Die Stimmung am Morgen

erschienen im Hamburger Abendblatt am 8. Juni 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Es ist Morgenstimmung im Lande. Die Menschen sind aufgestanden, haben ihre Morgenwäsche absolviert, den Tee oder Kaffee getrunken, gefrühstückt auf die Schnelle oder auf die langsame, gemütliche Weise – alles das. Dann geht es in den Tag, für jeden auf seine Weise.

Für den Busfahrer heute am Morgen ist eigentlich nicht mehr Morgen. Er ist schon seit einigen Stunden unterwegs. Der Tag begann in schwarzer Nacht und endet vor dem verdienten Schlaf am Mittag. Die Krankenschwester geht vom Nachtdienst nach Hause und lebt ebenfalls in einem Rhythmus, der nicht vom Auf- und Untergang der Sonne bestimmt ist. Piloten und Stewardessen von Flügen nach irgendwo erleben Tage und Nächte im Fluge vergehend. Schlafen im Rhythmus eines durch die Erddrehung bedingten Auf- und Untergehens der Sonne? In diesem Beruf werden Zeit und Geschwindigkeit wohl ganz besonders auf den Kopf gestellt.

Was unser Körper braucht und wie er Stress mit der Zeit verarbeiten kann, das ist schon längst nicht mehr wirklich die Frage, die uns bewegt. Wir haben uns daran gewöhnt. Wir unterwerfen uns den Erfordernissen und Bedürfnissen einer hektischen modernen und die Mobilität fordernden Welt. Berufe wie das Bäckerhandwerk oder die pflegenden Berufe, die ohne Nachtarbeit nicht zu denken sind, können ein Lied davon singen.

Die moderne Berufswelt, die moderne Welt überhaupt, fordern von uns immer wieder ein Zeitmanagement unseres Lebens ab. Unser Leben, über Jahre geplant wie ein Uhrwerk mit Schule, Stempelkarte, Flugschein oder Krankenhausüberweisung. Versorgung braucht Verlässlichkeit. Das ist eine Binsenweisheit. Wer krank ist, geht davon aus, dass sein Arzt heute wie immer zuverlässig in seiner Praxis anwesend ist und helfen kann. Wer eine Reise machen möchte, geht davon aus, dass Bus, Bahn und Flugzeuge ihre Fahr- und Flugpläne einhalten.

Könnte nun das Fazit sein, dass wir uns in dieser Welt immer alle ganz besonders aufeinander verlassen können müssen? Neben Kompetenz auch auf Pünktlichkeit?  Rigoros verneinen würde ich das nicht… ich vermute, Sie haben es auch genossen, Ihre Zeitung heute früh pünktlich im Postkasten vorzufinden…

 

 

 

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