Meine arme Kreditkarte

erschienen im Hamburger Abendblatt am 31. März 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Wer zu viel Zeit hat und nicht weiß, wie er sie verbringen soll, der muss sich Gedanken darüber machen, wie er sich die Zeit vertreiben kann. Von diesen Menschen scheint es auf der Welt viele zu geben. Sie haben so viel Zeit, die bedauernswerten Leute, und nun machen sie sich Gedanken darüber, sie sinnvoll einzusetzen. Ihre Idee: Sie wollen mir helfen. Wie wunderbar!

Sie schreiben mir zum Beispiel Emails. In der letzten Zeit kamen einige davon an. Aus ihnen geht hervor, dass sich diese so sehr um ihre Mitmenschen Kümmernden Sorgen um den Zustand meiner Kreditkarten machen. Sie machen sich sogar Sorgen um Kreditkarten, die ich gar nicht habe. Das scheint mir nicht nur auf den ersten Blick der Sorge zu viel zu sein. Aber wie gesagt, wenn der Mensch viel Zeit zur Verfügung hat, dann setzt er sie nun mal für seine Mitmenschen ein, koste es, was es wolle.

Heute kam wieder so eine Email an. Diesmal möchte man mich auf ein Problem mit meiner Visa-Karte aufmerksam machen. Es muss sehr dringend sein, denn der Verfasser des Briefes hat vergessen, sein Schreiben auf Rechtschreibfehler hin zu kontrollieren. Da steht nun folgendes:

„Hallo Gast Visa Europe, Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto. Wir haben zu bestimmen, dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Für Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen. Um diese Suspension aufzuheben. Klicken Sie hier  und folgen Sie den Staat zur Aktualisierung der Informationen in Ihrer Kreditkarte. Vermerk: Wenn diese nicht vollständig ist, werden wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen.“

Meine arme Karte: ausgesetzt und aufgehängt! Nun mache ich mir wirklich Sorgen! Andererseits – die Briefeschreiber werden es schon richten. Sie haben viel Zeit dafür!

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