptstadt durch zwei Triumphbögen zu verherrlichen. Im Frühjahr 1806 verfügte er deren Errichtung. Beide stehen noch heute. Der eine ist der Arc de Triomphe du Carrousel, der andere der Arc de Triomphe auf dem Place de l’Étoile, dem heutigen Place Charles-de-Gaulle. Beide sind symptomatisch für das Selbstverständnis und die Selbstdarstellung des Emporkömmlings.

Auf der einen Seite legte der „kleine Korporal“ Wert darauf, als standesgemäß, als ebenbürtig mit den anderen, im Gegensatz zu ihm „legitimen“ Herrschern seiner Zeit anerkannt zu werden. Andererseits war er nicht bereit, sich in das „Konzert der Europäischen Mächte“ zu integrieren, sondern forderte für sich eine Sonder-, eine einzigartige Stellung. Die beiden Triumphbögen spiegeln diese ambivalente Zielsetzung wider.

Der Arc de Triomphe du Carrousel ist ein konventioneller und damit auch vergleichsweise unspektakulärer Bau. Mit ihm reihte sich Bonaparte in die Reihe der Herrscher und Sieger seiner und der vorausgegangenen Zeit ein. Der 08/15-Bau, um es bösartig zu formulieren, wurde in einem Zuge innerhalb von nur zwei Jahren errichtet.

Von einer ganz anderen Qualität ist der zweite Bogen, der uns denn auch heute sehr viel präsenter ist. Er sollte – wie sein Bauherr – groß- und einzigartig sein. Vor allem sollte er monumental sein und alleine mit seiner Größe alles bis dahin Dagewesene in den Schatten stellen. Das tat er auch mit seinen Ausmaßen von 50 Metern Höhe und 45 Metern Breite. Der durch die schiere Größe erzeugte Eindruck der Monumentalität sollte durch die Schlichtheit und Klarheit der Formensprache unterstützt werden.

Enorm waren auch die Kosten mit schließlich 9,3 Millionen Francs. Diese Großinvestition war nur zu rechtfertigen, wenn die Breitenwirkung entsprechend groß war. Frankreichs Innenminister

Jean-Baptiste Nompère de Champagny plädierte deshalb als Standort für den Place de l’Étoile. Gegenüber seinem Kaiser argumentierte er:

„Man muss sich dabei klarmachen, dass dieser Bogen allem, was in dieser Art schon gebaut ist, überlegen, für diesen Platz beinahe kolossale Ausmaße erfordern würde, die die Ausgaben erhöhen. Aber welche Vorteile in dieser Lage! Man könnte ihn von den Höhen Neuillys und von der Concorde aus sehen. Den Reisenden, der Paris betritt, wird er mit Bewunderung erfüllen, denn Monumente dieser Art wirken besonders auf große Entfernungen, indem sie der Einbildungskraft freien Lauf lassen. Und er würde demjenigen, der sich aus der Hauptstadt entfernt, die tiefe Erinnerung seiner unvergleichlichen Schönheit einprägen.

Ferner, wenn man den Palast Eurer Majestät als das Zentrum von Paris ansieht, sowie Paris als das Zentrum des Reiches, so würde das Monumentum vom Mittelpunkt der Hauptstadt aus gesehen werden. Es würde gesehen werden von dem weiträumigsten und regelmäßigsten Platz aus, von der meistbesuchten Promenade und wäre dennoch ein Stadteingang, entspräche der wahren Bestimmung von Denkmälern dieser Art.

Obwohl entfernt, stünde es dem Triumphator doch immer vor Augen: Eure Majestät würden es durchfahren, wenn Sie sich nach Malmaison, nach St. Germain und selbst nach Versailles begeben, wenn man die Straße durch den Bois de Bologne nimmt, den Sie angenehmer empfinden könnten.“

Bonaparte überzeugte die Argumentation seines Ministers. Und am 15. August 1806 wurde an genanntem Orte der Grundstein gelegt.

Wenn Napoleon als Herrscher der größten Kontinentalmacht auch über enorme Ressourcen verfügte, so gingen die Arbeiten an diesem Monumentalbauwerk doch nur schleppend voran. Bis zur Abdankung Napoleons hatten die Pfeiler die Höhe von 20 Metern erreicht.

Verständlicherweise hatten in der Zeit der Restauration die wieder eingesetzten Bourbonen wenig Interesse daran, an einem Bogen zum Ruhme des Usurpators, dieses Kindes der Revolution, die Ludwig XVI. den Kopf gekostet hatte, weiterbauen zu lassen. Die Bauarbeiten wurden bis auf weiteres eingestellt. Ein Abriss wurde ebenso erwogen wie ein Umbau.

Nachdem es 1823 Interventionstruppen des bourbonischen Frankreich gelungen war, in Spanien die absolute Monarchie zu restaurieren, wurde beschlossen, am Triumphbogen weiter zu bauen, ihn nun aber den siegreichen Interventionstruppen zu widmen.

Die Umsetzung dieses Umwidmungsplanes scheiterte jedoch an der Julirevolution von 1830. Der aus dieser zweiten französischen Revolution hervorgegangene „Bürgerkönig“ Louis-Philippe stand der ersten französischen Revolution, der Trikolore sowie Napoleon und dessen Grande Armée ungleich wohlwollender gegenüber als seine bourbonischen Vorgänger. Unter ihm wurde der Triumphbogen entsprechend dem ursprünglichen politischen Programm zum Ruhme der Grande Armée weitergebaut. In seine Regierungszeit fallen auch die Aufträge für die vier großen Reliefs, François Rudes „Auszug der Freiwilligen 1792“ / „La Marseillaise“, Jean-Pierre Cortots „Triumph Napoleons nach dem Frieden von 1810“ sowie Antoine Étex’ „Der Widerstand 1814“ und „Der Frieden von 1815“. Auch in der sonstigen nun erfolgenden Ausschmückung des Bogens hatte der König keine Hemmungen, Frankreichs Siege als Republik und Kaiserreich zu verherrlichen.

Nach der Vollendung des plastischen Schmuckes wurde der Arc de Triomphe am 30. Juli 1836 feierlich eingeweiht. König Louis-Philippe fehlte zwar, doch zeugt das weniger von Geringschätzung gegenüber dem Bau als von der Furcht vor einem Attentat.

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