Er jagte die Schweden übers Kurische Haff

Vonn Dr. Manuel Ruoff

Der an der Geschichte Preußens Interessierte weiß um die Bedeutung des preußischen Sieges über die Schweden in der Schlacht von Fehrbellin 1675 und die Verfolgung des Besiegten durch die Sieger – zum Teil über das zugefrorene Kurische Haff – bis vor Riga. Mit dem Sieg über die damals führende Militärnation Europas beginnt die preußische Militärtradition. Und der eher künstlerisch oder kunsthistorisch Interessierte kennt das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Fresko Wilhelm Simmlers aus der Kaiserzeit „Die große Schlittenfahrt“, das den Großen Kurfürsten dabei zeigt, wie er sich an der sogenannten Jagd über das Kurische Haff beteiligt. Schon weniger bekannt dürfte sein, dass bei dieser prestigeträchtigen Verfolgung der Schweden über das Haff die preußische Avantgarde von einem Offizier geführt wurde, der in der schwedischen Armee sein militärisches Handwerk gelernt hatte.

Dabei war Görzke nicht etwa gebürtiger Schwede, in Bollersdorf in der Märkischen Schweiz er­blick­te er vor 400 Jahren, am 11. April 1611, das Licht der Welt. Als Edelknabe von Maria Eleonora von Brandenburg kam er jedoch schon als Kind nach Schweden, als die Hohenzollernprinzessin 1620 den dortigen König Gustav II. Adolf heiratete. 1628 wurde er Page des Schwedenkönigs und fünf Jahre später Reiter in dessen Leibgarde. Auf Seiten Schwedens nahm er denn auch am Dreißigjährigen Krieg teil. 1648 endete nicht nur diese deutsche Selbstzerfleischung, sondern auch Görzkes Dienst in der schwedischen Armee.

Als Oberst a.D. lebte Görzke auf seinen Gütern, bis er sich 1656 von den Brandenburgern mit dem Range eines Generalmajors reaktivieren ließ. Er nahm für seinen neuen Herrn, den Großen Kurfürsten, am Zweiten Nordischen Krieg teil, der dem Hohenzollern die Souveränität in Preußen brachte, und wurde dort ab 1661 eingesetzt. 1664 wurde er Gouverneur von Memel. Nach dem Ausbruch des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges 1674 nahm er außer an der Schlacht um Rathenow, den Belagerungen von Wolgast, Anklam, Demmin und Stettin sowie der Einnahme von Greifswald auch an der Schlacht bei Fehrbellin teil, bevor seine militärische Karriere mit der Verfolgung der Schweden über das Kurische Haff 1679 ihren Höhepunkt erlebte. Im Ergebnis brachte der schwedische Feldmarschall Henrik Horn von den ehemals 12000 bis 16000 Mann, mit denen er im November 1678 in Ostpreußen eingefallen war, um Schwedisch-Pommern zu entsetzen, nur noch 1000 Reiter und 500 Mann Infanterie in gefechtsfähigem Zustand wieder zurück ins damals schwedische Livland.

Ab 1677 amtierte Görzke, 1675 zum Generalleutnant befördert, als Gouverneur von Küstrin. Dort starb der Ex-Soldat der Schweden und spätere Sieger über sie am 27. März 1682.

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