Der Traum von der eigenen Insel

erschienen im Hamburger Abendblatt am 1. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Mir ist da eine exklusive Möglichkeit ins Haus geflattert, eine richtig exklusive. Man bietet mir an, eine Insel zu kaufen, eine richtige kleine tropische Insel und das alles steuerfrei. Meine Gedanken beginnen zu kreisen.

Welch ein wunderbarer Gedanke, eine eigene Insel zu haben. Robinson zu spielen, wann immer man möchte und das alles steuerfrei. Unter einer Palme am Strand zu liegen – ohne Kokosnüsse natürlich, die auf den Kopf fallen könnten – ein erfrischendes Getränk in der Nähe und das alles steuerfrei. Allerdings liegt diese Insel so weit weg, dass die Reise dorthin alles andere als paradiesisch zu nennen wäre und damit wohl auch die steuerlich günstige Variante ihren Reiz verlöre.

Der Zufall will es, dass mein Freund Wolfgang gerade einen neuen Teich für seine Kois bauen muss. Nach vielen Jahren ging die Teichfolie kaputt. Die Fische wurden schon ausquartiert. Ich hingegen bin gedanklich noch immer auf der Insel und habe einen Inselgedanken, der mir immer sympathischer vorkommt, als ich das höre. Denn Wolfgang hat 360 Quadratmeter Kautschukteichfolie bestellt und muss dafür nun etwa 2500 Euro bezahlen. Das ist deutlich weniger, als ich für meine Insel hätte bezahlen müssen, nämlich 50 000 Euro.

Die Idee ist also klar. Wolfgang baut zu relativ günstigen Preisen einen neuen Teich. In diesen Teich muss er nun nur noch eine Insel einplanen. Das wird nicht allzu schwer sein, Palme inklusive. Kokosnüsse kommen aus dem Supermarkt. Erfrischende Getränke sind immer im Kühlschrank. Paradiesische Töne aus dem Lautsprecher werden auch kein Problem sein. Da hätten wir doch alles beieinander, was das Herz begehrt.

Nicht ganz, meinen Sie? Sie denken an die fehlende Sonne und das fehlende Meeresrauschen? Widersprechen kann ich da nicht. Sonnenscheingarantie ist bei uns wohl nicht abzugeben. Aber seien wir doch ehrlich: Wir haben sie im Herzen. Auch das Meeresrauschen dürfte kein Problem sein. Wahrscheinlich rauscht es nach der dritten Pina Colada und einem Singapur Sling wie von selbst…

Ein Gedanke zu „Der Traum von der eigenen Insel“

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