Ausgrabungen in Klecken, Landkreis Harburg

Von Uschi Tisson

Dr. Jochen Brandt zeigt die Bodenverfärbungen, die auf eine frühere Brennstelle hinweisen.

Klecken. Aus einer Routinekontrolle des Bodens vor Beginn der schon bald beginnenden Bauarbeiten eines Verbrauchermarktes in der Kleckener Bürgermeister-Glade-Straße in Rosengarten (Landkreis Harburg), entwickelten sich plötzlich Ausgrabungsarbeiten, „mit denen ich eigentlich gar nicht gerechnet hatte“, sagte Kreisarchäologe Dr. Jochen Brandt vom Harburger Helms-Museum. „Archäologisch ist uns in dieser Gegend nichts bekannt gewesen, doch jetzt haben wir neue Erkenntnisse.“ Dort, wo schon in den nächsten Tagen mit Baggern der Untergrund für den geplanten Neubau vorbereitet werden soll, gab es in der Bronze- und Eisenzeit eine Siedlung. Ein kleines Grabungsteam mit Schaufel und Kelle machte sich daran, auf rund 6000 Quadratmetern die Spuren der Menschen ans Tageslicht zu bringen, die hier schätzungsweise vor rund 2500 bis 2800 Jahren gelebt haben.

Ursula Winterhoff misst und dokumentiert die Spuren aus der Vergangenheit.

Die Ausgrabungshelfer markierten die Stellen farblich, an denen die Siedler ihre Brennstellen im Boden eingerichtet hatten. Vermutlich wurde hier der Lehm für die Häuser gebrannt. Für die geschulten Augen von Jochen Brandt und sein Team eindeutig erkennbar an den farblich unterschiedlichen Bodenschichten.

Zwei Kartons Scherben, die überall im Erdreich verstreut sind, haben sie bisher in kürzester Zeit dem Boden entnehmen können. „Das ist nicht die Welt“, sagte Kreisarchäologe Brandt, „aber wir brauchen diese Erkenntnisse für die Dokumentation dieser Region. Jede Entdeckung aus der Frühgeschichte ist Teil eines großen Puzzles, das wir zusammentragen müssen. Die Technik entwickelt sich vorwärts. Wer weiß? Vielleicht können Naturwissenschaftler irgendwann erforschen, was aus den Gefäßen, zu denen die Scherben gehören, damals in dieser Seilung gegessen wurde.

Jochen Brandt vermutet das eigentliche Zentrum der Siedlung unterhalb des angrenzenden, etwas tiefer liegenden Kornfeldes. „Für die Siedler früher war die Bearbeitung des Bodens Schwerstarbeit. Der ist knallhart und während es damals nur hölzernes Werkzeug gab, ist das Buddeln mit unseren Schaufeln auch heute noch sehr anstrengend.“

Die Ausgrabungsarbeiten verzögerten den Bau des Supermarktes nicht. „Wir haben eine geplante Pause nutzen können“, sagte Jochen Brandt. Für unsere Arbeit blieben uns drei Tage Zeit. Mehr brauchten wir auch nicht.  Die zum Teil sehr empfindlichen und bröseligen Scherben wird er grob auswerten. An einer Scherbe mit bloßem Auge erkennbar ist der typische Fingerabdruck desjenigen, der das Vorratsgefäß hergestellt hat: Fingerbreite Kerben sind am Rand eingedrückt. Vielleicht wird diese mit anderen später im Supermarkt als Dauerleihgabe in einer Vitrine ausgestellt. Jochen Brandt könnte sich das jedenfalls sehr gut vorstellen.

 

Schreibe einen Kommentar