Vor 50 Jahren begann der Bau der Mauer

Von Dr. Manuel Ruoff

»Niemand hat die Absicht …«

Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Ääh, mir ist nicht bekannt, dass solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll ausgenutzt, ääh, eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Diese Antwort des Ersten Sekretärs des ZK der SED und Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin am 15. Juni 1961 gehört zu den bekanntesten und kurzlebigsten Lügen der Geschichte.

Bereits in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen die NVA, 5000 Angehörige der Deutschen Grenzpolizei, dem Vorläufer der Grenztruppen, 5000 Angehörige der Schutz- und Kasernierten Volkspolizei sowie 4500 Angehörige der Betriebskampfgruppen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln. Am darauffolgenden Tag unterbanden Stacheldraht und Bewachung das einfache Wechseln zu oder aus den Westsektoren. Ab dem 15. August wurde mit Betonelementen und Hohlblocksteinen die erste Mauer aufgebaut. Im Juni 1962 kam die sogenannte Hinterlandmauer hinzu. 1965 ersetzten zwischen Stahl- oder Betonpfosten eingelassene Betonplatten die bisherigen Bauteile. Als ihr oberer Abschluss wurde eine Betonröhre aufgesetzt. Weitere Modernisierungen und Perfektionierungen der Mauer erfolgten in den folgenden Jahrzehnten bis kurz vor ihren jähem Fall im Jahre 1989.

Der Bau der Mauer bedeutete für die Mitteldeutschen ihre Einsperrung, für das deutsche Volk die Zementierung seiner Teilung und für die Westalliierten die Verfestigung der Aufteilung Deutschlands und damit der Legitimierung ihres Verbleibs im Westen Deutschlands und Berlins. Ungeachtet dieser Interessenlage geziemte es sich für die westlichen Besatzungsmächte, gegenüber der Öffentlichkeit den Mauerbau zu kritisieren, wollte man sich nicht die Sympathien in Deutschland verscherzen sowie die Westbindung der Westdeutschen und der West-Berliner gefährden.

Mit der friedlichen Revolution und Michail Sergejewitsch Gorbatschows Entlassung der DDR aus der Ostbindung kam 1989 unerwartet die Stunde der Wahrheit. Paris und London offenbarten, dass sie Deutschland so sehr lieben, dass sie froh waren, dass es zwei davon gab. Die Vereinigten Staaten wiederum reagierten mit der Souveränität einer Supermacht. Die Frage, ob ihr Präsident George Bush analog zu Gorbatschow bereit gewesen wäre, die Bundesrepublik aus der Westbindung zu entlassen, stellte sich dank Bundeskanzler Helmut Kohl gar nicht erst. So standen die USA nur vor der Frage, ob sie bereit waren, es zuzulassen, dass der von ihnen geführte Block um 108179 Quadratkilometer mit rund 17 Millionen Seelen vergrößert wurde. Bush beantwortete die Frage positiv – und wird dafür bis heute in der Bundesrepublik als großer Freund Deutschlands gefeiert.

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