Wolf trifft Jäger

Von Dr. Wolf Tekook

Goldfluss

Als die Impressionisten begannen, Licht einzufangen und dieses Erlebnis auf Leinwand zu bannen, mokierten sich die Landschaftsmaler der Romantik über die verloren gegangene Detailtreue. Die Pinselartisten der scholastisch geprägten Gotik begehrten auf, als die Renaissance- Maler auf der Suche nach der Zentralperspektive die Dreidimensionalität er Abbildung zum Prinzip erhoben. Immer wenn der Fortschritt der Technik und des Denkens neue künstlerische Möglichkeiten eröffnet, erbrennt ein Streit zwischen den Parteien der Bewahrer des Alten und den Protagonisten des Unbekannten.

Dass es auch anders geht, soll ein gemeinsames Kunstprojekt der Würzburger Malerin Martina Jäger und des Krefelder Digitalkünstlers Wolf Tekook beweisen. Unter dem Titel Wolf trifft Jäger vereinen sie das Beste aus beiden Lagern in gemeinsamen Bildern.

Bedürfnisse - Detail

Beide Künstler begannen vor Jahrzehnten mit den klassischen Techniken: Martina Jäger als Malerin mit Kohle, Kreide sowie Acryl- und Ölfarben, Wolf Tekook als Zeichner mit Stift und Tusche. Beide öffneten sich seit den 80er Jahren den neuen Möglichkeiten der digitalen Welt, wobei die Würzburgerin weiter die klassischen Materialien und Techniken bevorzugte, während der Krefelder seine Schwerpunkte auf die Digitalkunst verlegte. Grenzübertritte sind allerdings bei beiden eher die Regel als die Ausnahme. Seit einiger Zeit verfolgen sie gemeinsame Kunstprojekte, was zu einer weiteren Annäherung der Aussagemöglichkeiten führte.
Die Startpunkte setzt Wolf Tekook, der fotografisches Ausgangsmaterial mit den Stilmitteln der digitalen Bildbearbeitung und des Composings zu einem neuen Ganzen zusammenfügt. Martina Jäger übermalt die in Gicléetechnik auf  Büttenpapier oder Leinwand ausgedruckten Resultate schwungvoll in goldenen oder silbernen Tönen, akzentuiert, fügt Inhalte hinzu, lässt Anderes verschwinden und modifiziert so die ursprüngliche Bildaussage zu einer neuen Einheit.
Auf diese Weise entstehen Unikate, die vom Reiz der bewussten Grenzüberschreitungen leben.

Strömungen

Zwei Themen markieren den Anfang dieser Zusammenarbeit:
Der Geist des Geldes bezieht Stellung zu der Macht der Banken und ihrem Einfluss auf das Leben der Menschen auf diesem Planeten. Kalter Kommerzarchitektur wird durch schwungvolle Übermalungen Leben eingehaucht. Strichmännchen erklimmen das Euro- Symbol, gerundete Figuren erklimmen den Bankpalast, goldene Ströme regnen herab, und selbst der Himmel beteiligt sich mit edelmetallenen Blitzen am optischen Rausch.

In Engeliges ergänzen goldene Federn und Konturen die digitale Komposition. Ob in den Vatikanischen Museen oder auf einer Burgruine – überall hinterlassen die mythologischen Wesen ihre leuchtenden Strukturen – zu menschenähnlichen Knäueln verschlungen oder als Raumdecke in Form von Knochengerüsten.

Die Arbeiten werden auf Ausstellungen gemeinsam präsentiert und werden beweisen, dass das bewusste Überschreiten von scheinbar festgefügten Grenzen sowohl die Darstellungsmöglichkeiten als auch die Aussage erheblich bereichern kann. Fortsetzungen sind geplant und erwünscht.

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